Eine kleine Typologie des Atheisten

Bitte erst die Einleitung lesen. Wir wollen ja keine Verletzten!

Apologetik gehört zu meinen Lieblingsspielen. Und dazu kam es nicht ganz freiwillig. Bereits in der Schule wurde ich mit diversen Argumenten, bis hin zu Bileidigungen konfrontiert. Ich ging auf eine Schule in der Stadt mit ausschließlich gut situierten Mitschülern aus Elternhäusern, die sich wahnsinnig gebildet vorkamen, und diese waren der Meinung, dass ich DRINGEND über die schrecklichen Begleiterscheinungen von Religion und besonders Katholizismus aufgeklärt werden müsse.

Ich bringe auf diesem Gebiet also eine gewisse Übung mit. Im Laufe der Zeit lernte ich, dass Angriff eine der besten Verteidigungen ist, da sich die meisten Kritiker als Vertreter eines gesellschaftlichen Consens und paradoxerweise zeitgleich unheimlich subversiv fühlten. Einerseits dachten sie, ihr Standpunkt sei für einen intelligenten Menschen sofort logisch ersichtlich und der einzig Vernünftige, andererseits hielten sie sich für unfassbar originell. Es kommt in jedem Fall überraschend für sie, wenn man sich über sie lustig macht.

Ich bin mit einem Haufen überzeugter und zufriedener Atheisten befreundet, denen es nie einfiel, mich auf diese widerwärtige Art und Weise anzugehen. Ich habe auch nie versucht, sie zu missionieren. Das ist schließlich ihre Sache. Die hier dargestellten Tpen von atheistischen Nervensägen sind jene Leute, die ihrerseits die Gläubigen nicht in Frieden lassen können. Die denken, sie müssten mich aus irgendeiner Unmündigkeit und aus den Krallen des Vatikan retten.

Die Typen von Atheisten kennen heißt: bereits vorbereitet sein, auf das, was kommt ;) Also zieht Euch warm an, denn das hier sind die definitiv furchteinflößendsten Exemplare unter ihnen:

1. Wieso-lässt-Gott-zu-dass-meine-beste-Freundin-Herpes-hat-Atheist

Atheist1Diese Sorte Atheist hat sich nie im Leben ernsthaft mit Religion(en) auseinandergesetzt. Oft hat sie ein lose religiöses Elternhaus und dieses mental nie verlassen.

Denn sie hat ihren pubertären Groll auf die Welt nie überwunden. All die schrecklichen Dinge, die ihr passiert sind, dass sie beim Fußball als letzte ins Team gewählt wurde, die 4 in Reli, dass ihre ewige Liebe, Leon, sie mit 15 für ihre beste Freundin (die mit dem Herpes) verlassen hat, all das hat Gott an ihr geschehen lassen. Jetzt bestraft sie ihn dafür damit, dass es ihn nicht gibt. Und die Kirche ist auch voll doof und so. Und außerdem müsste man Sonntag immer so früh aufstehen.

Nicht immer ist diese kindliche Einstellung mit einem geringen Intelligenzlevel gepaart, aber es besteht eine gewisse Tendenz dazu.

Lieblingsargument: „Ja, aber wenn es Gott gibt, wieso passiert dann so viel Scheiße auf der Welt?!“
Wird leicht verwechselt mit: Menschen, die in echten Lebenskrisen ihren Glauben verloren haben.
Lieblingsessen: Spaghetti Tomatensoße/Salat mit Putenstreifen/Pizza.
Schwachstelle: eigentlich weiß sie gar nicht, wovon sie redet.

2. Polit-Atheist

Atheist2Der Polit-Atheist hat sich leider ernsthaft mit Religion(en) auseinandergesetzt und zwar mithilfe der Autoren Dawkins, Feuerbach und Marx. Seiner Meinung nach gibt es auch schützenswerte Religionen und zwar Muslime, alle nicht-christlichen Religionen aus nicht-europäischen Ländern und außerdem alle religiösen Gruppen, die weniger Mitglieder haben, als „Das Kapital“ Seiten (außer natürlich die braune Esoterik und die rechtsradikalen Neuheiden!!!! […] !!!!!!!!).

Das Problem mit Religion ist seiner Meinung nach, dass sie all die schlechten Dinge auf der Welt hervorbringt: Krieg, soziale Ungleichheit, Intoleranz, Pädophilie und sexuelle Zurückhaltung.

