Das neue Gotteslob – Gott sei Dank

Vermutlich bin ich schon etwas spät dran mit einer Review des neuen Gotteslobs.

Aber ich hab’s erst letzte Woche zum Geburtstag bekommen, daher mache ich das jetzt etwas lustiger und lockerer – wirklich viel auszusetzen gibt es ja nicht und ich habe es auch erst durchgeblättert.

Zunächst zum Cover. IrgeDSCN1059ndwo habe ich einmal geschrieben, dass die katholische Kirche seltsam auf den Uterus fixiert ist und ich meinte das nicht böse, im Gegenteil. Unser Heilsgeschehen findet eben zur Hälfte in einem statt und es sind ja auch wirklich faszinierend Dinger.
Aber ich bin mir trotzdem relativ sicher, dass die Grafik auf dem neuen Gotteslob NICHT absichtlich aussieht, wie das Logo einer Gynäkologischen Klinik nach dem Effizienz-Coaching.

Wenn doch, fühl ich mich als Uterus-Besitzerin natürlich geschmeichelt, aber das wäre ja echt mal ganz was Neues.
(Z.B. hier, hier, hier, oder hier  – keine der Kliniken hier soll beworben werden, ich kenn die gar nicht.)

DSCN1060Sehr zufrieden bin ich hingegen mit diesem Teil. Es war schon immer meine Rede, dass man Spezialbegriffe erhalten und nicht „volkssprachlich“ vereinfachen soll, sondern sie stattdessen einfach gut zugänglich erklären soll.

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Mindestens ebenso sehr freue ich mich über die Rosenkranz-Erläuterung.

Man, bis ich das mal verstanden hatte.

Ich kanns ja nicht mal jetzt ordentlich…

 

DSCN1062Ohne Worte. Danke, danke, danke. Können wir jetzt bitte auch einsehen, dass jeder der lesen kann, auch auf Latein beten kann, ohne weinend wegzulaufen?

Schließlich kriegen die Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten etc. pp. das mit ihren liturgischen Sprachen ja auch alle hin…

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Man könnte natürlich sagen, ich hätte einen Sprachfetisch. Oder man gesteht mir zu, dass Manager-Sprech nichts in katholischen Gebetsbüchern zu suchen hat. Man kann nichts leben. Leben hat kein Objekt, außer Leben. Das ist der eigentiche Gag an der Sache. So, wie Sterben kein Objekt hat, außer Tod. Oder kann man seinen Glauben sterben?

 

 

Nun zu den Grafiken, die offensichtlich absichtlich so minimalistisch sind, dass man sich nicht in ästhetische Räusche flüchten DSCN1064kann, wenn der Pfarrer wiedermal ein Evangelium so lange biegt, bis es in sein Dauerlutscher-Predigtthema passt.

In dieser Hinsicht sind sie mehr als gelungen.DSCN1082

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wenn wir schon gerade am Meckern sind: was bitteschön soll das denn sein?!

DSCN1068 In welcher Religion heißt Gott denn Schalom oder Salam, geschweige denn Friede oder Leben?
Und dann auch noch dieser Armuts-Orientalismus-Kitsch mit den Zelten (haben wir da nicht alle gleich das Bild vom wettergegerbten Beduinen vor Augen, wie er mit faltenbedecktem Gesicht die Hände flehend in den unendlichen Wüstenhimmel streckt? Und genau DAS ist das Problem an der Sache). Also streichen wir all das möchtegernphilosophische Gedöhns, zumal die nächst Seite tatsächlich viel viel brauchbarer ist, sowohl das Gebet Johannes Paul des II., als auch das jüdische Friedensgebet (war ja klar, dass DIE das hinkriegen, ohne sich zu blamieren).  Oder wir ersetzen die ersten beiden Verse mit: „Deinen Namen, Herr, heiligen und preisen wir in unseren Sprachen. Unsere Sehnsucht, Leben, Friede, Schalom, Salam bringen wir vor Dich.“ und lassen den alten Beduinen im Zelt.

 

Einen rätselhaften Neuzugang haben wir auch noch:

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(nicht mehr Leserliches ist zum Teil rechts am Rand ergänzt)

Ich mein, mir ist vieles an Weihnachten auch zu simpel und zu kitschig, aber ein Jubelfest ist es ja eigentlich schon.

 

DSCN1074Sagte ich schon: Latein ist super und: Danke Jesus? (Nur, falls Du Deine Finger bei der plötzlichen Lateinwut unserer Gebetbuchautoren im Spiel hattest)

DSCN1058

Und zu Guter letzt: Diese Seite noch ganz jungfräulich glatt und nicht Weihwasser-gewellt.

Hach.

