Die Bibel, die Anderen und ich.

Zu Beginn sollte ich den geneigten Leser vorwarnen: er braucht sich nicht durch den gesamten Wust der Seite wühlen, es geht mir im Grunde nur um die ersten Absätzeu und die herzanrührende Bibelgeschichte:

„Seit vier Jahren gibt es hier auf Rügen ein bescheidenes Gemeindegründungsprojekt. In  dem Plattenbauviertel Rotensee in Bergen wohnt inzwischen ein dreiköpfiges Team und  bemüht sich, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Die Kirchenmitgliedschaft in Rotensee liegt bei unter 10%, die Arbeitslosigkeit ist selbst für vorpommersche Verhältnisse  überdurchschnittlich hoch, und mit ihr die Perspektivlosigkeit der Menschen. Burkhard  Wagner sowie Almut und Cornelius Becker leben mit dem Wunsch mitten in Rotensee, mit  den Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen. Sie berichten, dass es mit einem  freundlichen Gruß auf der Straße anfängt. Es folgen irgendwann kurze Gespräche bei den  Begegnungen im Alltag, im einzigen Supermarkt in Rotensee etwa oder Gespräche von  der Straße zum Balkon. Und irgendwann, oft erst nach Jahren, folgt mit dem Satz „ach,  kommen Sie doch kurz hoch“ die Einladung in die Wohnung. Burkhard Wagner beschreibt: „Mit einem Ehepaar habe ich schon länger Kontakt. Es fing damit an, dass ich mit  ihnen Kaffee getrunken habe und mich drei Stunden mit vor den Fernseher gesetzt  habe… Irgendwann hab ich gefragt, ob ich eine Geschichte aus der Bibel vorlesen  kann. Sie machten erstaunlicherweise den Fernseher aus und hörten zu. Bis die  Geschichte zu Ende war… Das ging so eine gewisse Zeit. Immer noch waren meine  Besuche recht unregelmäßig. Aber irgendwann fragten sie: ‚Wann machen wir wieder Bibelstunde?’ Seitdem treffen wir uns regelmäßig in ihrem Wohnzimmer und erzählen einfach biblische Geschichten, weil das mit dem Lesen so eine Sache ist…  Fragen allerdings zu dem Gehörten kommen eigentlich nie.“

Ich will da zunächst ganz einfach bekennen: ich glaube nicht, daß die Bibel allein die Antwort auf alle unsere Fragen ist, und daß wir nur anhaltend und etwas demütig zu fragen brauchen, um die Antwort von ihr zu bekommen.

Die Bibel ist für mich kein magischer Erkenntniskasten, sie ist ein Sparringpartner. Sie ist ein Aufreger, sie hat kuriose Stellen, die ich nie verstehen werde:

Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn beispielsweise, jetzt mal im Ernst, hat für mich hauptsächlich die Aussage, dass Papis Lieblingskind nur ein bisschen die Tränchen verdrücken muss, um zu kriegen,was es will und dass man für ehrliche Arbeit höchstens noch das Maul angehängt bekommt. Das mag ja eine wertvolle und wahre Lektion sein, aber ich hoffe, dass sie eigentlich nicht kennzeichnend für das Verhältnis zwischen Gott und Mensch ist.

Manchmal ist sie sogar ziemlich unterhaltsam, in der Geschichte von der rachsüchtigen Bundeslade aus 1. Samuel 5,1-6,21, die von den Philistern goldene Ratten und Pestbeulen fordert.

Würde man mich zur bibellesenden Missionarin machen, dann wäre das Ergebnis wohl tatsächlich eine Aufhellung der Situation meiner Zuhörer und zwar nicht, weil ich sie mit dem heiligen Geist erleuchte, sondern weil meine Auswahl an Texten sie schlichtweg zum Lachen bringen wird.

Einmal überfiel mich als Kind eine seltsame Neugierde und ich beschloss, einfach mal in der Bibel zu lesen. Ich landete bei 2. Makkabäer 7. Lest das nicht, wenn Ihr einen empfindlichen Magen habt, denn es ist feinster Splatter. Kurz gesagt geht es um die Häutung und Verstümmelung sieben junger Männer. Ich war um die neun Jahre alt und obwohl ich bestimmt nicht zart besaitet war, verstand ich, dass die Bibel ein verdammt gefährliches Buch ist, wenn man niemanden hat, der einen hindurchleitet. Daher landete der Schinken auf dem Brett und wurde von mir ohne Aufforderung nicht mehr angerührt.

