Die Frau in der Kirche – Teil 2

Für wen haltet Ihr uns eigentlich?

In Bezug auf das Priesteramt für Frauen hat die Kirche zwei Hauptbegründungen:

1. Hat die Frau von Natur aus andere „Charismen“ als der Mann, die sie jeweils für andere Aufgaben geeignet machen.
2. Hat Jesus auch keine unter seinen Aposteln. Es wäre demnach unzulässig für die Kirche, Frauen zu Priestern zu machen, weil sie sich damit über Jesu Erbe hinwegsetzen würde.

Ich werde im Folgenden darauf eingehen, wieso diese Begründungen, alle beide, ungemein problematisch sind.

Von der Natur der Frau

Eine der liebsten Begründungen der Kirche für so gut wie alles ist die sogen. „Natur“ dieser und jener Sache. Dabei ist sie in Bezug auf die Frau so geschickt, dass sie weniger sagt, dass eine Frau von ihrer Natur her nicht für das Priesteramt geeignet ist, sondern lieber betont, dass die Frau für andere Dinge viel viel besser geeignet sei. Und diese „anderen Dinge“ sind im wesentlichen alle Dinge, die sich in und um ihren Uterus abspielen. (Zum Vergleich: die „Charismen“ des Mannes befinden sich hauptsächlich in seinem Intellekt). Die Problematik einer allzu strikten Rollenverteilung dieser Art für das Männer- und Frauenbild hatte ich ja bereits in Teil 1 erläutert.

Es ist ja ungemein schmeichelhaft, dass wir Frauen immerhin „gleichwertig“ und mittels unserer „Charismen“ überhaupt für irgendwas zu gebrauchen sind. Daher gibt es auch Katholikinnen, die sich ihre Situation in der Kirche gerne schönreden, manchmal sogar das Wort „Feminismus“ benutzen und damit so etwas wie eine Anerkennung ihrer mütterlichen Rolle und Befreiung vom angeblichen säkular-feministischen Zwang zur Adaption männlicher Tugenden meinen. In der Kirche kümmert es keinen, wenn sie auf kraftvoll-weibliche Art und Weise dämlich sind.

Aber formulieren wir es mal so krass, dass der Defizit sichtbar wird: Für eine katholische Frau mit all ihren „Charismen“ gibt es nur sechs Sakramente.
Und: die Charismen der Frau machen sie letztlich unsichtbar. Innerhalb der Kirche agieren sie nur lokal oder im Hintergrund. Der sichtbare Ausdruck der Religion, der Ritus, verbannt sie ins Publikum oder an den Rand des Geschehens.

Glücklicherweise war ich nicht anwesend, als unser Gemeindepfarrer sich zu diesem Thema ausließ, meine Schwester aber trug es mir zu: eine Frau kann/soll nicht Priester sein wollen, weil sie kein Soldat ist. Frauen sind immer (potentielle) Mütter und die sind quasi vom Typ her nicht dazu gestaltet, Soldaten zu sein, Waffen zu tragen, zu töten. Wenn er weibliche Soldaten sehe, dann mache ihn das traurig.
Also zunächst einmal taugt er selbst von uns beiden am allerwenigsten zum Soldaten, weil nämlich sein Körper von ständiger Askese und Bronchitis so ausgemergelt ist, dass sogar ich ihn übers Knie zerbrechen könnte.
Des weiteren braucht man nur einmal in Wald und Flur seine Augen zu öffnen, um zu sehen, dass es keine aggressiveren und tödlicheren Kampfmaschinen gibt, als Tiermütter. Wer mir nicht glaubt, soll mal versuchen, einen Frischling zu klauen. Oder ein Bärenjunges. Das einzige, worum die Männchen sich schlagen ist, wer die Weibchen kriegt und wem welcher Teil des Waldes gehört. Zumindest letzteres ist auch die Intention der allermeisten kriegerischen Auseinandersetzungen von Menschen. Ich sehe da jetzt nicht so wirklich eine Verbindung zum priesterlichen Selbstverständnis im Katholizismus.

Was er eigentlich sagen wollte: Frauen sind zu weich, um Priester zu sein. Sie sind fürsorglich und formbar und können sich emotional nicht davon abschotten, mit welchem Leid sie konfrontiert werden. Und sie erreichen natürlich auch nicht die geistige Klarheit und Konzentration eines Mannes, der seine religiösen Philosophien in asketischer Verweigerung seines Körpers so lange wälzt, bis er wie Antonius nackte Weiber in der Wüste tanzen sieht.
Frauen sind viel zu körperlich und emotional und erdig, um Priester zu sein. Sie dienen der Kirche, indem sie Mütter sind. Mehr und besser. Und wenn sie davon unbefriedigt sind, können sie ja ins Kloster gehen, wo sie dann hauptsächlich als Mütter für andere (Krankenschwestern, Lehrerinnen, Obdachlosenhilfe, Waisenhäuser etc.) arbeiten.
Mir reicht das nicht. Die Besessenheit der Kirche mit der Gebärmutter in allen Ehren (denn das ist ja auch wirklich ein faszinierendes Ding): aber ich bin nicht nur mein Uterus mit einer weichen kinderumflauschenden Zuckerwatte außenrum. Ich bin auch noch mein ziemlich schwerer Kopf und mein loses Mundwerk. Zudem gibt es ja auch schon längst katholische Theologinnen. Sie haben auch Stellungen, die die Kirche 2000 Jahre lang nur Männern anvertraut hat und da stört sie das Wesen der Frau plötzlich kein bisschen.
Ich möchte ja gar nicht leugnen, dass Frauen andere Priester wären, als Männer. Aber Männer sind doch auch schon andere Priester als andere Männer.

