Die Frau in der Kirche – Teil 3

Grau, lieber Freund…

Nach Teil 2 erhielt ich nun doch einige entsetzte Zuschriften. Daher nun einige Anmerkungen: keine Sorge, es kommt noch schlimmer.
Des weiteren: wenn ich vom Priesteramt spreche, dann meine ich es so, wie es jetzt so ist (also auch unter Einhaltung des Zölibats, dessen Abschaffung ich nicht befürworte.).

In der Tat gibt es einige Gründe, die Frau NICHT zum Priesteramt zuzulassen. Das Problem ist nur, dass diese Gründe nicht medientauglich sind, weil sie nicht in der Art und Weise vorgebracht werden können, auf die die Kirche üblicherweise ihre Standpunkte vorbringt.

1. Wenn es schief geht…

Eines dieser Argumente liegt in folgendem Problem: was, wenn eine Priesterin ihr Gelübde verletzt und eine geschlechtliche Beziehung zu einem Mann eingeht? Was, wenn sie schwanger wird?
Ein Mann, der versehentlich ein Kind zeugt, kann dies notfalls so abwickeln, dass die Gemeinde nichts davon mitbekommt (oder zumindest kann er sich das einbilden). Und: das Kind kommt bereits bei seiner zukünftigen Bezugsperson zur Welt. Wenn ein weiblicher Priester versehentlich ein Kind bekäme, dann müsste man es, da sie es ja schlecht großziehen kann, dem Vater überlassen – vorausgesetzt, dieser ist bekannt oder überhaupt noch auffindbar. Notfalls landet das Kind im Heim – sozial stigmatisiert und getrennt von einer Mutter, die es möglicherweise gerne behalten hätte.
Nun bestünde natürlich die Möglichkeit für Priesterinnen, sich „einfach“ sterilisieren zu lassen (die bestünde – nur so am Rande – auch für Männer), dies kann man aber natürlich aus Gründen der Menschlichkeit nicht zur Pflicht machen und es widerspräche auch der christlichen Sexualmoral und dem eigentlichen Sinn des Zölibats.
Außerdem: was macht die Priesterin während der Schwangerschaft? In ein Kloster gehen? Schwanger unterm Messgewand? Fragen über Fragen. Dazu noch das christliche Verständnis vom „Wesen der Familie“, das eigentlich erfordern würde, dass das Kind mit einer Mutter aufwächst.
Ach, dieser ganze Komplex ist zu kompliziert und zu regulationsbedürftig, gleichzeitig aber mit einem Regulationstabu versehen (und zwar von der Kirche selbst und zwar aus gutem Grund).
Da man die Priesterweihe nicht auflösen kann, kann man auch schlecht eine Frau, die ein Kind bekommt aus dem Dienst entlassen (außerdem müsste man das dann der Gerechtigkeit halber auch bei Männern tun, die bisher weitgehend unbehelligt ihr Amt weiter ausübten) – man könnte sie allerhöchstens „gehen“ – auch das angesichts der Theologie um den Komplex Verzeihung, Gnade, Reue und Erlösung höchst problematisch.
Es ist klar, dass die Kirche davor zurückscheut, sich diesen ständigen Skandalherd zusätzlich in die Küche zu stellen.

2. Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Deutschland ist nicht der Nabel der Welt

