Die Frau in der Kirche – Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob und wie ich dieses Thema behandeln sollte.

Ich wusste, dass es unausweichlich ist, dass ich früher oder später darauf kommen musste. Etwas in mir sträubte sich: erstens weil man von mir erwartete, dass ich das schreibe, zweitens weil ich wusste, dass alles, was ich zu diesem Thema zu sagen habe nicht in einen einzelnen Text passt und nicht wollte, dass etwas Wichtiges fehlt und daher das Bild unsauber und einseitig wird und ich vielleicht in eine Kiste komme, in die ich nicht will.

 Daher schreibe ich also zu diesem Thema drei Texte: erstens meine generelle Einstellung zum Thema Gender, zweitens meine Kritik an der Haltung der Kirche, drittens eine Relativierung derselben und die praktische Dimension. Also fangen wir, sozusagen mit dem schönsten, an. (Ich setze übrigens die Kenntnis des Begriffes „Gender“ vorraus ;) )

Der Feminismus und ich

Ich beginne mit einem Loblied auf meine Eltern: Ich wuchs mit einer absoluten Gender-Nonchallance auf. Die Idole meiner Kindheit waren Sailor Mars, Jacques Cousteau, Justus Jonas, die rote Zora, Howard Carter und Edita Gruberova und es war und ist für mich vollkommen nebensächlich welches Geschlecht sie hatten.

Nie hörte ich von meinen Eltern Sätze wie „das ist für Jungs“, „das ist für Mädchen“ und rosa mochte ich einfach nicht, weil ich die Farbe hässlich fand. Ich spielte mit Carrerabahnen und Barbies, ich schob leere Puppenwägen und kletterte auf Bäume.

Wobei ich auch den Eindruck habe, dass unsere Generation von der Spielzeugindustrie noch wesentlich weniger mit unsinnig gegendertem Spielzeug gequält wurde, als die momentanen Kinder.

Meine Mutter war für mich so etwas wie meine Protofeministin. Sie dachte nie auch nur eine Sekunde darüber nach, dass sie eine Frau ist, sondern sie machte einfach, was getan werden musste. Sie reparierte die Geschirrspülmaschine, sie fuhr die halbe Strecke bis in die Bretagne und sie stemmt an jeder Hand einen vollen Kasten Bier.

Sie blieb zu Hause bei ihren Kindern. Nicht, weil eine Frau das so macht, nicht mit der Scham einer „eigentlich“ emanzipierten Frau, sondern einfach, weil sie von ihrem Chef in eine andere Stadt versetzt werden sollte und mein Vater, dessen Beruf bei weitem kinderfreundlicher war, woanders keine Stelle gefunden hätte.
Das Thema Feminismus wurde von mir weit weggeschoben. Ich lebte quasi bereits in einer idealen Welt, in der sich keine Sau für das interessierte, was ich in der Hose hatte.

Doch irgendwann ging es dann eben los. Mein Grundschulfreund wollte mit uns nicht mehr Sailor Moon spielen, weil das für Mädchen war – und das, obwohl wir ihn immer den männlichen Charakter, Tuxedo Mask spielen ließen. Meine Schwester und ich bekamen ab und zu von Außenstehenden Dinge geschenkt, die für Mädchen und Jungs gegendert waren – sie bekam die Mädchensachen in Pink, auf meinen blauen Sachen waren immer nur Jungs abgebildet. Oder es stand sogar irgendwo: „für Jungs“.

