(aktueller Anlass:) Interview mit Prälat Imkamp

Hereinspaziert, hereinspaziert! Sehen Sie, staunen Sie: Ein Mann mit Knopflochentzündung lässt meinen Respekt verschwinden – in unter 10 Minuten.

Um mich dazu zu bringen, einem katholischen Würdenträger zu attestieren, dass ich ihn für eine Pfeife halte ist schon viel vonnöten. Prälat Wilhelm Imkamp schafft das spielend.

Er hat ein neues Buch geschrieben, darüber, dass Katholik sein bedeutet, nicht spießig zu sein und diesen Satz würde ich sofort unterschreiben (allerdings meine ich das ganz anders als Herr Imkamp).

Alles ist fein und nett, bis er sich entscheidet, über ein Thema zu sprechen, von dem er keine Ahnung hat (ich zitiere):

Imkamp: Den Islam kann man nicht mit dem Katholizismus vergleichen, da er kein nonkonformistisches Potenzial hat, sondern auf gewaltsame Konformität setzt. Der Islam ist in der Regel oder im Idealfall identisch mit dem Staat.

PUR: Wenn Sie sagen, dass sich der Islam gewaltsam ausgebreitet hat, wie sehen Sie die heutigen Tendenzen des Islam?

Imkamp: Das ist eine ganz schwierige Situation, ich glaube man kann nicht von einem Islam sprechen, denn er ist in sehr verschiedene Konfessionen geteilt. Zudem gibt es im Islam keine zentrale Autorität, deswegen sind Dialogbemühungen mit dem Islam extrem schwierig.

PUR: Dann ist der Islam ein Phantom.

Imkamp: Exakt, das ist auch eine gute Begründung für die hierarchische Struktur der katholischen Kirche.
Bei uns gibt´s einen Boss, da weiß man, wo es langgeht.

PUR: Ist der Islam Partner, Konkurrent oder Gegner?

Imkamp: Der Islam und das Christentum haben sicher einen gemeinsamen Gegner, das ist die hedonistische, weltliche, säkular und im wahrsten Sinne des Wortes gottlose Gesellschaft.“

Oopsie. Irgendwo in dieser faszinierenden Kompilation an Binsenweisheiten Expertenmeinungen zum Islam befindet sich doch ein Widerspruch?

„[…] auf gewaltsame Konformität setzt. Der Islam ist in der Regel oder im Idealfall identisch mit dem Staat. […] Das ist eine ganz schwierige Situation, ich glaube man kann nicht von einem Islam sprechen, denn er ist in sehr verschiedene Konfessionen geteilt. Zudem gibt es im Islam keine zentrale Autorität.“

Was denn nun? Ist der Islam nun ein einheitlich stehender, menschenfressender, konformistischer, machthungriger Moloch oder ein unberechenbarer Krautverhau? Irgendwie passt das nicht zusammen.

Und wenn man nicht von „einem“ Islam sprechen kann, wieso tun Sie’s dann, Herr Imkamp? Aber wenn wir schon bei unzulässigen Verallgemeinerungen sind, wie wär’s damit?:

„Wir sollten nie vergessen, dass gottlose Gesellschaften immer auch mit Massenmord zu tun haben“

Vielleicht zeigt der Herr Imkamp mir erst mal eine „gottlose Gesellschaft“. Denn nur, weil die Regierung Religion unterdrückt, heißt das nicht, dass die Gesellschaft an sich gottlos ist. So eine Kultur ist mir bisher nicht bekannt. (Übrigens: die Buddhisten wären zumindest im Wortsinne „gottlos“…) Ebenfalls gab und gibt es massenmordende Regimes mit Gott auf den Lippen, Fahnen oder auch nur im Gewissen.

 „Der Kapitalismus ist eine Perversion des Denkens“

Zugegebenermaßen: von einem derartigen Islamexperten wie Herrn Imkamp kann man nicht erwarten, dass er sich auch noch mit Wirtschaftswissenschaften auskennt. Die absolute Basisdefinition von Kapitalismus (denn die Definitionen um den Kapitalismus blühen zahlreich) – und zwar in Abgrenzung zum Kommunismus – wäre ein wirtschaftliches System, in dem die Produktionsgüter sich im Privateigentum befinden und der Markt nur über Angebot und Nachfrage reguliert wird.

Übrigens: Wir sollten nie vergessen, dass die Abwesenheit von Kapitalismus immer mit gottlosen Gesellschaften zu tun hat…

Wo waren wir? Achja. Es gibt nichts humaneres als Planwirtschaft. Denn da geht es allen erfahrungsgemäß so richtig gut.