Irgendwie hatte ich wohl das Gefühl, etwas gelesen zu haben, das nicht für meine Augen bestimmt gewesen war, ähnlich meiner kindlichen Angewohnheit, beim Tatort zwar zuzusehen, aber meine Augen zuzuhalten, sobald es eine Leiche zu sehen gab, obwohl es meine Eltern eigentlich schon nicht mehr für nötig hielten. (Und nein: ich bin ÜBERHAUPT KEINE Freundin von Kinderbibeln.)

Aber auch sonst lese ich, wenn ich denn mal in der Bibel lese, meistens mit dem Blick der Historikerin und der Literaturwissenschaftlerin. (Wenn nicht, wie bei oben genannten Beispielen: der humoristisch aufgelegten Bloggerin)

Um wirklich emotional involviert zu sein, brauche ich das Zeremoniell, den Vortrag, das Ritual. Oder aber zumindest einen Kommentar, der mir verstehen hilft; So wie damals im Seminar über Christologische Hymnen des frühen Christentums, als ich wie vom Donner gerührt vor den Texten saß und erst verstand, was für eine dichte Sprache, was für ein hoffnungsvoller Horizont, was für ein umfassender historischer Traditionshintergrund da vor mir ausgebreitet ist.

Also ist meine Bibel irgendwie kaputt, oder verstimmt, dass mir nicht das Herz in der Brust brennt, wenn ich nur den Deckel aufmache?

Nein, ist sie nicht, denn so geht das einfach nicht. So geht das auch nicht mit den Missionaren in Ostdeutschland. Denn so ähnlich, wie meine Großmutter sich mit den Zeugen Jehovas zu unterhalten pflegte, wird es auch mit diesen Leuten sein: die Bibelstunden sind eine Durchbrechung ihrer Tristesse und Langeweile. (Bei meiner Oma war’s eher die Langweile.) Es war demnach vollkommen egal, was der Mann ihnen vorlas. Vermutlich waren sie irgendwann sogar genervt von dessen ständigen rührseligen Jesusstories (denn die harten Schlachten und Metzeleien wird er ihnen wohl eher vorenthalten haben) – nach einiger Zeit wird die Bibel nämlich auch ziemlich berechenbar – aber der Kerl kam eben und erzählte ihnen etwas Neues. Vermutlich hätte er auch die Märchen der Gebrüder Grimm vorlesen können.

Das bereitet mir irgendwo einen gewissen Ekel, denn letztlich nutzt der Mann die stumm verzweifelte Situation dieser Menschen aus: Froh um jede Gesellschaft, die mal etwas andres bieten kann, als sich gegenseitig sein Elend zu klagen, nehmen diese Leute in Kauf, dass der Kerl sie religiös belabert, er sucht sich die Seelen sozusagen da, wo sie schwach und angreifbar sind: „Mich kriegt ihr nur, wenn ihr Jesus im Doppelpack mitkauft!“

Damals, als meine Großmutter starb – sie hatte ihren Zeugen Jehovas übrigens immer gesagt, dass sie sich nicht für einen Übertritt interessiere und immer katholisch bleiben würde – klingelten die Zeugen danach ständig und mit besonderem Nachdruck bei meinem Großvater. Sie wollten mit ihm reden und ihn trösten. Ich gebe gerne zu, dass ich nicht ganz fair damit war, sie familienintern als „Geier“ zu bezeichnen. Die Zeugen wollten natürlich nicht meinen Großvater keilen, jetzt, wo er angreifbar war, sondern sie dachten, dass er jetzt besonders ihre Hilfe braucht und die Hilfe, das war in ihren Augen natürlich das, was ihnen auch half: ihr Glaube.

So ist es auch mit unseren Bibelonkeln: sie sind natürlich – oder hoffentlich – nicht in diese trsostlose Gegend gefahren, weil sie dachten, dort sind die Menschen besonders schwach, sonder weil sie dachten, dass sie dort besonders bedürftig sind.
Oder etwa doch nicht…?

Aber kommen wir auf die Bibel und mich zurück. Wenn die Bibel wirklich Gottes Wort ist und das sollte ja doch die Annahme sein, dann kann das auch gar nicht sein, dass es so einfach ist.