Dieser Faktor spielt bei so gut wie allen Anliegen der deutschen Kirchenkritik eine Rolle. Es fällt den Leuten wahnsinnig schwer, sich vorzustellen, dass die Kirche einfach andere Probleme hat, als unsere Zivilastionswehwehchen. Da gibt es zum Beispiel Christen, die verfolgt und abgeschlachtet werden, in Verbindung mit einer in Teilen ziemlich problematische Beziehung mit dem Islam. Es gibt Hunger, Seuchen, Katastrophen in drei Vierteln des Ausbreitungsgebiets der Kirche.
Außerdem sind weite Teile ihres Einflussbereichs tatsächlich gesellschaftlich (noch) nicht bereit für weibliche Priester – die hätten dort genau jenen Lacherfolg, den sie auch schon zu Zeiten Jesu gehabt hätten. Ein solcher Schritt hätte vielleicht sogar das Überlaufen zu z.B. evangelikalen oder pfingstlerischen Bewegungen zur Folge.
Auch die Beziehungen zu den verschiedenen orthodoxen Kirchen könnten leiden.
Es ist also, wenn man ganz ehrlich ist, auch eine politische Entscheidung.
Nun bestünde die Möglichkeit, einfach Sonderregelungen für verschiedene Regionen einzurichten – man könnte auch innerhalb der Gemeinden großangelegte Umfragen machen: „Würden Sie einen weiblichen Priester akzeptieren“ – Diözesen, die mehrheitlich mit „ja“ stimmen, bekommen welche, die anderen nicht (ich bin übrigens nicht einmal überzeugt, dass in Europa oder Deutschland mehrheitlich mit „ja“ abgestimmt würde…). Wenn man gerade dabei ist könnte man eigentlich auch andere Fragen auf die soziale Realität bestimmter Regionen abstimmen, schließlich gibt es in der Kirche ja auch eine Unmenge offizieller lokaler Liturgien. Bedeutete das den Zerfall? Wohl kaum. Die religiöse Praxis im Kongo weicht so oder so erheblich von der in Deutschland oder in Indien ab – das Gefühl aber, dass wir alle, weltweit, an eine Kirche glauben bleibt dennoch bestehen. Ich weiß nicht, ob eine regionalere Kirchenpolitik etwas daran ändern würde.
Zu der weltpolitischen Perspektive, die die Kirche im Gegensatz zu einer lokalpolitischen (deutschen) Perspektive einnimmt, kommt auch eine ganz andere Zeitperspektive (Danke für den Hinweis an JoBo): die Kirche denkt von Ewigkeit zu Ewigkeit – das tut sie schon seit 2000 Jahren. Von diesen Zweitausend Jahren ist sie gerade einmal seit 50 Jahren mit einer aufstrebenden Frauenbewegung konfrontiert. In der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern z.B. gibt es die Frauenordination erst seit knapp 40 Jahren, das ist in den Augen der Kirche ein Wimpernschlag. Eine Mode. Kommt vielleicht morgen schon wieder ab.

3. Alleinstellungsmerkmale und die Untergrabung der eigenen Autorität

Wenn man auf der Straße eine Umfrage machen würde und fragen würde, wo der Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Kirche sei, wird nicht zuerst der Unterschied im Verständnis der Eucharistie erklärt (die meisten wüssten auch gar nicht, wie) oder die unterschiedliche Zählung der Psalmen, sondern Pfarrerinnen und das Zölibat. Der Vorbehalt des Priesteramtes für Männer ist definitiv ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist typisch für die Kirche und die Kirche ist typisch dafür. Es ist etwas spezielles, etwas anachronistisches, das aufregt und über das gesprochen wird. Daher muss die Kirche schon allein deshalb auf ihrem Standpunkt beharren, weil sie ihn schon seit Jahren vertritt und weil er dadurch und durch das ständige mediale Aufgreifen des Themas ungut in den Mittelpunkt des (deutschen) Diskurses gerückt wurde – daher auch mein Unbehagen dabei, dieses Thema überhaupt aufzugreifen. Eigentlich wird es größer gemacht, als es sein müsste. Es ist nämlich ein innerkatholisches Thema, bei dem ich nicht begreife, wieso es irgendeinen nicht-Katholiken interessiert – aber dazu an anderer Stelle mehr.
Wenn die Kirche jetzt aufgeben würde, gäbe es einen riesigen Mediensturm. Gruppen inner- und außerhalb der Kirche würden es als einen Erfolg feiern, der ihnen in Wirklichkeit nicht zusteht und sie nur weiterhin darin befeuert, uns allen auf den Senkel zu gehen. Die Kirche hätte öffentlich auf-, beziehungsweise nachgegeben. Es würde nicht wirken, als hätte sie sich selbst nach eingehender Kontemplation dazu entschlossen, sondern es würde wirken, wie eine Niederlage.
Dabei ist in Europa die von Kirchengegnern herbeiphantasierte Übermacht der Kirche etwas, um dessen Erhalt wir kämpfen sollten, weil es uns – getreu dem Motto „there is no such thing as bad publicity“ interessant macht und bleiben lässt. (In Batman-Sprache: wenn man uns schon nicht Batman sein lässt, sind wir lieber der Joker, als Robin…)
Einen Irrtum zuzugeben ist hingegen etwas, das die Kirche bereits sehr häufig getan hat – aber eben nicht, weil man sie von Außen gezwungen hat. Im Gegenteil: der laute Diskurs hindert sie in Wirklichkeit daran, sich selbst in aller Ruhe zu reflektieren und dann eine Entscheidung zu treffen, die nur und ausschließlich für sie selbst gut ist.
Damit wären wir beim letzten Punkt angelangt, den ich loswerden wollte:

4. Bitte lasst uns machen – es geht uns gut und wir kriegen das hin

Wie bereits erwähnt: Ganz überraschenderweise ist Feminismus seit des Verbots der Corsage, der Achselrasur und schließlich der Heterosexualität unsexy.
Keine Frau will unsexy sein, deshalb machen Frauen Witze darüber, dass sie die Videokassette versehentlich falsch herum in den DVD-Player gesteckt haben. „Hahaha, Frauen und Technik halt“ wimperklimplerklimper.
Während die Frauen – katholische, aber auch und besonders nicht-katholische – also gemütlich das Patriarchat festigen und an ihre Töchter weitervererben, obwohl es ihnen offenstünde, dies zu unterlassen, bedauern sie mit aller Genüsslichkeit von ihrem hohen ross… afarbenen Einhorn herab die armen Wesen, die sich noch einem echten, handfesten Patriarchat unterstellen: die Muslimas sowieso, die Inderinnen in letzter Zeit auch und natürlich: Katholikinnen.
Jetzt wird das Satzkonstrukt etwas kompliziert: Während ein nicht näher bezifferter Anteil muslimischer und hinduistischer Frauen in den häuslichen und religiösen Systemen bedingt durch die politische und soziale Situation so eingebunden ist, dass er keinerlei Zugang zu kritischen Betrachtungen seiner geschlechtsbedingten Benachteiligung hat und in weiteren nicht näher bezifferten Fällen zwar diesen Zugang hat, aber keine Werkzeuge, die Situation effektiv zu beeinflussen, werden mit der Kritik am häufigsten jene Frauen konfrontiert, die sowohl Zugang, als auch Werkzeuge hätten. Also Frauen die in Ländern leben, für die eine Gleichwertigkeit der Geschlechter Teil der Verfassung ist und auch umgesetzt werden soll. Also z.B. politisch informierte und interessierte Katholikinnen und Muslimas in Deutschland.
Das Problem ist: ich führe diesen Kampf innerhalb meiner Religion eigentlich schon. Ich brauche keine Aufklärung, weil ich mich nämlich mit dem Feminismus vermutlich besser auskenne, als all die Weiber, die mich ständig über meine diskriminierte Situation aufzuklären versuchen. Ob sie’s glauben oder nicht: es geht mir gut, alles cool, ich brauche keine Hilfe.