Irgendwann stach Johannes Paul II der Hafer und er verkündete, dass es ihm lieber wäre, wenn nur Jungs Ministranten sind. Das versetzte mir die erste echte Gender-Ohrfeige meines Lebens und im Gegensatz zu anderen, die in diesem Moment Atheisten wurden, wurde ich in diesem eine Feministin. Es führte zu einem langen Gespräch mit meinen Eltern, die mich beruhigten, dass sich niemand (außer die Polen) an so eine Regelung hielte, besonders nicht, wenn es in der Gemeinde 5 männliche und 20 weibliche Ministranten gab. Ich fühlte mich trotzdem wie am Kragen gepackt und gebeutelt. Als ich dann fragte, wieso nicht, wurde mir erklärt, dass der Papst das als Vorstufe einer kirchlichen Weihe auffasste. Priester werden könnten Frauen ja schließlich auch nicht.
Bis zu diesem Punkt war ich immer mit der Zuversicht aufgezogen worden, dass man mit eisernem Willen und Fleiß, vielleicht noch einer Priese Glück und Talent, so gut wie alles werden konnte, was man wollte. Ich hätte noch so viel Fleiß, Glück, Talent und Willen aufbringen können: ein Priester konnte ich nicht werden.

Das Problem war nur: ich war bisher auch in dem Glauben erzogen worden, dass Feministinnen sich schon längst überflüssig gemacht hatten und unansehnliche, hysterische Weiber waren. Diese Mischung aus den Fehlern der Feministinnen meiner Elterngeneration und einer systematischen medialen Diskreditierung der Bewegung steckt in den Köpfen sehr vieler Frauen. Daher trauen sie sich nicht mehr, zu sagen, sie seien Feministinnen. Irgendeine Prominente z.B. verkündete in einem Klatschblatt vor nicht allzu langer Zeit „Ich bin auch irgendwo ein bisschen Feministin!“ Wie genau soll das aussehen? Ist sie dafür, dass Frauen irgendwo ein bisschen gleichberechtigt sind?

Also schlief das Ganze ein, abgesehen von wenigen Aussetzern, die fast immer mit dem Priesteramt zu tun hatten – oder damit, dass ich langsam das Image eines Tomboys erlangte.

Das Studium war es, das den alten Zorn wieder aufflammen ließ: am Tag der offenen Tür der LMU informierte ich mich über ein eventuelles Theologiestudium, ewig wurde über die Ausbildung zur Pastoralwasauchimmerin geredet und irgendwann fragte ich einen freundlich wirkenden Herren, wie denn eigentlich ein „richtiges“ Theologiestudium aussähe und was es da für Berufsmöglichkeiten gäbe. Er sah mich an und sagte: „Naja, das ist für Sie natürlich ein Problem. Sie können ja nicht Pfarrer werden.“ *Kapatsch* Das hatte er nicht gesagt, weil er Grund zu der Annahme hatte, dass ich nicht getauft bin oder verheiratet, das hatte er gesagt, weil ich eine Frau bin. Zugespitzt: er sagte, ein Theologiestudium sei für mich ein Problem, weil ich eine Frau bin. Ich weiß, dass die meisten Theologen niemals so einen unsensiblen Quark vom Stapel lassen würden (Volltheologen, die kein Priesteramt anstreben gibt es ja auch in männlich).
Also versuchte ich, ruhig zu bleiben, rief der katholischen Theologie ein fröhliches „Sayonara und besuch mich mal am Abend“ zu und fand schließlich ein ohnehin viel besseres Studium.

Dieses brachte es dann mit sich, dass ich mich tatsächlich mit dem Feminismus auseinandersetzte. Vieles, was ich vorfand war grauenhaft. Das Gendergeheule einer Judith Butler oder das Psychoanalytische Gehackstücke einer Heide Göttner-Abendroth (allein der Name…) gefiel mir ganz und gar nicht. 75% davon hielt ich für eine Mischung aus Verfolgungswahn und Drittmittelbeschaffung. Was ich diesen Theorien abgewann: die allermeisten Dinge, die wir Männern und Frauen zuschreiben, sind kulturell bedingt und: es gibt definitiv einen Unterschied zwischen Gender (Geschlechterrolle) und Sex (biologisches Geschlecht).