Dann muss es doch so sein, dass wir bisweilen mit ihr ringen müssen und vielleicht sogar aufgeben.
Dann muss es doch auch so sein, dass wir bisweilen (noch) zu jung oder zu dumm sind, um mit allen Teilen von ihr etwas anfangen zu können?

Ich jedenfalls werde in der Fastenzeit auf gar keinen Fall anfangen, in der Bibel zu lesen, wie es so oft empfohlen wird und ich fürchte auch, dass unsere missionarisch aufgelegten Freunde mehr Schaden als Nutzen anrichten werden, weil die Leute das liebe Jesulein und seine sozialpädagogischen Trostgeschichten bald satt haben werden und sich ausgenutzt fühlen. Man braucht nicht zu glauben, dass die so doof sind, dass sie nicht merken, dass sie hier Freundschaft und Zuwendung nur bekommen, weil sie missioniert werden sollen.

Ich mag die Bibel und ich mag auch, dass ich meiner Lebtag nicht fertig sein werde, mit ihr. Sie ist die komplizierteste, zickigste und rätselhafteste Freundin, die ich je hatte. Mal auf’n Kaffee treffen ist da eher schwierig.

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23 Kommentare

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23 Antworten zu “Die Bibel, die Anderen und ich.

  1. Das sehe ich ähnlich.
    Ich begann als Teenager in der Bibel zu lesen. Da waren die Geschichtsbücher des AT zunächst mal Abenteuer. Früh erkannte ich, dass David seine Karriere als Warlord und Schutzgelderpresser begann.
    Und die erste wirkliche Predigt war über ein richtig hartes Jesuswort. Da wusste ich also, auf was ich mich einließ, wenn ich weitermachte.
    Den Leuten die Bibel nach dem Motto „Friss oder stirb“ vorzusetzen, geht also nicht.
    Aber wie soll man dann mit den Leuten über Glaubensdinge ins Gespräch kommen? Jetzt ganz ernst und wertfrei gefragt!
    Ich weiß es nicht.
    Aber irgendetwie solten wir dahin kommen!
    http://glaubenstexturen.wordpress.com/2014/03/04/lasst-uns-uber-gott-reden-lernen/

  2. F. M.

    Aber wie soll man dann mit den Leuten über Glaubensdinge ins Gespräch kommen? Jetzt ganz ernst und wertfrei gefragt!
    Ich weiß es nicht.

    „Sprich nicht über deine Religion und deinen Glauben, wenn du nicht gefragt wirst, aber lebe so, DASS du gefragt wirst!“

    Frère Roger Schutz von Taizé.

    Was will uns Bruder Roger damit sagen? Man kann niemanden mit predigen und noch so viel guten Worten bekehren; weder Zeugen Jehovas, noch Katholiken. Aber mit VORBILD kann man Menschen durchaus umdrehen. Vor allem, wenn es in besonderen Situationen zu so genannten Erweckungserlebnissen kommt. Wenn dann eine Person mit Vorbildfunktion da ist und sich nicht saublöd anstellt, ist die Bekehrung nur eine Frage der Zeit. Auch die Bekehrung weg von der katholischen Kirche. Kommt nur auf die Konstellation an.

    • Da hast Du ganz gewiss Recht. Ich denke, Charisma ist ein ganz wichtiger Faktor, wenn es um Konversion geht. Daher war und ist in vielen Neuen Religiösen Gruppen (aber nicht nur bei denen) das „Flirty Fishing“ weit verbreitet – die Mitglieder suchen sich bewusst Liebschaften außerhalb ihrer Religion, um diese ihrer Religionsgemeinschaft zuzuführen.
      Ein weiterer wichtiger Faktor sind Ästhetiken (z.B. bei Konvertiten zu asiatischen Religionen – so weit das überhaupt möglich ist – lässt sich das z.T. beobachten).
      Allerdings denke ich, dass eine Conversion nur bei Personen möglich ist, die auch dafür empfänglich sind. Ich bin das nicht – zumindest gerade nicht – auch, weil man als Religionswissenschaftler zemlich viel von diesen „Techniken“ (wie eben z.B. Flirty Fishing oder bestimmte Rhetoriken) mitkriegt und man manchmal schon einen Schritt weiter ist, als der arme, nichtsahnende Missionar ;)

    • Diesem Vers bin ich schon oft begegnet. Er wurde auch in der Diskussion zu meinem verlikten Blogpost genannt. Aber ich kann wenig damit anfangen.
      Denn wie lebt man denn, dass man gefragt wird?
      Man wird einfach nicht gefragt!