Liebe Nicht-katholische Frauen: das Letzte, was ich brauche, sind Eure Vorwürfe auch noch, denn das ist diese angebliche Hilfe letztlich: ein Vorwurf, dass wir Katholikinnen das noch nicht selbst erledigt haben und ein Vorwurf an unsere Männer (gemeint: Söhne, Brüder, Väter, Pfarrer, Freunde und Ehemänner), dass sie uns unterdrücken. Wir wissen nicht mehr, ob wir uns nach innen, nach außen oder für unsere Männer und Pfarrer verteidigen sollen. Und: wenn Ihr uns versucht zu helfen, dann sagt Ihr damit letztlich aus, dass wir hilflos sind, schwach und dumm. Da ist es dann nämlich schon wieder: das alte Vorurteil gegenüber Katholiken oder Religiösen im Allgemeinen.
Wir kennen aber unseren Laden viel besser als Ihr selbsternannten Kirchenkritikerinnen. Wir wissen, was geht und was nicht geht und wir machen das schon. Selbst, wenn die Frau niemals zum Priesteramt zugelassen wird, wonach es gerade aussieht, dann ist das auch UNSER Problem und nicht EURES. Denn wir wissen, dass ein Problem da ist. Wir haben Zugang zu dem Material, uns intellektuell entsprechend auszurüsten. Ob und wie wir das machen, entscheiden wir aber selbst. Wir sind nämlich schon große Mädchen. Kehrt doch mal lieber vor Eurer eigenen Tür.
So und nun, denke ich, ist das für mich Wichtigste gesagt, zu diesem Thema.

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14 Kommentare

Eingeordnet unter Über mich - über diesen Blog, Kritik zu katholischen Themen, Zu allgemeiner Religionskritik

14 Antworten zu “Die Frau in der Kirche – Teil 3

  1. Os

    Nein, keine Sorge, großes Mädchen, Teil 3 ist besser geworden, nicht schlimmer. Schöne Synthese, wenn man so will.

  2. Ich möchte mit meinem Kommentar hier doch etwas tiefer gehen. Deshalb gehe ich übrigens auch nicht auf das Argument ein, dass man Fehltritte von Priestern eben leichter entsorgen kann als die von Priesterinnen (denn entsorgt werden sie).

    Die Frage ist die, inwieweit man das Priesteramt als ein Amt unter mehreren sieht (die insgesamt 8 Weihestufen würden ja dafür durchaus Raum geben), das zwar seinen besonderen Status hat, aber in seiner Eigenart (Zölibat, keine Frauen etc.) doch eher in der traditionellen Gruppenidentiät der Kirche verwurzelt ist. Oder ob man es, wie es die letzten beiden Päpste immer wieder betont haben, als eine absolut privilegierte Position ansieht, die den „besondersten“ Zugang zu Gott hat und bei vitalen Funktionen des Glaubens, wie etwa die der Eucharistie, für uns Mitglieder des Leibes Christi den einzig möglichen Kanal zu Gott herstellt.

    Diese letztere Option hat durchaus Folgen. So wurde in einzelnen Ländern Lateinamerikas, in denen aufgrund der aktuellen seelsorgerlichen Not eine breite Basis von Diakonen entstand, dieses Unwesen streng zurückgedrängt und das Kirchenvolk auf die nicht vorhandenen geweihten Priester verwiesen. Und das steckt auch letzten Endes bei uns hinter der Auflösung der traditionellen Pfarreien und der Schaffung immer größerer Pfarrverbände: Chef muss immer einer der immer wenigeren Priester sein.

    Wenn es aber so ist, wenn der Priester ist ganz nahe am Absoluten angesiedelt ist, dann darf es keinen Unterschied geben zwischen Mann und Frau, Links- und Rechtshändern, Rothaarigen und Blonden. Was die Medien dabei blöken, ist völlig egal, da bin ich ganz deiner Meinung, ihren Lieblingssport Kirchenbashing werden sie so oder so weitertreiben. Entscheidend ist, dass wir das Bild Gottes beschädigen, wenn wir dieses höchste Charisma mit historischen Rollenvorstellungen vermischen, geschweige denn mit Fragen nach der Kaschierung sexueller Fehltritte.

    Persönlich würde ich durchaus Option 1 vorziehen: Schafft viele Ostiarier, Lektoren, Exorzisten, Akolythen und Subdiakone! Vor allem mit dem Ostiarier (Türsteher) könnte man wieder viele in die Kirche kriegen (War neulich in der Frauenkirche. Echt? Ey Alter, da ist die Tür ja eisenhart).