Dass allerdings die Relevanz des Geschlechtsunterschieds überhaupt rein kulturell bedingt und willkürlich sein soll, dass wir genauso gut eine Einteilung der Menschheit nach Schuhgrößen vornehmen könnten, darauf konnte ich mich kaum einlassen. Mir ist erstens keine Kultur bekannt, in der Männer und Frauen nicht unterschieden werden (es ist nur eine Frage, wie viel Bedeutung sie jeweils der Unterscheidung zukommen lassen und auf welche Lebensbereiche diese sich auswirkt – ebenso, wie es übrigens Kulturen mit einem dritten Geschlecht gibt) und zweitens erklärt keine dieser Theorien so richtig, woher Kategorien wie Gender letztlich kommen. Vermutlich stellen sie sich das ungefähr so vor: Höhlenmensch 1: Uggah, ich Schniepel, Du Schniepel. Höhlenmensch 2: Uggah, alle ohne Schniepel schlecht! Und dann feierten sie ’ne Party und vergewaltigten ein paar Höhlenfrauen.

Die Wahrheit ist wahnsinnig komplex und sie hat vermutlich etwas mit Sesshaftigkeit, der Erfindung des Geldes und der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Hygiene, Gesundheit, Schwangerschaft und geschädigten Säuglingen zu tun.
Kurz: wir können die Biologie nicht einfach aus der Rechnung streichen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass ich jene Feministinnnen gut finde, die den Biologismus adaptieren und feiern und damit bestimmte kulturelle Repressalien als „natürliches Vorrecht der Frau“ feiern (z.b. den Rückzug von Frauen während ihrer „Unreinen Phase“ oder Verbote zugunsten natürlicher „Verhütungsmethoden“ in diversen Religionen), da sie angeblich deren naturgegebenen Lebensrhythmus stärken und schützen, der sie mit Mutter Mond und Mutter Erde verbindet. Die haben in meinen Augen auch einen Vogel und reden sich einfach nur was schön.

Mein zweites Problem war: keiner kümmert sich bei dem Ganzen zum Männer. Maskulinisten kann man als Faschingsveranstaltung mit erneuten negativen Auswirkungen auf den gesamten Diskurs bezeichnen, Feministinnen der alten Schule betreiben bisweilen fröhlich die Diabolisierung des Mannes.
Dabei hängt das Männerbild ganz wesentlich von unserem Frauenbild ab. Wenn Frauen liebevoll, warhmherzig, sexuell zurückhaltend und emotional sind, dann sind Männer gewalttätige, herzlose, triebgesteuerte Roboter. So will ich Männer auf gar keinen Fall sehen. Männer haben ganz eigene Probleme mit ihrer Sexualität und Männer bekommen immer noch Schwierigkeiten, wenn sie Teile der weiblichen Rolle adaptieren, z.B. Kindergärtner sein wollen. Das liegt einerseits an einem negativen Männerbild – ein Mann kann das gar nicht richtig können (siehe vorheriges Klischee), gleichzeitig aber an einem negativen Frauenbild – eine Frauenarbeit ist für einen Mann eigentlich zu schlecht – er könnte Besseres.

Ich bin auch dafür, sämtliche Frauenbeauftragtenstellen in „Genderstelle“ umzubenennen, sie zur Hälfte mit Männern und Frauen zu besetzen und vor jeder Beratung zu fragen, ob der zu Beratende denn lieber mit einer Frau oder mit einem Mann sprechen möchte.

Fernseh- und Vorzeigefeministinnen hängen immer noch den uralten Ideen nach. Sie arbeiten daran, dass es ab jetzt in der Kantine „Salzstreuer_Innen“ gibt und verleihen Horst Lichter die goldene Gurke, während ein BWL-Professor unbehelligt seinen Studenten erzählt, man sollte viele Frauen einstellen, weil die nie selbstständig nach Gehaltserhöhungen fragen oder Studentinnen ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken im Club um die Ecke zu einem Liedtext wie diesem hier tanzen:

„You sexy thing, you turn me on, I need a private show, Here on the lawn, in my garage. I take you on the road, hey Porsche girl. You know what I wanna do. Come on let me slide under so I can work on, work on you“
(Nicht erfunden! Nelly: „Hey Porsche“)

Meiner Meinung nach sollte jede Frau, die auch nur einen Funken Selbstwertgefühl hat, derartiges boykottieren. Aber da halten all die feministischen Suppenhühner fein den Schnabel, ihr Blick hat sich nämlich in ihrer ollen tranigen Brühe schon so sehr vertrübt, dass sie gar nicht mehr sehen, was gerade bei den zarten, jungen Backhendeln abgeht.