Der einzige Grund, warum Leute diesen kapitalen Dummheiten immer noch folgen ist ganz gewiss eine Verschwörung, zum Beispiel der pädophilen Priester oder aber der amerikanischen Juden, die die Weltwirtschaft steuern. Wenn er es gar nicht mehr aushält, dann postet er am 9. November auf die Pinnwand von Gregor Gysi darüber, dass Israel dringend in die Hände der Palästinenser gehört oder meldet sich in einer Kirchengeschichte-Vorlesung dazu, dass die Kirche sich nicht gegen die Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus gewendet hat.

Lieblingsargument: „Die Kirche besteht ja nur aus reichen pädophilen Säcken, die den armen Idioten, die ihnen nachlaufen, noch mehr Kohle aus der Tasche ziehen.“
Wird leicht verwechselt mit: niemanden. Er macht seinen Standpunkt immer mehr als klar. Kristallklar.
Lieblingsessen: Döner. WEIL ER SO ARBEITERNAH IST. NEIN, DAS SIND KEINE TEUREN MARKENSCHUHE!
Schwachstelle: penetrante logische Fehler; Grenzantisemitische Äußerungen; die Realität

3. Beatles-Atheist

Atheist3Der Beatles-Atheist hat sich „Imagine“ zum Credo genommen. Er hat sich schon irgendwie mit Religion beschäftigt und so, aber irgendwie fühlt er sich da einfach nicht so richtig aufgenommen und ernstgenommen und so.
Also diese Theresa von Avila, ja, also…
Irgendwie ist er mehr so spirituell, wenn Du verstehst, was ich meine. Also er war auch mal in Indien wo die Leute so eine ganz andere Form von Verbindung zum Universum haben oder so, aber an Gott direkt will er nicht glauben, ja und so ein alter Mann, der einem sagt, was man zu denken hat He he he. Also er will halt einfach sich selbst so seine Gedanken machen und so, auch, wenn er nicht weiß, welche und womit und über was. Und das hat Mahatma Gandhi auch gesagt und seine Räucherstäbchendealerin (Augenzwinkern), die sieht das auch so. Die hat mal gesagt, manche Menschen haben halt sone Verbindung zum Universum. Aber da braucht man jetzt keinen Gott oder so, würde er sagen.

Lieblingsargument: „Ich will mich da einfach gedanklich nicht einschränken oder so“
Wird leicht verwechselt mit: Leuten, die sich ernsthaft und ohne verkitschte Vorannahmen mit östlichen Religionen auseinandersetzen.
Lieblingsessen: Vegetarisches Ayurveda-Curry.
Schwachstelle: Er hat keine Schwachstelle, er will sich ja auch nicht mit Dir streiten. Er geht Dir einfach verdammt auf den Sack.

4. Ich-bin-schlauer-als-wie-Du-Atheist

Atheist4Diese Sorte Atheist hat sich noch nie ernsthaft mit Religion(en) auseinandergesetzt und wieso auch? Die Wissenschaft beantwortet alle Fragen, die er je stellen könnte und für die Fragen, die sie nicht beantworten kann, ist er viel zu beschränkt, realistisch, intelligent.
Der Mensch empfindet Liebe, weil das evolutionär sinnvoll ist. Wir produzieren Kunst, weil unser Gehirn einen Überschuss an Gedanken hervorbringt und religiöse Erfahrungen ließen sich bereits in einem nicht-reproduzierbaren und methodisch ungenügenden Experiment durch magnetische Wellen hervorrufen.
Die gedankliche Leistung, dass die Beschreibungen, warum die Welt ist und wie die Welt ist, sich niemals widersprechen können, ist ihm einfach zu viel. Und so führt er gegen jeden die Creationisten ins Feld, egal, ob dessen Religion oder Konfession etwas mit denen am Hut hat. Dass zum Beispiel ein Katholik so viel Naturwissenschaften studieren darf, wie er mag,  wird geflissentlich ignoriert.

Religiöse Menschen sind für ihn schlichtweg zu doof, um so eindimensional scharf zu denken, wie er. Galileo Galilei ist für ihn der große Märtyrer Held und wenn ihn einmal eine schlimme Lebenskrise ereilt, dann.