      • Ich werde dauernd gefragt. Weil die Leute denken, dass Religionswissenschaft etwas mit persönlicher Religiosität zu tun hat.
        Des weiteren: engagier Dich und erzähle einfach offen davon. Als ich noch meine Ministrnatengruppe hatte, aber auch jetzt noch, erzähl(t)e ich einfach viel von den Kindern, weil es mir Spaß machte und ich mit ihnen viel erlebte.
        Normalerweise fragen dann gleich viele Leute, was ein Ministrant ist und was ich da mache und wie das so ist.
        Manchmal reicht auch „da kann ich nicht“… „Wieso das denn?“ „Da ist (beliebiger Feiertag)“, um ins Gespräch zu kommen. Oder, dass ich Namenstag feiere.
        Wichtig ist aber, dass Du das nicht einstreust, DAMIT die Leute merken, dass Du praktizierst, sondern einfach, weil das ein wichtiger Teil Deines Lebens ist. Sonst ist es einfach nur aufdringlich (wobei ich davor ehrlich gesagt auch nicht gefeit bin. Manchmal bin ich eben ein bisschen aufdringlich ;) ).

      • F. M.

        @Ismael Kluever

        Man wird einfach nicht gefragt!

        Vielleicht gehen Sie von falschen Voraussetzungen aus. Die Menschen bringen „gut sein“ oder sogar „ganz besonders gut sein“ nicht mit Glauben und Religion in Verbindung, weil diese Eigenschaften kein Alleinstellungsmerkmal von Religionen, oder gar einer einzigen Religion sind und die Menschen das wissen.
        Gut, oder auch ganz besonders gut kann man als Muslim, Christ, Jude oder Anhänger einer animistischen Religion im tiefsten Afrika sein. Oder als Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters.

        Die Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung und Aussenwirkung entsteht durch den Glauben, dass die je eigene Religion die einzig wahre ist und somit die Allerbeste sein muss. Dass also Menschen ohne die eigene Religion, oder gar, horribile dictu, ganz ohne Glauben an ein überirdisches Wesen, nicht für voll zu nehmen sind. Fehlender Glauben an Transzendenz wird von den Kirchen als Wurzel allen Übels gesehen, da genau das ihre Geschäftsgrundlage ist.
        Mosebach versteigt sich sogar zu der Aussage, dass diese Menschen eine „reduzierte Existenz“ leben und nicht vollwertige Menschen sein können. So sagt er zumindest in einem Interview in der WELT vom 20. April 2012 über den „Unglauben im Osten“.
        Die Überraschung ist dann groß, wenn die Aussenwahrnehmung und das Binnenbild nicht übereinstimmen, was wiederum zu großer Verwunderung führt, dass der eigene, einzigartige, ja einzig wahre Glauben nicht als solcher wahrgenommen werden kann und der Repräsentant dieses Glaubens als völlig normaler Mensch, so ganz ohne Heiligenschein erscheint.

        Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären, warum Sie nicht nach Ihrem Glauben gefragt werden.
        Kleine Hilfestellung: es ist NICHT Ihr Glauben, Ihre Religion, Ihre Kirche, die Sie von anderen Menschen unterscheidet. Auch wenn diese Kirche mit Ihren Dogmata für Sie die Letztwahrheit darstellt.
        Suchen Sie also etwas, (oder lassen Sie sich etwas einfallen) was Sie von anderen Menschen unterscheidet (möglichst positiv unterscheidet) und verwenden Sie dieses Merkmal, dieses Talent, um Ihren Glauben zu transportieren.

      • Ganz meiner Meinung (und hervorragend geschrieben, wie ich finde).
        Und irgendwie schien das schon eine frühe Erkenntnis des Christentums zu sein – siehe das Gleichnis mit dem Mann, der hinging und seine Talente vergrub…

      • Dieses „Anderssein“ (Merkmal/Talent) zu nutzen, den „Glauben zu transportieren“, ist aber gerade dann unglaubwürdig, wenn dieses merkmal eben kein „Glaubens“merkmal ist, sondern irgendwas Anderes. Z. B. eine Tugend, die Un- und Andersgläubige genau so aufweisen. Oder?

      • @F.M.
        Ich stimme Ihnen natürlich zu, wenn Sie sagen, dass Güte „kein Alleinstellungsmerkmal von Religionen“ ist. In Ihren Gedanken scheinen Sie aber weit darüber hinaus zu gehen.