    • Du wirst lachen: bei uns in der Gemeinde wurde über die Einführung von Ostiariern diskutiert – in der Form von Platzanweisern, Begrüßern und lebendigen Werbeträgern an der Kirchentür. Aber ich finde sie ehrlich gesagt etwas aufdringlich. So ähnlich, wie die Typen, die z.B. in Berlin vor Cocktail-Bars stehen und alle anquatschen, die vorrübergehen.
      Wie gesagt: argumentiert man theologisch, dann ist es nicht anders, als als Abwertung der Frau zu interpretieren, wenn diese nicht zugelassen wird. Auch nicht bei einem Stufensystem – wieso wird die letzte Stufe letztlich der Frau vorenthalten?
      Die Medien sind mir auch schnurz. Beziehungsweise: sind sie nicht. Weil ich nicht ernst genommen werde, wenn ich mich z.B. zu Frauenthemen äußere, weil dies immer gleich mit meinem Katholizismus in Verbindung gesetzt wird.

      Ich finde ehrlich gesagt auch nicht, dass man die Praktische Dimension vernachlässigen darf. Was ein Glaube mit den Menschen macht, zeigt sich eben erst in der Praxis.Man kann von den Menschen nichts jenseits dessen fordern, wo die Biologie, die Physik, die Psychologie oder die Chemie eine Grenze gesetzt hat. Das obliegt allein dem Allmächtigen – und der tendiert da eher zur Zurückhaltung ;)

      • Worüber ich ein bisschen lächle, ist die Tatsache, dass ursprünglich die Ostiarier wirklich „die Tür“ waren, keine Aufreißer, sondern Leute, die die Besucher sieben sollten und insbesondere nach dem (öffentlichen) Wortgottesdienst die Nichtchristen hinauskomplimentierten, um die Eucharistie dann unter Christen zu feiern.

      • Ja, ich weiß. Denkst Du, man solle sie wieder traditionell einsetzen? Exklusivität generiert Neugierde und bewirkt, dass ein Ausgeschlossener sich anstrengt, um auch teilhaben zu dürfen?
        Aber: theologisch nicht so ganz einfach… (also schon, aber nur, wenn man sich auf mittlerweile unbeliebte theologische Meinungen stützt)

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  4. Nikolaus

    Liebe Raschelmaschine,
    zuerst mal ein großes Kompliment für Deine Seite! Seit ich sie entdeckt habe, gehört sie zu meinen Stammblogs, vor allem, weil sie mir als Reibebaum dient, um meine eigenen Argumente immer wieder zu überdenken und von unscharfen Aspekten zu befreien. Eben darum kann ich – als Mann und Katholik – beim Thema Zölibat nicht mit meiner Meinung hinter dem Berg halten. Ich sehe Deine geopolitischen Argumente durchaus ein, aber ich glaube, letztlich kann und darf sich die r.k. Kirche niemals von irgendwelchen „Fakten“ auf der Erde beeiflussen lassen. Wenn wir daran glauben, daß die Kirche die universelle Wahrheit von und durch Gott kennt, und diese Wahrheit immerwährend und immergültig ist, dann kann sie nicht einfach überworfen werden, nur weil sich die historisch-empirische Welt rundherum ändert. Damit meine ich nicht die altbackenen Vorwürfe gegen die Kirche, z.B. Erde-ist-flach oder das heliozentrische Weltbild. Solche Dinge spiegeln lediglich den empirischen Wissensstand der Menschen über ihre Welt rundherum wider. Aber sobald es um die Beziehung Mensch-Gott geht, um die ewigen Aussagen der Kirche und Gott über den Menschen, so sind diese Wahrheiten unveränderlich. Und so glaube ich, daß eben der Zölibat, das Männerpriestertum und viele andere Reizthemen, viel mehr zu den ewigen Wahrheiten gehören, da sie durch keinerlei Forschung „widerlegt“ werden können. Wie soll man auch das Geschenk an Gott – den Zölibat – widerlegen können? Wie soll man widerlegen, daß Gott die Ehe zwischen Mann und Frau gestiftet hat und nicht zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. Da ist nichts mit Geopolitik oder „Erkenntnissen nach neuestem Forschungsstand“. Lustigerweise hatte ich erst letzte Woche unseren Pfarrer bei uns zum Essen und wir haben genau über diese Dinge geredet, und wir waren uns einig, daß diese ollen Kamellen (gut, so haben wir sie hier in Österreich nicht genannt, aber ich muß hier im Blog ja verständlich bleiben ;-)) eigentich unglaublich langweilig sind und nichts darüber sagen, wie meine Beziehung zu Christus ist. Außerdem – und so komme ich zum Schluß – ist meine Standardantwort auf die antikatholischen Quälgeister in meinem Freundeskreis, die mich immerwieder auf die Palme bringen wollen mit diesem ZölibatKinderschänderkeineFrauenHomosexuellenheiratblabla: wenn ihr das alles wirklich wollt, und nicht einfach nur Argumente braucht, um die Kirche zu schwächen, wenn ihr das alles also wirklich wollt und glaubt, daß Gott seine Beziehung zu euch auf eine solche Basis stellen will, dann geht doch zu den Protestanten, die haben das alles nämlich. Dort könntet ihr ein perfektes christliches Leben leben, mit all den Spezialitäten, auf die ihr anscheinend so steht und von denen ihr behauptet, Gott will es so von euch. Nur seltsamerweise laufen den Protestanten die Leute genauso davon. Anscheinend sind diese Arguente gegen die Kirche wirklich nichts anderes als eben nur gegen die Kirche gerichtet, und nicht dazu da, die Beziehung von Christus zu uns auf ein gesundes Fundament zu stellen.