Lieblingsargument: Genesis 1
Wird leicht verwechselt mit: tatsächlichen Anzeichen hoher Intelligenz
Lieblingsessen: Essen ist da, um einen zu ernähren.
Schwachstelle: Farb- und Freudlosigkeit

5. Ich-esse-Kinder-zum-Frühstück-Atheist

Atheist5Diese Sorte Atheist hat sich mit Religion(en) auseinandergesetzt aber mit der finsteren Sorte. Denn er ist böse. Er will, dass seine Mutter weint. Er würde sich einen Schnauzer wie Nietzsche wachsen lassen, aber dafür reicht sein Milchbart nicht. Er besitzt eine umfangreiche Sammlung von Metall-Shirts er ist DER ANTICHRIST, aber er hat es, offen gesagt, nie über die ersten zwei Seiten der Johannesapokalypse geschafft.
Zum Spaß gibt er sich gerne die Attitüde, ein Satanist zu sein, heimlich macht er sich aber bei dem Gedanken ins schwarze Hemd, Satan würde auf seine Anrufungen reagieren. Zum Glück ist jedoch alles für ihn nur ein (Schau-)Spiel und er glaubt nicht wirklich daran. Hofft er.
Bisweilen verbirgt sich unter dieser düsteren Kruste aus getrocknetem Bier und dem Kajal, den seine kleine Schwester für ihn kaufen musste, auch ein wirklich gutes Herz, das nur zum Vorschein kommt, wenn er bei Oma auf der geblümten Couch Teetrinkt oder wenn er jemanden trifft, der die gleiche Musik hört, wie er. So hässlich es ist, eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und er will auch nicht, dass seine Mutter weint, sondern, dass er sich gegen die graue Schrankwand im Wohnzimmer genügend abhebt, damit sie ihn mal bemerkt.

 Lieblingsargument: Irgendwas mit Hexenverbrennung, weisen Frauen und Mittelalter.
Wird leicht verwechselt mit: wirklich gefährlichen Typen
Lieblingsessen: MENSCHENFLEISCH
Schwachstelle: Spliss in der Metall-Mähne; man kann ihn nicht wirklich ernst nehmen.

(Die Bilder sind alle selbstangefertigt)

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149 Kommentare

Eingeordnet unter Apologetik, Zu allgemeiner Religionskritik

149 Antworten zu “Eine kleine Typologie des Atheisten

  1. Pingback: Anonymous

  2. Haha, die Bilder sehen alle aus wie typische Kirchentagsbesucher. Der Rest der Beschreibungen passt auch zu 80% ungefähr. Scheint mehr so eine Art anthropologischer Konstante zu sein.

    http://demystifikation.wordpress.com/2013/12/24/oh-tannenbaum/

    Vergessen wurde die Kategorie des natürlichen Atheisten, der ohne religiöse Erziehung nie auf die Idee kam, ihm könne was fehlen.

    • Ja, entweder fallen sie nicht besonders auf, weil sie sich aus den Diskussionen raushalten oder nur an Orten verkehren, an denen sie solche Diskussionen nie führen. Z.B. jemand, der in der DDR (als Extrembeispiel – religiös indifferente Familien gibts im gesamten Bundesgebiet) geboren wurde, nicht in den Religionsunterricht ging, Ingenieurswissenschaft studierte und dann in einer technischen Firma arbeitet, muss sich nur hie und da und ab und an damit überhaupt beschäftigen und interessiert sich für das Thema schlichtweg nicht sonderlich, nimmt vielleicht sogar bisweilen die Stellungnahmen der evangelischen Landeskirche wohlwollend zur Kenntnis und denkt sich nicht viel dabei – dagegen kann man ja auch nicht wirklich was haben. Sie bieten auch kaum Angriffsfläche, sich über sie lustig zu machen, lassen einen eigentlich auch weitestgehend in Ruhe und reagieren in der Konfrontation mehr mit Neugier.
      Oder eine solche Erziehung ist die Basis auf der sie dann eine der oben beschriebenen Laufbahnen ergreifen.

  3. Konsequentes beantworten / diskutieren der Kommentare und das innerhalb von 2 Std. – wenn die Zeitangaben von wordpress richtig sind. Dafür meinen Respekt.
    Ist die Raschelmaschine eine Viel- und Schnellschreiberin? Will heißen: Schreiben und Abschicken ohne großes Nachgefeile.

    • Die Raschelmaschine ist hauptsächlich sehr, sehr geübt in Diskussionen dieser Art. Aber ja: ich feile nicht groß nach, das kann ich bei dem Andrang auch gar nicht. Ich hoffe, man merkt es nicht allzusehr.

  4. tinta

    Ich bin froh Atheist zu sein und nicht durch irgendwelchen übernatürlichen Glauben in meinem Denken und Handeln eingeschränkt zu sein !