Für das hält sie nämlich die jüngste Generation: für alt, für veraltet, für Spaßbremsen, für unsexy und geistig verwirrt. Feminismus ist sowas von out – es würde mich nicht wundern, wenn jenseits des akademischen Gebiets sämtliche Verbesserungen der letzten 30 Jahre wieder rückgängig gemacht würden.

Aber ich komme vom Kurs ab. Ich fasse zusammen: Feminismus, bzw. Geschlechtergleichberechtigung bedeutet für mich:

  1. Niemand sollte, wenn er eine Entscheidung trifft, die nichts mit seinem Körper und speziell mit seinen Geschlechtsorganen zu tun hat, auch nur an sein Geschlecht oder das der anderen denken müssen.
  2. Das Weibliche soll auf die Dauer nicht mehr als Sonderfall gelten. Daher ist es auch nicht nötig, es dauernd in Spezialendungen (Innen) zu erwähnen oder sie jenseits biologisch bedingter Notwendigkeiten bevorzugt zu behandeln. Frauenspezifische Einrichtungen und Maßnahmen sind keine Ausnahme für Frauen, sondern sie sind Einrichtungen für Menschen.
  3. Frauen und Männer sollten beide genauso wenig zu maskulinem, wie zu femininem Verhalten erzogen werden. Jungs und Mädchen werden immer verschieden sein und man darf dem gewiss nachgeben – aber muss man das wirklich fördern?
  4. Der private Umgang von Frauen und Männern darf nicht politisiert werden. Alice Schwartzer geht es nichts an, mit wem ich ins Bett gehe und was ich mit ihm dort mache und auch nicht, wer die Rechnung im Restaurant zahlt. Eine Frau, die selbstbewusst und ohne penetrantes Gendering erzogen wurde, verrät ihre feministischen Schwestern nicht, wenn sie den Regeln europäischer Höflichkeit folgt oder sich für ein Leben als Hausfrau entscheidet. Sie sollte dies nur auch jenseits ihres biologischen Geschlechts begründen können.
  5. Eine Frau hingegen, die unter ständiger Betonung ihres Frauseins andere abwertet (egal ob sie emanzipierte Frauen als Kampflesben tituliert oder Hausfrauen als doofe Heimchen am Herd), trägt genau dazu bei, dass der Umgang zwischen und innerhalb der Geschlechter immer hysterischer und diskriminierender wird.

Das ist jetzt schon ganz schön lang geworden. Danke an jeden, der es so weit geschafft hat.

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8 Kommentare

Eingeordnet unter Über mich - über diesen Blog, Religion und Politik

8 Antworten zu “Die Frau in der Kirche – Teil 1

  1. Os

    Ja, ich habe es geschafft! Du bist ja auch so eine Art Porsche unter den Kolumnisten (danke, dass ich das hier ohne Binnenbrett vor dem Kopf veröffentlichen kann :-). Starker Text, wirklich stark, bin beeindruckt und inspiriert. Ad Theologiestudium: das sollte noch einmal ruhig bedacht werden – bist du eigentlich gekränkt, dass du nicht Priester werden kannst? Fühlst du dich zurückgesetzt, verhindert? Ps: der Prof. hat es sicher nicht abwertend gemeint, vielleicht sogar entschuldigend: hallo Frau, du kannst damit einiges werden, aber eben nicht Priester, und darauf möchte ich dich hinweisen.
    Bitte schick mir jetzt ein Testmail, ich habe schon länger eine Antwort für dich, die ich nicht senden kann, bzw.: klappt dein Account generell nicht oder nur nicht bei meiner Mailadresse? Also: mail bitte, ok?!
    Liebe Grüße, Oswald

