5 Gründe, religiös zu sein: 4.: Spaß mit Paradoxa

Dieser Teil betrifft einen Punkt, der in den christlichen Kirchen meiner Meinung nach leider immer stärker verkürzt, versteckt und zurückgedrängt wird: Paradoxa finden sich in sehr vielen Religionen und sei es nur die gute alte Theodizee oder dass es unmöglich ist, nicht mehr begehren zu wollen, weil man dann die Begehrslosigkeit begehrt.

Vor einigen Jahren versuchte ein Atheist, der Physik studierte, mir das Paradoxon von Schrödingers Katze zu erklären. Ich lächelte und sagte: „Ich verstehe“. Er meinte daraufhin: „Nein, tust Du nicht, Du musst verstehen, dass man das unmöglich verstehen kann.“ Ich: „Ja, genau.“.

Ich brachte es damals nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass das, was er da von sich gab für einen Katholiken ein alter Hut, ja kalter Kaffee ist.

Dass es Dinge gibt, die sich der Mensch zwar ausdenken, dann aber nicht verstehen kann ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aspekte von Religiosität überhaupt. Für mich ist es das Faszinosum, das mich zu meinem Studium getrieben hat und es ist auch immer wieder der Punkt, an dem ich mit offenem Mund stehen und staunen muss.Und mich freuen. Das Paradoxon sagt uns: Du darfst das alles, was auch immer Du willst, keiner zwingt Dich, dass die Dinge, die Du tust und sagst alle untereinander zusammenpassen. Du darfst das, weil Du ein Mensch bist, denn diese Welt ist auf etwas gegründet, dass in Deinen Augen vollkommen unüberbrückbar nicht stimmen kann und Du hast das akzeptiert und Du bist glücklich darüber.

Das Paradoxon bedeutet geistige Freiheit, weil es vom Zwang der Logik befreit und zugleich erzieht es zu logischem Denken, weil es nur für den, der strukturiert zu denken im Stande ist, überhaupt sichtbar wird

Letztlich möchte ich noch einen weiteren Aspekt hervorheben: die Konfrontation mit dem Paradoxon lehrt uns, dass es Größenwahn ist, anzunehmen, dass wir jemals alles verstehen oder ordnen oder kontrollieren können werden. Und deshalb sollten wir vorsichtig sein, bevor wir in Prozesse eingreifen, die wir möglicherweise gar nicht überblicken können.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Fünf Gründe, religiös zu sein, Zu allgemeiner Religionskritik

Eine Antwort zu “5 Gründe, religiös zu sein: 4.: Spaß mit Paradoxa

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