  5. tinta

    Deformierende anti aufklärerische christliche
    Propaganda

  6. Fabelhaft! Ich bin entzückt! Weiter so.
    Gibts doch in kleinen Dosen (Twitter oder so)?

  7. daslandei

    Hihi, sehr schön! :)

  8. dieter

    beleidigend,dummfrech,arrogant,inkompetent/falsch,intolerant-spätestens bei der misslungenen Satire zum Versagen bei der Judenverfolgung ist die Grenze überschritten; bitte Studiengebühren an die „Ungläubigen“ zurückzahlen; bin Typ xy: -Gegner von Kindesmissbrauch , Medienzensur durch Kirchen u.a.; schon mal gehört, dass der Beweis der Nichtexistenz nicht verlangt werden kann (..chines.Teekannne im Weltraum..); ist Ihnen bewusst, dass das Paradiesversprechen den Verhungernden in Indien das Sterben „locker nehmen lassen“?

    • Lustig, ich bin auch ein Gegner von Kindesmissbrauch und Medienzensur :) (aber ich bin gespannt, ob ich mal jemanden treffe, der diese beiden Sachen gut findet.).
      Übrigens, um das mal so simpel zu sagen, dass es jeder verstehen kann: Ich halte es nur für kurios, dass es Leute gibt, die einerseits den Holocaust mit aller Beharrlichkeit und Empörung anprangern und sich zugleich auf die Seite von Leuten schlagen, die Israel von der Landkarte radiert haben wollen.
      Ob oder wie die Kirche hätte (mehr) eingreifen müssen oder können ist nicht Gegenstand dieses Textes.
      Mir ist bewusst, dass da irgendwo ein grammatikalischer Fehler enthalten ist. Ansonsten ist mir bewusst, dass man sich gerade mit den sehr komplexen religösen, kulturellen und politischen Gegebenheiten in Indien auskennen sollte, bevor man solche Pauschalitäten von sich gibt.
      Ganz im Gegensatz zu Dawkins, dessen Machwerk „Gotteswahn“ ich nur unter körperlichen Qualen durchgestanden habe, weil es sogar Fehler bezüglich historischer Fakten enthält (also ja: ich kenne all die dämlichen Teekannen, rosa Einhörner und auch Schnewittchen und die Sieben Zwerge, keine Sorge. Man kann das auch konsumieren, ohne von der logischen Stringenz niedergestreckt seinen Glauben an den Nagel zu hängen.).
      Dass Sie sich beleidigt fühlen, tut mir Leid. Aber nachdem Sie mich in Ihrem Post als „dummfrech, arrogant, inkompetent […]“ und „intolerant“ bezeichnet haben, dürften wir ja quitt sein und ich brauche Sie hier in diesem Post nicht mehr zu beleidigen.

  9. Reblogged this on andreastapken and commented:
    Kommt mir sehr bekannt vor ;-)

  10. super artikel ich erlaube ihn mir auf meiner hompage zu veröffentlichen.
    anbei ein kleiner tippfehler „Bileidigungen“ dritte Zeile erstes Wort

  11. Pingback: BLOG: Eine kleine Typologie des Atheisten | NUTZHIRN

  12. Josc

    Toller Artikel. Die atheistische Position ist wirklich schrecklich unlogisch.

    Was bin ich froh, dass ich mit der Autorin den Glauben teile, daß ein kosmischer jüdischer Zombie, der gleichzeitig Vater und Sohn war, uns ewiges Leben schenkt, wenn man symbolisch sein Fleisch ißt und ihm telepathisch mitteilt, daß wir ihn als Meister und Herrn anerkennen, damit er eine böse Macht von unserer Seele nimmt, mit der wir geboren werden, weil eine aus einer Rippe geformte Frau von einer sprechenden Schlange überzeugt wurde, die leckeren Früchte eines magischen Baums zu essen.

    Atheisten sollten sich wirklich schämen, sowas nicht anzuerkennen!

    • Ironisch-provokante Nacherzählungen christlicher Glaubensinhalte gibt’s schon so lange, wie es Christen gibt. Was soll ich sagen: das begleitet uns schon seit 2000 Jahren und es ist für uns ungefähr so aufregend, wie ein Stück vertrocknetes Brot im Küchenkasten zu finden. Irgendwie milde ärgerlich, aber mehr auch nicht.
      Was solls; Wenigstens Du hast Spaß :)
      übrigens: Anerkennung verlange ich nur in dem Rahmen, in dem sie jeder anderen Religion, bzw. dem Atheismus zu Teil wird.

