Keine Angst vor Mathematik

Ein unter Katholizismus- und Christentumskritikern beliebtes Spielchen ist die mathematische Gleichung bezüglich der Dreifaltigkeit:

XJesus=XGott Vater=Xheiliger Geist

Aber:

Xjesus+XGott Vater+Xheiliger Geist= X

Demnach wäre X mathematisch nur mit dem Zahlenwert „0“ zu belegen.

Vermutlich ist es ein alter Hut und es gibt auch andere, die auf die selbe Idee gekommen sind wie ich (aber ich möchte trotzdem die Kenntnis dessen verbreiten, weil man damit immer wieder konfrontiert ist): geht X gegen unendlich, wie es ja für einen gläubigen Christen der Fall ist, so lässt sich die Gleichung ebenso erfüllen, der kritische Anspruch verkehrt sich in sein Gegenteil: Mathematik dient einer einfachen Verständlichmachung einerseits der Unverständlichkeit der Trinität (denn X ist ja nicht unendlich, es geht gegen unendlich) aber auch der Tatsache, dass sie nicht vollkommen unzugänglich ist.

Das ist besonders lustig, weil ich, bevor ich überhaupt wusste, dass die Formel so verwendet wird, mich ihrer bediente, um z.B. mich selbst und eventuelle Kritiker, die einen solchen unterstellen, zu erinnern, wie wir selbst unser Denken vor einem Kryptopolytheismus schützen können.

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Apologetik, Zu allgemeiner Religionskritik

7 Antworten zu “Keine Angst vor Mathematik

  1. Hast du in der Gleichung nicht die unendlich vielen Heiligen vergessen?

    Warum ist es christen eigentlich so wichtig ein Monotheismus zu sein? Nur weil in den Zehn Geboten steht, du sollst keine anderen Götter neben mir haben?Oder gibt es da noch andere Gründe für?

    • :D Ja, das sind zwei verschiedene Schubladen, das Heiligen- und das Trinitäts-Problem. Der Vorwurf mit den Heiligen ist ja auch ein Innerchristlicher – besonders gegenüber Katholiken und Orthodoxen.
      Das ganze ist Hauptsächlich ein Abgrenzungsdialog zwischen Christen und den anderen „monotheistischen“ Religionen. Besonders einige Muslime werfen dem Christentum vor, es sei keine echte abrahamitische Religion, weil es Gott in drei teilt, diesen Vorwurf gab es auch Innerchristlich und wurde in der Spätantike und im Mittelalter auch von jüdischen Philosophen vertreten.
      Allerdings ist er mittlerweile auch bei atheistischen Kritikern verbreitet.
      Zerteilt man seinen Gott zusehr, entsteht auch schnell der Eindruck, dass diese drei Götter verschiedene Zuständigkeitsbereiche und daher eingeschränkte Macht haben, beziehungsweise untereinander uneins sein können: wiederum ein theologisches Problem.
      Das Gebot des „einen Gottes“ ist selbstverständlich Grundlage dieser Diskussion ;)

  2. Os

    „Demnach wäre X mathematisch nur mit dem Zahlenwert „0“ zu belegen.“
    Ja, und aber eben genau nicht. Die paradoxe Wahrheit 1+1+1=1 habe ich dir ja schon geschickt. Und eben durch Jesus, durch seine Person, durch die gewollte Menschwerdung Gottes, durch sein Menschsein, können wir Katholiken in der Bezeichnung Gottes die Zahl EINS einbringen und heranziehen. Und Gott ist kein unfassbares Abstraktum mehr, von dem wir uns kein Bild machen dürfen und das wir „mathematisch“ allerhöchstens mit „unendlich“ belegen dürfen – weiter gedacht für unendlich entfernt – nein, das Antlitz lehrt uns die EINS. DU BIST DA – DU BIST ES. 1, nicht Null, und nicht unendlich. Diese 1 weist auch ganz stark auf das DU hin, enthält also schon (das Gebot der) Nächstenliebe.
    Danke für deine Inspiration, ich bin bei 1+1+1=1 noch ein Stück weitergekommen. Gruß und Segen, Os

    • Lieber Oz,
      1+1+1=1 macht die Geschichte doch nicht begreifbarer, sondern unbegreifbarer.
      Und den greifbaren Gott berücksichtigen wir in der katholischen Kirche ohnehin schon über die Maßen. Der Sohn ist ja nett und gut, aber manchmal drücken wir uns ein bisschen vor dem Vater und dem Heiligen Geist.
      Möglicherweise ist ja Gott auch alles, Null und Unendlich und Eins?
      Gruß und Segen, Raschelmaschine

  3. Christoph P.

    Hallo,

    ähem, ohne das irgendwie theologisch interpretieren zu wollen, geht das mathematisch schon, wenn wir nämlich einen Körper mit 2 Elementen (0 und 1) betrachten: 1 + 1 + 1 ist dann 1. Das ist in solchen Körpern ganz normal so, weil da eben 1 + 1 = 0 ist und, wie gewöhnlich, 0 + 1 = 1.
    Mehr dazu hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Endlicher_K%C3%B6rper#Beispiel:_Der_K.C3.B6rper_mit_2_Elementen
    Man sieht, dass in der Mathematik 1 + 1 eben nicht immer 2 ist. Die Randbedingungen machen es, die Voraussetzungen, der Kontext ist wichtig für das Ergebnis, auch wenn die (mathematischen) Gesetze sich nicht ändern. Wie sonst in dieser Welt halt auch.

    Übrigens kann man sich die ganze (übliche) Mathematik ausgehend von einer leeren Menge bzw. der „0“ aus aufgebaut vorstellen. Der „1“ entspräche dann die Menge, die genau die leere Menge enthält. Wenn man so will, kann man in Gedanken die Welt der Mathematik sozusagen aus „nichts“ entstehen lassen. ;-)

    Nichts für ungut!

    Beste Grüße von der Waterkant
    Christoph P.

    • Diese Aussage war ja der plumpe Versuch, mit grundlegender Algebra die Theologie wider sich selbst zu wenden.
      Meine Erwiderung findet innerhalb dieser Basis von Schulalgebra statt, Deine innerhalb etwas fortgeschrittener Mathematik. Demnach sagen wir dasselbe aber auf verschiedenen Niveau, nämlich, dass Mathe denkbar ungeeignet ist, um dir christliche Theologie aus den Angeln zu heben ;)

    • Nepomuk

      Tja, wenn Du es nicht schon geschrieben hättest, Christoph, dann hätte ich es jetzt geschrieben.

      Die kleine Korrektur erlaube ich mir jetzt noch: einen Körper, wo das Ergebnis von 1+1 die 2 *nicht ist*, kenne ich nicht (bzw.: es kann ihn gar nicht geben, da genau das die allgemein akzeptierte Definition von „2“ ist); richtig ist vielmehr, daß in unserem Fall (im Z_2, für jargongewöhnte Leute) die „2“ eben nichts weiter ist als eine andere Schreibweise für die Null (ein Mitglied der Äquivalenzklasse [0] = [2], um genau zu sein). Es gilt hier also 1+1=2=0, aber nicht (wie Du behauptet hattest) 1+1 != 2

      So und jetzt für Laien (nix für ungut)…

      man kann sich das beschriebene sehr einfach als den „Rest bei Teilung durch 2“ (kurzgeschrieben „mod 2“) vorstellen, dann muß man nicht erst über Körperaxiome und allgemeine Körper verhandeln^^

      also:

      1+1+1 = 1 (mod 2)

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