Man sollte sich, wenn man dieses Argument benutzt, klar machen, dass man damit aussagt, dass eine Frau, die sich zum Priesteramt berufen fühlt, damit gegen ihr natürliches Wesen verstößt.
Die Diskriminierung auf diesem Gebiet ist also noch viel umfassender: Frauen dürfen nicht nur nicht Priester werden, sie sollten es auch nicht wollen. Eine Frau, die die Berufung dazu empfindet – und solche Frauen gibt es nun einmal – wäre somit in ihrem Frau-Sein defekt.

Jesus hat keine Frauen berufen

Auch wenn Verschwörungstheoretiker und Thrillerautoren gerne das Gegenteil behaupten: die zwölf Apostel (und Paulus auch), waren nun mal Männer.
Daraus leiten nun viele Kirchenmänner ganz behände ab, dass Jesus das absichtlich gemacht hat und daher auch von uns erwartet, dass wir das in alle Zeit ganz genauso machen werden und schieben’s damit letztlich auf Jesus – ihnen seien quasi vom Meister persönlich die Hände gebunden, selbst wenn sie wollten.
Hierauf antworten viele Befürworter der Frau im Priesteramt, dass Jesus nur deshalb keine Frauen berufen hat, weil das einfach nicht in seine Zeit passte – Frauen hätten als Priester allerhöchstens einen Lacherfolg erzielt.
Darauf antworten Gegner des Priesteramtes für Frauen, Jesus habe auch andere Regelungen und Aussagen getroffen, die dem Zeitgeist widersprochen hätten; wenn er also gegen die zeitgenössische Haltung gegenüber der Frau gewesen wäre, dann hätte er das auch gesagt.

Und jetzt komm ich:

Es ist schon ziemlich ironisch, dass die Kirche sich hier so sklavisch an eine implizierte Meinung Jesu hält, wo sie doch sonst keinerlei Probleme hat, seine expliziten Anweisungen zu umwuseln (um einmal das Wort „übertreten“ zu vermeiden). Jesus hat ja nicht gesagt: „Und wenn ihr Priester beruft, dann beruft bitte nur Männer!“ sondern er berief einfach nur zwölf Männer zu seinen Aposteln (er sagte genau genommen nicht mal irgendwas von einem Priesteramt, wie die Kirche es jetzt hält). Würden wir uns an all die aus dem Evangelium herauslesbaren, impliziten Anweisungen Jesu halten, dann gäbe es z.B. keine Kirchen, sondern wir würden den Juden in den Synagogen auf den Zeiger gehen (die würden sich schön bedanken), christliche Männer wären durch die Bank beschnitten und statt Sonntag müssten wir uns an den Schabbat halten, ebenso wenig gäbe es unsere moderne Friedhofspraxis, das katholische Ordenswesen, die Firmung oder das Tragen von Hosen und geschlossenen Schuhen unter dem Messgewand.
All diese Dinge aber führte die Kirche ein – und wie man sehen kann reicht das von Kleinigkeiten bis hin zu ganzen Sakramenten – ohne, dass Jesus die Anweisung dazu gegeben hätte und sie tat das meistens aus guten Gründen, die den Zeitgeist betrafen. Genau jener Zeitgeist, der nun in Europa eine Gleichstellung der Frau verlangt. Ich finde es zwar gut, dass die Kirche dem Zeitgeist gegenüber etwas schwerfällig ist – von mancher unsinnigen Mode bleibt und blieb sie verschont, nur fürchte ich, dass der Feminismus ein irreversibler Sprung in der Entwicklung der Menschheit ist. Genau, wie die Naturwissenschaft oder die moderne Kommunikationstechnik.

Dahingegen würde die Kirche niemals getreu des Jesuswortes „Wenn jemand zu mir kommt, und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“ einem Konvertiten empfehlen, seine Familie zu verachten, noch gemäß „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“ wohlhabende Kirchenmitglieder enteignen wollen – und hoffentlich wird sie in Zukunft auch ihren eigenen Reichtum bei sich behalten.