        Ihre Ausführungen hören sich so an, als hätte der Glaube, den Sie anscheinend identifizieren mit einer Kirche mit ihren Dogmata (gratuliere übrigens zu dem korrekten Plural), nichts zu tun mit der Persönlichkeit eines Menschen. Ich darf Ihnen versichern, dass ich diesen meinen Glauben sofort in die Tonne treten würde, wenn ich den Eindruck hätte, dass er keine Relevanz hätte bezüglich meiner Existenz, meiner Lebensachse. Und ja, er soll mich zu einem besseren Menschen machen, natürlich. Welchen Zweck würde er sonst erfüllen?

  3. Pingback: Die Bibel, die Anderen und ich. | theolounge.de

  4. „Die“ Bibel gab und gibt es nicht. Jesus hießen viele. Mir ist Schnurz welchem Ritualclub Leute angehören. Kaufen kann ich mir nichts dafür. Aufständige die gekreuzigt wurden, hingen nicht an Konstantins Kreuz. I-Manu-El war auch nicht dasselbe. Missionsauftrag glaube ich nicht. Ich glaube, Euer Christus war kaiserliche Chrisamtheme, griech kaiserliche Arite, (Margarite) 9.9 Feier in China, identisch mit 8.9 Maria (2 v. d. Z, in Israel Schaltjahr) und fiktiv 6.10 zeitversetzt erster Schöpfungstag. „Es werde Licht“ = Neumond. Faktisch sind aber nur Schaltjahre bis 8 v. d. Z. bekannt. Der chinesische Einfluss war mit Reis, Seiden-, Reispapier, Geldscheine, Kaligraphie, groß.
    Chrisanthemen pulverisiert, setzten die Perser schon früh gegen Rattenfloh (Pestüberträger) ein. Von dort ging das Mittelchen zu Römer. Chrisantheme hat mehr gerettet wie eure fiktive Person Jesus.

  5. Os

    Mail, an dich derzeit nicht möglich…overload? Bitte check deinen Mailaccount.
    Lg Oswald

  6. Kurze Anmerkung zum Verlorenen Sohn:
    Die eigentliche Leistung, die dann „belohnt“ wird, ist die Erkenntnis seiner Lage: Ich bin gescheitert, ich hungere und beim Vater gibt es Essen. Sollte jedem klar sein, der noch nicht einmal Schweinefraß bekommt? Ist es aber nicht. Das Erkennen der eigenen Defizite, der üblen Lage, in der man sich befindet, ist der erste und schwierigste Schritt, um mit der Suche zu beginnen.
    Außerdem spiegelt das Gleichnis die einfache Tatsache wieder, dass Menschen, die massiv gefehlt und sich dann zu einem besseren Leben durchgekämpft haben oft tiefer und interessanter sind als solche, die noch nie einen Fehltritt getan haben.

    • Alles wahr und schön. Aber das erklärt immer noch nicht, wieso der Vater sich seinem treuen Sohn gegenüber so ohne Empathie und passiv verhält.
      Er lässt ihn ja nicht einmal vom Feld holen, zur Feier. Der Sohn kommt heim und stellt fest, dass da grade ohne ihn eine Party abgeht.

      • Ich denke, der Schlüssel liegt in dem Satz: „Kind, du bist immer bei
        mir, und alles, was mein ist, ist dein.“ Das heißt, dass dem treuen Sohn schon immer nicht nur ein Ziegenbock, sondern auch ein Mastkalb zur Feier bereitgestanden hätte, er kann das nur nicht realisieren, er kann den Reichtum, „beim Vater zu sein“, nicht umsetzen. Sehen wir denn selbst z.B. wirklich erlöst aus, um Nietzsche zu paraphrasieren?

      • Vermutlich sehe ich das viel zu sehr aus einer realen Geschwister-Eltern-Situation heraus.
        Für mich liest sich das eher so, dass der ältere Sohn immer darauf wartete, dass der Vater von selbst mal auf die Idee käme, ihn zu beschenken, auch, weil er sich gar nicht zu fragen getraut hätte.
        Der ältere Sohn liebt den Vater so sehr, dass er nichts von ihm verlangt, was dieser ihm nicht frewillig gibt. Alles, was er dafür kriegt ist ein lauwarmer Spruch, harte Arbeit und auf dem Feld stehengelassen wurde er, wie bereits erwähnt, auch noch.
        Für mich ist das aus dem Leben gegriffen: Dreistigkeit siegt, genügsamer Gehorsam und selbstverständliche Treue geht bei all dem Gedöns im Stillen unter. (aber bevor es jetzt zu psychologisch wird: so unausgewogen geht es bei uns zuhause natürlich nicht zu ;) )