  2. Os

    Ok – dein Account ist tatsächlich überfüllt, kein Speicherplatz mehr, lg Os:

    552 Requested mail action aborted: exceeded storage allocation, Quota exceeded
    Ihre E-Mail konnte nicht zugestellt werden, da der potentielle Empfänger in seinem Postfach keinen freien Speicherplatz zur Verfügung hat. Bitte wenden Sie sich auf anderem Wege an die Person und weisen Sie auf diesen Umstand hin.

  3. Pingback: Die Frau in der Kirche – Teil 1 | theolounge.de

  4. Da spricht mir wirklich vieles aus der Seele!

  5. Hallo erstmal!

    das ist ein langer Text und ich will ihn nicht auf diesen einen Absatz reduzieren, aber trotzdem was dazu sagen: „Die Wahrheit ist wahnsinnig komplex und sie hat vermutlich etwas mit Sesshaftigkeit, der Erfindung des Geldes und der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Hygiene, Gesundheit, Schwangerschaft und geschädigten Säuglingen zu tun.
    Kurz: wir können die Biologie nicht einfach aus der Rechnung streichen.

    . ich gebe malö die Hardcore-Biologistin: eine Population, der der Frauen im 9. Monat schwanger hinter dem Mammuth herhetzen, hat gegenüber einer Population, in der Frauen zu diesem Zeitpunkt eher Beeren sammeln als Bären jagen, Vorteile. Auch jagt es sich mit Baby in der Trageschlinge langsamer.
    Die kulturelle Prägung fällt nicht vom Himmel und das hast Du auch nicht gesagt. Neben Babies auf Mammuthjagd kommem noch ein paar „Kleinigkeiten“ wie Hormonhaushalt und dessen Auswirkungen dazu. Das ist nicht „Frauen sind auf PMS dauerzickig“, sondern eine Frage des Muskelaufbaus, der Schnelligkeit, der Aggressivität, die man(n) auf der Jagd ganz gut brauchen kann. Das, was heute oft als Problem an Männern wahrgenommen wird, war lange, lange Zeit ein Erfolgsrezept.

    was für mich wichtig ist: egal wie verschieden wir sind- wir sind gleichwertig.

    • Genau darauf wollte ich ja mit diesem Absatz letztlich auch hinaus – oder ist das missverständlich formuliert?
      Die Abwertung der Frau hängt übrigens u.U. davon ab, dass ihre „traditionellen“ Arbeitsbereiche keinen Geldwert einbringen, weil sie im Heim stattfinden. Männer also produzierten Geldwerte, Frauen mehrten sie – (das trifft allerdings nur auf bürgerliche, städtische Kreise zu – sowohl industrielle, als auch agrarische sind in dieser Beziehung etwas weniger ausdifferenziert). Damit ist letztlich ihre Arbeit nicht in Geld sichtbar gemacht und umgesetzt, folglich entwertet.
      Die Frage ist nur: wollen wir dem wirklich so viel Bedeutung beimessen, wenn wir doch beobachten können, dass Frauen ihren traditionellen Bereich verlassen wollen und damit mitunter erfolgreich sind?

      • Grundsätzlich muß man fragen, welche Arbeit wie bezahlt wird und wer sie warum tut wenn sie notwendig, aber nicht bezahlt ist. Denn am Ende ist es egal, ob ein Mann oder eine Frau in der beruflichen Altenpflege steht, sie wird schlecht bezahlt und das ist ein Nachteil, den dann vor allem die Pflegebedürftigen ausbaden müssen.
        „Frauenarbeit“ wird schlechter bewertet und bezahlt. Da liegt der Knackpunkt und den kann man ändern. Muß man nur tun :-)

        Dazu kommt, daß auch in den „gelobten“ skandinavischen Ländern mehr Fauen sich für Care-Berufe entscheiden als Ingenieurin zu werden. Warum? Die Ausgangsvorraussetzungen sind da.
        Vielleicht liegt es doch irgendwann nicht mehr an unserer Prägung, sondern am „Innenleben“.