    Soviel dazu, und nochmals Glückwunsch zu Deinem Blog!

    lg, Nikolaus

    • Lieber Nikolaus,

      ich freue mich, dass Du meinen Blog magst :)
      Zunächst einmal möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass ich hier eine sehr differenzierte Meinung habe. Ich bin ein ausgesprochener Feind davon, vollständig unterschiedliche Themen zusammen zu bündeln und durchsetzen zu wollen, deshalb bin ich z.B. auch nicht in irgendwelchen Reformgruppen und -vereinen und halte „Kirche von Unten“ für einen riesigen Fehler. Also: ich bin unter allen Umständen für die Beibehaltung des Zölibats, ich bin auch dafür, dass Latein wieder die vorrangige liturgische Sprache ist. Kategorien wie „konservativ“ und „progressiv“ sind bei mir, was das angeht nicht wirklich passend und ich denke auch, die Kirche sollte in diesen Kategorien nicht denken. Es sollte ihr egal sein, wichtig sollte sein, was wahr und gut ist.
      Jetzt bin ich aber neugierig: wie sagt man denn in Österreich?
      Ansonsten bin ich in allem zu 100 Prozent Deiner Meinung: ja, all diese Dinge sind, wenn sie von Außen vorgebracht wurden, Nebenkriegsschauplätze. Ja, sie haben nicht viel mit Jesus zu tun.

      Aber – und jetzt wirst Du mit Sicherheit denken: toll, sie zieht es auf eine emotional-persönliche Ebene runter (und ich kann normalerweise Leute nicht ausstehen, die sowas tun): was würdest Du – oder würde Dein Pfarrer – zu einer jungen Frau sagen, die einfach fühlt, dass sie gerne katholische Priesterin würde? Geh doch zu den Protestanten? Wir wissen doch beide, dass das einfach nicht das selbe ist…?
      (und, nur als Anmerkung: nein, ich bin nicht diese junge Frau ;) )

