5 Gründe, religiös zu sein: 3. Schön, dass wir drüber geredet haben.

„Nein nein, ich bin katholisch“. „Achso, so richtig?“ „Ja.“.

Schweigen, wie nach einem Donnerschlag. Dann prasseln die Fragen. Wenn das Gespräch auf einer Party einschläft, dann ist die Offenlegung des eigenen Glaubens immer ein Kracher. Dabei ist Katholizismus nun wirklich nichts exotisches – bekannter Katholizismus allerdings schon. Vielleicht bin ich auch Sadistin, aber ich genieße dieses sich-Winden von Leuten, die nicht so recht wissen, was sie sagen sollen, die Angst haben, mich zu beleidigen oder die denken, sie hätten mich schon beleidigt. Es macht mich stolz, gefragt zu werden, ins Gespräch zu kommen und das ein oder andere Vorurteil aus dem Weg zu räumen.

Klar, es hat auch finstere Seiten. Die zehntausendste Frage, wie das mit den Ablässen war, der Hexenverbrennung, der Inquisition. Viele junge Männer, die von Anfang an denken, dass bei mir vor der Ehe und mit Verhütung nichts läuft und deshalb lieber die Finger von mir lassen, Fragen, die viel zu intim sind, um die damit zusammenhängenden grauenhaften Klischees aus dem Weg räumen zu können, ohne viel zu Privates preiszugeben.

Das alles nervt.

Aber gibt es etwas schöneres, als sich mal so richtig als Opfer zu fühlen? (Doch, gewiss, gibt es. Einen Wurf Dackel-Welpen z.B.) Das Unverständnis der anderen zu beklagen, oder auch offenzulegen? Nur wenige engagieren sich heutzutage persönlich, es braucht Mut und die Leiden nimmt man doch gerne auf sich, erstens nützt man damit der Sache und zweitens – machen wir uns nichts vor – ist man etwas Besonderes. Das sollte zwar nicht Hauptmotivation sein, aber dennoch kommt es zumindest meiner selbstdarstellerischen Ader zugute (Eitelkeit und Stolz sind zwar Todsünden, aber in diesem Fall dienen sie sozusagen der Mission). Und all die Geschichten, die man kennt (siehe Punkt 2). Reliquien und Reliquiare, seltsame Päpste aus dem Mittelalter, Biblische Sach- und Lachgeschichten, das Buch Henoch etc.pp. So lange man noch im Stande ist, über irgendetwas anderes zu reden, macht einen Religion zu einem faszinierenden und interessanten Gesprächspartner, im positiven oder im negativen Sinne. Wenn Sie also das nächste mal mit einem Teenager oder Twenty-Something mit „Antichrist“-T-Shirt konfrontiert sehen, kramen Sie doch mal all Ihr Wissen über den Fürst dieser Welt aus. Sie werden nie jemanden schöner vorgeführt haben.

Anmerkung: dieser Punkt ist nun sehr aus der christlichen Perspektive geschrieben, aber er funktioniert im Grunde für JEDE Religion. Protestanten sind meist kein so schlimmer Aufreger, weil die evangelischen Kichen in den Medien als modern, weltoffen und rational dargestellt wird, dem Typ „Brett-vorm-Kopf-Atheist“ (im Gegensatz zum „freundlich-aber-entschlossen-Atheist“) allerdings ist das auch wurscht.

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Ein Kommentar

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