  7. Ja, auf die real existierende Dynamik in einer Familie bezogen hört sich das alles nicht sehr nett an. Erinnert einen z.B. an die treusorgende Tochter, die den Vater aufopferungsvoll bis zum Schluss pflegt und wenn dann das Testament eröffnet wird kriegt sie den Pflichtteil und die freche Schwester, die mit 18 nach Australien ausgebüxt ist, den ganzen Rest. Eine ziemlich häufige Situation, habe ich mir sagen lassen.

  8. F. M.

    @eric djebe

    Nicht ich identifiziere Sie/sie und Ihren Glauben mit einer Religion, Kirche und deren „ewigen Wahrheiten“ ;wobei „ewig“ manchmal sehr kurz sein kann. Das tun die Gläubigen schon selbst, wobei das Mass der Glaubensfestigkeit und Glaubenstreue in allen Fällen mit dem Identifikationsgrad mit den jeweiligen Kirchen, Lehrämtern und Letztwahrheiten parallel geht.
    Und dass der Glauben einen sehr großen Tril der Persönlichkeit prägt, ist für alle Menschen, sogar Atheisten, selbverständlich. Aber der Glauben ist ganz sicher nicht das einzige Persönlichkeitsmerkmal und sicher nicht das, mit dem wir unsere Gesprächspartner, die wir auch als zu Bekehrende sehen, zuvörderst konfrontieren sollten. Das ist es was die Menschen abschreckt, weil sie dann glauben, man hält sich für etwas besseres. Und genau das ist auch die Botschaft von Frère Roger.
    Ich zum Beispiel bin gelernter Naturwissenschafter und kann komplizierte wissenschaftliche Zusammenhönge so erklären, dass sie leichter verständlich werden. Ich betreibe also populärwissenschaftliche Aufklärung: was ist Photosynthese, wie funktioniert sie und warum ist sie grundlegend für alles Leben auf dieser schönen Erde. Oder warum hat das Haber-Bosch Verfahren dafür gesorgt, dass wir noch nicht alle verhungert sind, wie die Kaninchenherde, die seine Insel kahl gefressen hat. Oder warum wissen wir recht genau, dass der Andromeda-Nebel unser nächster Weltennachbar ist und wo steht er gerade am Nachthimmel?
    Über solche Antworten und Erklärungen freuen sich die Menschen sicher mehr, als wenn ich Sie mit der Aussage überfallen würde, dass ich nicht an Transzendenz, irgendein höheres Wesen, oder gar den Teufel glaube und deswegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte für grundlegend für das Zusammenleben der Menschen erachte und nicht die zehn Gebote, ein gefühltes Naturrecht, oder gar die römisch-katholische Sexual- und Ehedoktrin. Dort steckt mir zuviel Förderung der Sklaverei, blutige Justiz und verklemmte Bigotterie drin.
    Und wenn mich DANACH jemand fragt, wie ich dazu komme, die von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace begründete Evolutionstheorie der Schöpfungslehre der Bibel vorzuziehen (als wissenschaftliche Begründung für die Entwicklung der Welt), erst DANN kann ich über meine Einstellung zur Bibel und der Welt erzählen (aber VORSICHTIG! Nicht predigen!)

    Und weil mich diese Erkenntnisse, die ich in diesem ganzen Sermon jetzt auf Sie niederprasseln liess, zu einem besseren Menschen machen sollen, der seinen Mitmenschen auf Augenhöhe begegnet und sie unterstützt, wo und wie er nur kann (wir erinnern uns an die Durchsetzung der Menschenrechte, die mir sehr am Herzen liegt!) BIN ich nun ein besserer Mensch als Sie/Sie, alle anderen, die andere Überzeugungen bezüglich der Letztwahrheiten hegen? MITNICHTEN!!! Ich versuche ein besserer Mensch zu WERDEN als ich es jetzt bin. Das haben Sie in Ihrem letzten Satz völlig richtig erkannt. Wir SIND nicht besser als die anderen Menschen, wir sollen zusammen besser WERDEN. Aber dazu seine weltanschaulichen Überzeugungen in den Vordergrund zu drängen, ist nach Frère Roger völlig kontraproduktiv.