Zudem: ja. Die Lehre Jesu war provokant und sie war neuartig. Aber gerade deshalb konnte Jesus sie nicht durch Frauen verkünden lassen – man hätte sie dann noch weniger für voll und ernst genommen, als das ohnehin schon der Fall gewesen war. Ganz abgesehen von technischen Problemen, wie z.B. dass es Frauen unmöglich war, allein zu reisen und sich auf diesen Reisen zu ernähren.
Was Jesus hingegen getan hat, war, zu Lebzeiten Frauen neuartig zu behandeln. So ließ er z.B. die (unverheiratete?) Sünderin Maria Magdalena ohne Mann mit sich herumziehen und er zeigte sich nach der Auferstehung zu aller erst den Frauen – das ist bis heute ein Aufreger für den patriarchalischen Dünkel der Kirche – jedenfalls wird sie nicht müde, darauf herumzureiten, dass es FRAUEN waren.
Möglicherweise sollte die Kirche sich einfach auf eine nicht-theologische Argumentationsweise gegen das Priesteramt für die Frau verlegen. Denn mit dieser reitet sie sich entweder immer weiter hinein, weil sie vom „Wesen“ der Frau her argumentieren muss und damit letztlich immer auf den Punkt kommen muss, dass dieses defizitär ist, oder aber sich schlichtweg als lückenhaft und inkonsequent erweist und letztlich eine derart wichtige Entscheidung an einer ziemlich kühnen Interpretation aufhängt.
Zu den praktischen Gründen und eventuellen (ganz ganz vorsichtigen) Lösungsvorschlägen komme ich in Teil 3.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Kritik zu katholischen Themen

5 Antworten zu “Die Frau in der Kirche – Teil 2

  1. Es ist einfach traurig, wieviel Zorn und Energie auf ein dem Glaubenskern so fernes Thema verfeuert werden muss, wobei die Adressaten irgendwelchen rationalen Argumenten natürlich völlig unzugänglich sind.

    Zum Thema Soldat: Bis zur letzten Revision des Kirchenrechts durften Soldaten offiziell keine Priester werden „ex defectu lenitatis“, wegen mangelnder Gewaltfreiheit. Das war in Zeiten allgemeiner Wehrpflicht natürlich nicht mehr zu halten, man half sich mit einer mehr oder weniger vollautomatischen Dispens (nur bei Geiselerschießungen und ähnlichen patriotischen Aktionen war man etwas vorsichtiger). Der vernünftigste Weg wäre es, das stillschweigend auch für Frauen einzuführen.

    • Wie ich bereits sagte: eigentlich, wollte ich das nicht schreiben. Aber andererseits musste ich.
      Es ist bestimmt nicht das, worüber ich am allerliebsten spreche und das wird auch in Teil drei noch ziemlich deutlich werden: ich fühle mich ein klein wenig genötigt ;)
      Des weiteren: um so absurder…
      In Israel gibt es übrigens sogar Wehrpflicht für Frauen – und einige unter ihnen haben auch religiöse Gründe, ihr Land zu verteidigen.

  2. Pingback: Die Frau in der Kirche – Teil 2 | theolounge.de

  3. W. Franz

    Na ja. Jesus war Mann, deshalb müssen alle katholischen Priester auch Männer sein. Deshalb nimmt man ja auch nur Juden aus Galiläa, die eine Ausbildung im Baubereich gemacht haben, ziemlich lange bei ihrer Mutter gelebt haben, nie Latein gelernt haben und immer zu Fuß unterwegs sind (Eselbesitzer sind in Jerusalem heute selten zu finden). Man bezahlt ihnen auch keine Gehälter oder Krankenversicherungen, sie haben kein Pfarrhaus, um ihr müdes Haupt zu betten, sie kommen – abgesehen von kleineren Ausflügen nach Jordanien und den Libanon nicht aus Israel raus (Syrien ist gerade zu gefährlich). Und wenn sie so etwa 33 bis 36 Jahre alt sind, werden sie getötet. Konsequente Nachfolge ist eben nicht immer einfach.

  4. Hat dies auf Interplanetar's Blog rebloggt und kommentierte:
    Religion = Berücksichtigung von Vorschriften ( Anweisung, Befehl, Verordnung, Erlass, Regel, Weisung, Verpflichtung) hat Grenzen. Anzeichen, Vorzeichen mit Zukunftsbezug hat ebenfalls Grenzen. Örtliches Klima ist quasi Vergangenheit, bzw. längerfristiges. Wetter ist (örtlich) maximal für ca. zwei Wochen einigermaßen vorherberechenbar, Witterung ist quasi Zukunft. Ewigkeit ist unbekannter, unbestimmter Zeitraum, bzw. Unzeit, keine Unendlichkeit. Das Unberechenbare ist nicht übernatürlich. Was nicht rechtskräftig bewiesen werden kann, bzw. ein fälschliches Fürwahrhalten ist, ist keine Tatsache, keine Wahrheit und der Kommentar dazu keine Meinungsfreiheit. Absichtliche Äußerung der Unwahrheit ist Lüge.Kompetenzzentrum Rechtsinformationssystem (CC-RIS) kann vielleicht hilfreich sein. Astrologie, Alchemie, transzendent teleportieren usw. ist pure Aufmerksamkeitswerbund. Inhaltlich daran glauben ist anderes. Mir muss keiner folgen. Und wer das tut, muss mich nicht allzu ernst nehmen. Rechtsverbindliches kann ich nämlich auch nicht garantieren. Also frag besser den Rechtsanwalt.

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