        Am Ende steht zumindet für mich die Frage, wieso man nicht auf die oder den einzelnen guckt und schaut, was er will, kann und plant, sondern auf irgendwelche Quoten. Die Frage ist nicht „was können wir tun, damit 50% der Krippenerzieher Männer sind?“, sondern „würdest du einen guten Krippenerzieher abgeben und wie würde dir das gefallen?“. Wir reden von Menschen, nicht von amorphen Massen, die man nach Belieben und (wahrgenommener) Notwendigkeit in Bereiche reinpumpt.

        Mich hat es nie zum Autoreparieren gezogen. Egal was man tut, mir sind die Mistkarren weitgehend egal und mit ölverschmierten Pfoten irgendwas am Motor fummeln ist echt nicht meins. Gucke ich an einem sonnigen Frühlingssamstag hier die Straße runter, hängen die Männer mit der Nase in der geöffneten Motorhaube und schienen mit sich und der Welt im Reinen.
        Sicher gibt es auch Frauen, der gerne Motorschrauben und die soll keiner aufhalten. Aber deswegen muß kein Mädchen in der Schule dazu gedrängt werden, ein Praktikum als Schrauberin zu machen wenn sie lieber Krankenschwester werden will.
        Mich ärgert, daß man Kindern, egal ob Junge oder Mädchen, nicht den Raum gibt, sich selber zu entdecken, sondern sie schiebt und schubst. Raum auch für Erwachsene, neues an sich zu entdecken und dann zu entscheiden, was sie davon wollen.

        Dazu kommen ein paar Einschränkungen durch Biologie&Co. Mein Mann ist Biologe, im Studium hatte er ein Praktikum, bei dem die Frauen Bescheinigungen vorlegen mußten, daß sie nicht schwanger sind weil mit Substanzen gearbeitet wurde, die dem ungeborenen Kind schaden würden. Wenn eine Frau plant, Kinder zu bekommen, wird sie sich kaum für diesen Zweig der Biologie entscheiden.

  6. Danke für den langen Post!
    Ich denke, einer der wesentlichen Faktoren ist auch die verschwommene Linie zwischen „Wir müssen Frauen besonders schützen“ zu „Frauen sind hilflos und daher auf uns angewiesen“. Z.B. in muslimischen Formen der Diskriminierung lässt sich das gut beobachten: Nikab, Einsperren und Arbeitsverbot, das alles ist der „Schutz“ der Frau. Und wie bereits erwähnt, ist das auch negativ für das muslimische Männerbild in diesen Kreisen – der Mann als triebgesteuertes Raubtier.
    Ich betreibe z.B. eine traditionelle Männersportart – wir sind ca. 1/6 Frauen im Verein. Natürlich bekommen wir eine andere Behandlung. Es ist nunmal Fakt, dass auch die fittesten von uns z.B. nicht so viele Liegestütze hinkriegen, wie die Männer (dafür mehr Sit-Ups…) – und auch einfach eine geringere Körpermasse aufweisen. Also sind die Männer mit uns etwas vorsichtiger, als mit anderen Männern und die Trainer bringen uns manchmal auch anderes bei. So weit so gut. Das fällt für mich einerseits unter Schutz – wir verletzen uns ja sonst und verlieren den Spaß am Sport – andererseits aber auch einfach unter Rücksicht. Genauso, wie wir Frauen darauf acht geben, keine empfindlichen männlichen Körperteile zu beschädigen.
    Was hingegen gar nicht geht ist, wenn z.B. ein Mann sich weigert, mit einer Frau zu trainieren, weil er sie schwach und weich findet, oder weil „man das nicht macht“. Da fühlt man sich irgendwie mies und nur als halbes Vereinsmitglied. (Solche Typen sind übrigens geflogen. Ziemlich bald).

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