    • @Djebe/F.M.:
      Natürlich macht einen der Glaube zu einem besseren Menschen, das will ich gar nicht leugnen. Er macht einen aber nicht zu einem besseren Menschen im Vergleich zu anderen sondern zu einem Besseren im Vergleich zu mir selbst ohne ihn.
      (Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verschachtelt).
      Ich finde z.B., dass auch eine Mobbing-Erfahrung, eine liebevolle Familie oder eine reflektierte Lebensphilosophie jemanden zu einem sensibleren, liebevolleren, moralisch standhafteren Menschen macht. Der Glaube bietet nur eine andere Motivationsqualität, die ist aber von Außen nicht sichtbar, weil sie zumindest Äußerlich den gleichen Effekt erzielt, wie jede andere Motivation zum „Gut-Sein“.
      Selbst wenn man zu jemandem hinginge und ihm sagte: hey, ich finde, Du bist ein wirklich guter Mensch und ich bewundere Dich dafür. Wieso tust Du das, was Du tust? (was ohnehin niemand tun würde, egal, wie „gut“ man ist).
      Dann würde er vermutlich nicht antworten: weil ich an Gott glaube/weil ich Christ bin, sondern zunächst einmal: Weil es richtig ist.
      Ich würde das zumindest (allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass jemand auf diese Idee käme, ich bin einfach nicht der Typ, der andere Leute umflauscht).
      Auch, weil die Motivation durchmischt ist: es spielen auch politische, soziokulturelle, philosophische Faktoren mit hinein.
      Ich denke, das ist eben ein Feld, auf dem man nicht monokausal denken darf und auf dem es zudem ein Henne-Ei-Problem gibt.
      Daher tat ich mir z.B. auch so schwer damit, die Zeugen Jehovas für ihre Klingelei zu verurteilen: ich kann nicht sagen, ob sie sich dachten: „jetzt ist der alte schwach, jetzt kaufen wir ihn uns“ oder „jetzt, wo es ihm so schlecht geht, wird ihm unser Glaube bestimmt helfen“. Vermutlich kann man das auch gar nicht so recht auseinanderhalten.
      (Wie gesagt, jemand, der hauptsächlich Gutes tut, weil er missionieren möchte, sollte sich vielleicht doch mal mit seiner christlichen Ethik rückschließen… ich denke da z.B. an selbstlose Samariter. Das sollte allerhöchstens ein positiver Nebeneffekt sein, den man billigend in Kauf nimmt.)

  9. F. M.

    Natürlich macht einen der Glaube zu einem besseren Menschen, das will ich gar nicht leugnen

    Welcher Glaube macht einen Menschen besser? Jeder Glauben? Oder nur Ihr ganz spezieller christlicher, römisch katholischer, lutherischer Glaube? Nicht der Glaube eines Mahatma Gandhi (Hinduist), nicht der Glaube eines Baruch de Spinoza (Jude) und schon gar nicht der Glaube eines Mohamed Tantawi (Muslim)? Nach meinem „Glauben“ wage ich erst gar nicht zu fragen.

    Wenn Sie sagen, dass Ihr Glauben Sie zu einem besseren Menschen macht und ich sage, dass mein Glauben mich zu einem besseren Menschen macht, würde dann auch mein Glauben Sie zu einem besseren Menschen machen? Oder der der Glauben von Spinoza mich zu einem besseren Menschen machen?
    Ich fürchte, Sie haben mit Ihrer kühnen Aussage dass Ihr Glauben (ich nehme an, Sie meinten Ihren Glauben und nicht Gandhis Form des Hinduismus) Sie zu einem besseren Menschen macht, die Kuh sehr weit aufs Eis hinaus getrieben.

    Aber diese Kühnheit Teilen Sie mit berühmten Menschen wie Papst Pius XI. Der hat mit seiner Enzyklika Casti Connubii auch einen Haken eingeschlagen, von dem die katholische Kirche jetzt nicht mehr herunter kommt. Schade eigentlich, wo doch die Kernbotschaft des Christentums, die es von seinen älteren Geschwistern den übernommen hat, es wert wäre glaubhaft verkündet zu werden.

    PS: Dass Sie ohne Ihren Glauben ein schlechterer Mensch wären, wage ich sehr zu bezweifeln!

    PPS: Gemobbt werden soll jemand zu einem besseren, weil liebevolleren und moralisch gefestigteren Menschen machen?
    Adieu!