      • Nikolaus

        Liebe raschelmaschine,
        gute Frage, wie man in Österreich sagen würde. Durch das Fernsehen reden bei uns eh schon alle wie in Deutschland…. am ehesten würden wir wahrscheinlich irgendwas Ordinäres mit starker Fäkalkonnotation sagen, so wie meistens :-)
        Ich stimme Dir schon in vielen Punkten zu, nur die Sache mit der jungen Frau, die Priester werden möchte, die finde ich ein bisschen etwas gefährlich. Denn erstens kann der eigene Wunsch nicht höher stehen, als das, was Gott will (okay, wer kann das schon mit Gewißheit sagen). Viele machen das so und sagen: ich will das und das, was kann da Gott schon dagegen haben. Was kann Gott schon dagegen haben, wenn sich zwei Männer lieben, die Liebe ist doch das Höchste, usw. Das eigene Wollen kann doch nicht den Willen Gottes außer Kraft setzen.
        Und zweitens gibt es im Leben für alle Menschen – und vor allem für Christen – immer wieder Punkte, an denen sie stehenbleiben müssen. Ich zum Beispiel bin verheiratet: was passiert, wenn ich in einigen Jahren draufkomme, daß ich gerne Priester werden will, oder eine andere Frau will (ich hoffe, meine Frau liest nicht gerade mit…)? Der Weg ist mir definitiv verwehrt, und damit muß ich klar kommen. Genaugenommen kann auch ein Priester nicht nach einigen Jahren sagen: huh, ich glaube, ich will jetzt doch lieber eine Familie gründen. Weihe ist Weihe, Sakrament ist Sakrament, und wenn wir das ernst nehmen, dann gibt es am Absoluten dieser göttlichen Entscheidung nichts zu rütteln, dann gilt eine Ehe für immer und ebenso die Weihe. Und der Gedanke, daß es möglicherweise Gottes Willen entspricht, daß manche Menschen für bestimmte Dienste da sind und für andere nicht, ist doch umso schöner, weil es – zumindest mir – zeigt, daß Gott für jeden von uns eine besondere Aufgabe hat. Das gilt für den einzelnen und, wie ich glaube, auch für Gruppen. Allein schon die biologische Differenz zwischen dem geschöpften Mann und der geschöpften Frau zeigt doch, daß jeder eine eigene Aufgabe hat.
        Ich glaube, daß man sich irreführen läßt, wenn man aus den unveränderbaren Tatsachen (Naturgesetze etc.) schließt, daß alles vordergründig Veränderbare, das scheinbar Menschengemachte, das scheinbar nur auf Konvention Beruhende (hier vor allem die Theologie) dann ja irgendwie adaptiert werden kann und soll, wenn es dem Menschen nicht mehr paßt.

        lg, N

    • Os

      ollen Kamellen … ein echter Österreicher kann diese Worte gar nicht kennen, vor allem das Hauptwort :-)).

  5. Lieber Nikolaus,
    Das mit dem „Willen Gottes“ erscheint mir, offen gesagt, mindestens genauso gefährlich. Denn es gibt eben keinen Punkt, an dem Gott oder Jesus diesen konkreten Willen explizit formuliert hätte. Man kann nicht einfach irgendwelche Dinge mit dem Etikett „Wille Gottes“ versehen und dann die Diskussion für beendet erklären. Das ist leider auch der Boden, auf dem z.B. der Terrorismus wächst.

    Dazu kommt folgendes: Priester werden, Heiraten, etc., das sind eben alles selbst getroffene Entscheidungen, hinter die man nicht zurück kann. Ob man aber als Frau auf die Welt kommt, kann man nicht entscheiden. Daher halte ich das für zwei Paar Stiefel.

    Die rein körperliche Differenz – so man das trennen kann – ist bestimmt kein Grund, der Frau das Priesteramt zu verwehren, weil nunmal Priester weder schwere körperliche Arbeit leisten, noch zur Ausübung ihres Dienstes ihre Geschlechtsorgane brauchen (im Gegenteil).
    Also formulieren wir es so: was hat ein Mann, was eine Frau nicht hat, was ihn zum Priesteramt geeignet macht?
    Wolltest Du nun eine Antwort geben, wirst Du Dich winden, weil es unmöglich ist, das so zu formulieren, dass Frauen dabei gut weg kommen. Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus will: Man kann gerne lange und ausgiebig über die Charismen der Frau sülzen; wenn man dann aber letztlich darauf hinauskommt, dass Männer gemacht sind, um zu lenken und Frauen gemacht sind, um zu folgen, dann pfeiff ich auf meine Charismen.
    Ich bin eher gewillt, eine Antwort zu akzeptieren, die schlichtweg auf Sachzwängen gründet, weil sie mich nämlich als Person ernstnimmt, die man in ihrer Komplexität anerkennt und an deren Vernunft man appelliert. Mir, ohne mich überhaupt zu kennen, einfach zu sagen: „Dies und jenes ist Dein Wesen von Natur aus und daher bist Du soundso“, ist einfach nur frech.