  13. „Wenn eine Gans sich einen Gott erdichtet, dann muss er schnattern.“ Michel de Montaigne
    Schöne Grüsse aus der http://www.freidenker-galerie.de
    Rainer Ostendorf

  14. Oddlot

    Nett geschrieben. Ich bin auch Atheist, weshalb es mich interessieren würde ob es irgendwo hier eine Antwort auf die Lieblingsargumente gibt, speziell 1. und 4. Habe leider keine gefunden, muss aber zugestehen, dass dies auch beliebte Argumente bei mir sind, vorausgesetzt mein Diskusionspartner unterstützt die Allmächtigkeit/Gott is gut mit Bezug zu Argument 1 oder er hält eben an Genesis fest. Unter diesen Umständen halte ich diese für valide Argumente, täusche ich mich?

    • Hallo Oddlot,
      zunächst einmal: danke für’s lesen. Ich kann kaum glauben, wie viele Wellen das hier geschlagen hat und wie viele Kommentare es gab.
      Dzu hast, was die Argumente aus 1. angeht, absolut Recht: Theodizee ist ja nicht nur eine Erfindung der Atheisten, sie hat auch die Theologen immer selbst stark beschäftigt. Es gibt auch verschiedene Antworten darauf, z.B., dass wir in der bestmöglichsten Welt leben. Vieles lässt sich durch die Freiheit des Menschen begründen (Naturkatastrophen natürlich nicht – außer wir gehen von einem Weltbild aus, in dem moralisches Ungleichgewicht irdisches hervorrufen kann – wie z.B. in einigen Weltbildern des Mittelalters).
      Nummer 4 ist nur dann ein Problem, wenn man davon ausgeht, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden muss, an jeder Stelle, bzw., wenn man davon ausgeht, dass es nur eine Offenbarung gibt (Der Katholizismus geht z.B. davon aus, dass zwar der Text der Bibel unveränderlich ist, aber die Auslegung sich durch die Zeiten hindurch ändert – gerade das macht sie nach dieser Ansicht erst zu einem immerwahren Text.). Aber – und das nicht erst seit Papst Franziskus – „Kreationismus“ ist nicht Teil der vatikanischen „Linie“ des Katholizismus.
      Die Wissenschaft kann für vieles – vielleicht auch für alles – eine Struktur finden, eine Regelmäßigkeit, mit der wir das beschreiben können, was bisher unseren Erfahrungen entspricht. Aber es ist ein großer Fehler, anzunehmen, dass die Wissenschaft in der Lage ist, Wahrheit zu finden – das kann im Grunde niemand, weil wir auf die Empirik angewiesen sind.
      Ich denke, es ist gefährlich und unzulässig, die beiden Formen, Welt zu verstehen, zu vermischen: Die Religion kann uns für vieles die Augen öffnen, aber sie ist nicht dazu geeignet, das hervorzubringen, was wir „wissenschaftliche Erkenntnisse“ nennen. Sie beschreibt eher, in welche Beziehung wir uns selbst zu dieser Welt setzen, die die Wissenschaft beschreibt. Diese Beziehung rein über die Wissenschaft anzulegen ist durchaus eine Möglichkeit, allerdings aber, genau wie bei jeder anderen Religion auch, in Grenzen: wenn mir ein (Wissenschaftsgläubigen) Atheist sagt, meine Religion sei falsch, weil sie nicht anerkennt, dass die Wissenschaft die Seele nicht beweisen kann, dann ist das, als würde ich sagen, das Judentum sei falsch, weil es nicht beweisen kann, das auserwählte Volk zu sein. Sag ich zu einem Wissenschaftler, er müsse die Seele in seine Berechnungen mit einbeziehen ist es, als würde ich zu einem Moslem sagen, er müsse Jesus als Sohn Gottes anerkennen.
      Hatten wir schon. Kommt nicht gut.
      Dass Fundis, die in Deutschland nun nicht allzu häufig sind und auch nicht im Geringsten den Politischen Einfluss haben, den sie in den USA leider ausüben können, nicht für solch eine Dichothomie zu haben sind, steht auf einem anderen Blatt. Die haben Leute wie mich übrigens noch viel mehr auf dem Kieker, als Dich, weil ich kein normaler „Feind“ bin, sondern ein waschechter „Verräter“ – so wie übrigens der Rest der katholischen Kirche.

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