    • Lieber F.S.: Ich denke, ich wäre ohne meinen Glauben anders und gefallen würde mir das nicht. Habe ich gesagt, dass nur MEIN Glaube jemanden besser machen kann? Nein.
      Ich denke, das habe ich im Rahmen meines Kommentars auch schon deutlich gemacht. Alles was ich sagen wollte: das, was es mit mir macht, gefällt mir und ich halte es für die richtige Richtung. Und zwar für mich.

      Ich bin nicht so blind, dass ich nicht erkennen kann, dass verschiedene Sozialisationenen, Kulturkreise und Charaktere mit verschiedenen Religionen glücklicher sind. Das trifft auch auf Ihren Atheismus (?) zu. Sowohl privat als auch im Studium wäre es für mich ein absoluter Bruch mit sämtlichen Prinzipien, nach der Maxime zu leben, dass mein Glaube der besteste für Alle ist (auch, wenn ich glaube, dass manche Menschen möglicherweise dort etwas finden können, was sie noch suchen. Aber mehr, als anbieten kann man es eben nicht).
      Überraschung: man kann auch überzeugt von seiner eigenen Religion sein, ohne alle anderen gleich abwegig oder wertlos zu finden und sich ganz einfach auf den Standpunkt zu stellen, dass wir noch früh genug erfahren, wer denn Recht hatte (ich tippe auf: wir alle ein bisschen und keiner so richtig) und bis dahin einfach mit Freude unser Ding durchziehen sollten, ohne jemand anderem auf die Füße zu treten – es sei denn er bildet es sich ein, auf unseren herumzutrampeln.

      PPS: Das war nur als ein Beispiel gemeint und es gilt nur höchst fakultativ. Mobbingopfer haben ganz verschiedene Reaktionen und Verarbeitungsmuster (falls man soetwas überhaupt so richtig verarbeiten kann) Ich kenne einige Leute, die dadurch eine wesentlcih sensiblere Wahrnehmung von Gruppendynamiken haben – manchmal auch überempfindlich sind. Es kann ein Faktor sein, der das Gefühl für die Situation anderer enorm verbessert – besonders, wenn es eben auch bei ihnen um Mobbing geht. Jemand der z.B. weiß, wie schmerzhaft schon allein die Zuschauer sind, der wird sich zweimal überlegen, ob er „nur zuschaut“ und der wird „ist doch nur ein Scherz“ sofort als die Lüge erkennen, die es ist. Möglicherweise auch bei sich selbst.

    • @F.M.:
      Das alles ist ein bisschen differenzierter.

      Der eigene, persönliche Glaube ist der Faktor, das Leitprinzip, die Spiritualität, die mentale Disziplin oder was auch immer, der/die/das es mir ermöglicht, zumindest ein Stück weit über meine gesellschaftliche Programmierung hinaus zu gehen (Google & Co führen im Moment vor, wie tief sie reicht, wie lächerlich voraussehbar unsere Vorlieben und Reaktionen sind). Für diesen Ausbruch benötige ich eine leistungsfähige Vision vom eigentlichen Wesen und Schicksal des Menschen. Diese Vision und ihre Umsetzung im eigenen Leben, das ist der jeweilige Glaube.

      Ja sicher, es gibt eine Reihe von Optionen für diesen eigenen, persönlichen Glauben. Jeder sollte seine Wahl treffen und ist dafür verantwortlich. Im Allgemeinen tut man sich leichter, wenn man dafür auf der Tradition des eigenen Kulturkreises aufsetzt, aber auch diese Wahl muss verantwortet werden, schließlich geht es um die Grundtendenz des eigenen Lebens.

      Diese in der Kultur verwurzelte Option ist bei uns das Christentum. Katholisch, lutherisch, orthodox usw. sind konfessionelle Ausprägungen, die zum großen Teil eher mit Stilfragen und Gruppenidentität zu tun haben als mit dem funktionalen Kern.

      Nur mal kurz zum gewohnten Gegenargument „mit deiner Meinung bist du aber kein echter Katholik“: Die Wurzeln dieser Tradition gehen viel tiefer als bis zum römischen System etwa ab Pius IX. Die Kühnheit und Originalität der Denker aus den ersten Jahrhunderten (vor katholisch/orthodox) oder der Frühscholastik (vor katholisch/lutherisch) geben ein sehr brauchbares Leitbild für die eigene Suche ab.

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