    Außerdem geht die Kirche im Bezug auf dieses Thema auf das Biologische Geschlecht und nicht auf das Psychische. Ein biologischer Mann, der aber als Frau fühlt, könnte Priester werden. Das ergibt doch gar keinen Sinn.

    lg, Raschelmaschine

  6. Os

    Da sind jetzt ein paar Sachen verkürzt und aktionistisch gedacht:
    – dass Männer gemacht sind, um zu lenken und Frauen gemacht sind, um zu folgen,….. nein, ist viel komplexer; Männer folgen Frauen viel mehr als dir offenbar bewusst ist.
    – auf das Biologische Geschlecht und nicht auf das Psychische. Ein biologischer Mann, der aber als Frau fühlt, könnte Priester werden…. nein kann er nicht! Er kann vielleicht die Kirche erfolgreich täuschen, aber er wäre ein falscher Priester. Würde er das äußern (fühle mich als Frau), würde er im Priesterseminar entlassen werden, hoffentlich!
    Du trennst zw biolog. Geschlecht und psych. – da ist Bios/Natur viel zu klein und unbedeutend gedacht: Mann Sein und Frau Sein sind eben nicht nur änderbare Zufallslaunen der Lebensgeschichte: sie bestimmen unser ganzes Wesen fundamental u komplex, von Physis bis Psyche, vom Habitus bis zur Art, d Welt zu sehen u zu verstehen – Bios und Psyche/Mens können nicht so getrennt werden, sie machen gemeinsam die gesamte Person aus. Ps: dies krampf- und zwanghaft ändern zu wollen („transgender..juhuuuu“) ist krank.

    • Erstens glaube ich nicht, dass irgendjemand, der transgender ist, sich darüber freut und „transgender… juhuuh“ sagt. Die Suizidrate – vor und nach OP – ist beängstigend hoch.
      Die Frage ist nur: ist eine biologische Frau, die sich als Mann fühlt für Dich eine kranke Frau oder ein kranker Mann?
      Zweitens: in welcher Weise ist denn nun das Wesen einer Frau so gestaltet, dass sie nicht Priester werden sollte?

      Worauf ich mit dem Folgen und Lenken hinaus will: die klassischen Charismen des Mannes sind als Stärke, Entschlossenheit, Strenge und Intellekt festgelegt, für die Frauen hingegen Schönheit, Milde, Weichheit und Fürsorge. In einem solchen System ist das Männliche letztlich das, was voranbringt, produziert und nach Außen hin auftritt und das weibliche das, was schützt, rezipiert und von Innen stabilisiert. Oder, um es mal ganz freudsch zu sagen: der Mann dringt ein und die Frau lässt gewähren oder nicht.
      Wenn ein solcher Mann einer Frau folgt, dann nur, wenn es auch um ihren „Befehlsbereich“ geht, wie sich das z.B. in Islamischen Ländern beobachten lässt: innerhalb der vier Wände schrumpft der großmächtige Ehemann oft in sich zusammen.
      Frauen, die über diese Grenzen gehen, werden lächerlich gemacht oder dämonisiert, ihre „weibischen“ Männer gleich mit dazu, wie z.B. Xanthippe, Lady McBeth oder die Frau des Fischers aus dem gleichnamigen Märchen. (Das Frauenbild hat sich in dieser Hinsicht ja auch in den letzten 60 Jahren zum Glück geändert).
      Meiner Meinung nach wird man mit einem solchen Weltbild weder Frauen, noch Männern gerecht. Biologie hin oder her.

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