Nein, da waren wir nicht. Mal überlegen.

Richtig: es steht jedem Christen frei, nach seinem besten Gewissen zu handeln und deshalb kann er auch innerhalb eines kapitalistischen Systems nach seinem Gewissen handeln, weil das kapitalistische System qua definitone jedem freistellt, mit seinen Gütern zu wirtschaften, wie es ihm gerade passt?

Ach quatsch. Wir wollten ja gerade erläutern, wieso es gut wäre, wenn wir nicht frei wären, sondern die Wirtschaft von irgendwem – am besten vom Staat, noch besser von der Kirche – reguliert. Und weil die Kirche ja bekanntermaßen deshalb so genial ist, weil sie nie die Union mit dem Staat anstrebte, fällt sie als Regulativ aus, bleibt nur noch der Staat.

Das wäre deshalb gut, weil dann die Produktionsgüter nicht in den Händen gottloser Menschen wären, sondern in denen des auf eine Übernahme eben dieses Staats drängenden, gottverbundenen Islams.

Erscheint mir immer noch nicht das, was Herr Imkamp sagen wollte, aber vermutlich weiß er es selbst nicht. Dann: ein lichter Moment:

 „Deutschland hat keine Debattenkultur, es hat eine Empörungskultur.“

yeay! Da haben Sie aber mal wirklich Recht.

„Das erinnert mich manchmal in Wortwahl und Inhalt an die Fatwas islamischer Großmuftis.“

Ach, vergessen Sie’s einfach!!!

 „Natürlich, wer richtig katholisch ist, ist intellektuell nie abgeschlafft, weil man immer bereit sein muss, über seinen Glauben Rechenschaft abzulegen.“

Absolut. Und deshalb empfehle ich Ihnen zur Erweiterung Ihres Horizonts die ein- oder andere islamwissenschaftliche Vorlesung. Aber dazu überlasse ich Herrn Imkamp das Schlusswort mit Vergnügen selbst:

PUR: Sind Sie gern Wilhelm Imkamp?

Imkamp:(überlegt) Ja, in dem Bewusstsein: Mehr ist nicht drin.“

 

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Kritik zu katholischen Themen, Religion und Politik

5 Antworten zu “(aktueller Anlass:) Interview mit Prälat Imkamp

  1. tonilt

    Ja ja, die Antworten von Herrn Imkamp lassen sich wohl in die Kategorie „Stammtischgerede versetzt mit Fremdwörtern“ einordnen.

    • hey, danke dass Du den Weg auf meinen Blog gefunden hast! :) Ja, was mich so ärgert ist das aneinanderreihen vollkommen widersprüchlicher Eisnchätzungen des Islam – ich studiere immerhin seit 5 Jahren Religionswissenschaft und maße mir das nicht in dieser Weise an – und zugleich diese vollkommen zahnlose Systemkritik.
      Es ist so verdammt leicht für Kirchenvertreter, sich hinzusetzen und zu sagen: Das System ist falsch!!! weil sie ja selbst überhaupt nicht am Drücker sind. Sie brauchen ja nichts zu machen, außer wichtig dreinzublicken und zu sagen, dass es so nicht weitergeht. Wenn Systemkritik, dann doch bitte mit einem akzeptablen Gegenvorschlag…

      • tonilt

        auf deinen Blog bin ich eher zufällig gestoßen. Besonders gefällt mir die „Typologie des Atheisten“.

  2. tonilt

    Aber genau aus o.g. Grund halte ich mich, sofern möglich aus kirchenpolitischen oder gar weltpolitischen Themen heraus. Debattieren und Diskutieren ist die eine Sache, man kann an der ganz normalen Basis aber viel mehr tun als von so einigen Kirchenleuten gedacht. Man muss nicht gleich alles kirchenpolitisch aufladen.

    • Aber man kann und ehrlich gesagt finde ich das schon recht wichtig.
      Vielleicht liegt es daran, dass sich mir als eine der ganz wenigen wertekonservativen liberalen Studenten in den Geisteswissenschaften der LMU mittlerweile einfach die Zehennägel aufrollen, wenn jemand das „System“ anprangert. Das passiert bei uns nämlich eigentlich… dauernd. Wie schlimm kann ein System schon sein, in dem es ganz offen möglich ist, auf das „System“ zu schimpfen?
      Wie dem auch sei: auch ich bin generell für mehr tun, weniger reden – aber selbst immer an vorderster Front wenn es um’s Reden geht ;)

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