 

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20 Kommentare

Eingeordnet unter Gedanken zur Praxis der katholischen Kirche, Medien - Kritik und Empfehlungen

20 Antworten zu “Das neue Gotteslob – Gott sei Dank

  1. Hallo Gardinenpredigerin, danke für diese anschauliche und Lachsalven provozierende Rezension. Bitte noch weitere Folgen! Bevor das nächste Grab vor der Krippe gähnt! ;-) Gruß. Windlicht

  2. Danke für diese herrlichen kurzweiligen 15 Minuten. You made my day! Ich hatte viel Spaß und Freude beim Lesen!

  3. Das ist ja lustig, gestern habe ich während der Predigt auch im Neuen Gotteslob geblättert und habe dankbarst das Adeste Fidelis gesehen, hat mich mitsamt dem „Christ“ in der „Stillen Nacht“ (ich fand immer , dass das Jesus in deiner Geburt u.s.w einfach nicht zur Melodie passt) so sehr gefreut, dass ich den Rest großzügigst übersehen habe.
    Aber ja man kann über das Neue Gotteslob Satire über Satire schreiben und so ist es dann doch zu was gut :-D

  4. Ich bin jedenfalls froh, daß ich offenbar nicht die einzige bin, die bei diesem Teil an den Uterus gedacht hat. Immerhin non horruisti Virginis uterum. Danke für den kurzweiligen Beitrag.

    • Alle, die ich mich darauf anzusprechen getraut habe, haben mir dahingehend zugestimmt, sonst hätte ich mich das nicht zu Schreiben getraut ;)

      Freut mich, dass es Dir Spaß gemacht hat!

      • pfifferling

        Auf den Uterus kommt man gedanklich schon dann, wenn man sich vor Augen hält, dass das Ausbrüten dieses Buches über 10 Jahre gedauert hat.

        Viel interessanter als das was drin steht (und worüber man sich sicherlich stellenweise trefflich amüsieren, ärgern oder es einfach ignorieren kann und sollte) ist allerdings das, was nicht mehr drin steht (worüber man sich stellenweise sehr ärgern kann).

      • Was meinst Du jetzt damit genau? Ehrlich gesagt hat mir bisher nichts so wirklich gefehlt…

      • pfifferling

        (als Antwort auf Beitrag unten, weil man dort leider nicht antworten kann)

        Mir persönlich fehlt besonders die GL 161 alt („Gottes Lamm Herr Jesu Christ mit ausgestreckten Armen“), zumal die Agnus Dei sowieso stärker ausgedünnt wurden als die restlichen Ordinarien. Auch die anderen, fröhlicheren Strophen von „Segne Du, Maria“, das zwar den Sprung in den Stammteil geschafft hat aber in der gekürzten Version eher für Beerdigungen taugt. Schade auch, dass die schöne Melodie von „Maria aufgenommen ist“ (GL 522 neu – 587 alt) nicht überleben durfte.

      • Äh…? 161 alt, auch von mir mir übrigens heiß geliebt, ist bei mir neu 736, also im Lokalteil. Ich hab das auch schon in diversen Münchner Gemeinden gesungen ;) Es ist bei uns hingegen ein Vorteil, dass „Segne Du Maria“ überhaupt im Gebetbuch ist, denn in unserem war es gar nicht drin. Ich hab es von meiner Mutter gelernt, die es manchmal guerillamäßig in Maiandachten angestimmt hat :D

      • Christoph P.

        Hallo,

        @pfifferling (24.8., 10:25): Ich vermisse auch ein paar Choräle, andererseits sind auch eine ganze Reihe gut singbarer und musikalisch hochwertiger Lieder neu dazugekommen, z.B. aus angelsächsischer Tradition. Diese sind eingängig und werden, wie ich von Kollegen/innen (ich spiele etwas Orgel) gehört habe, anscheinend sehr gut angenommen. Die Bilanz insgesamt finde ich sehr positiv. Lieder wie GL 161 (alt) waren in den Gemeinden, so wie ich das kenne, nicht sonderlich beliebt und wurde mancherorts gar nicht gesungen.

        Der Liederkanon ist ja ein Kompromiss über alle deutschen und österreichischen Bistümer. Da kann bei begrenzer Seitenzahl niemals jeder zufrieden gestellt werden. Bei uns im Norden ist es so, dass viele Lieder aus dem ehemaligen „Lokalteil“ in den allgemeinen Teil gewandert sind, anderen hingegen wurde im Regionalteil „Asyl“ gewährt. Ich finde es aber toll, dass, egal wo ich in D oder A auf Dienstreise oder im Urlaub bin, überall dieselben Lieder gesungen werden. Als Orgler kann ich da im Süden und in A auch ganz praktisch ohne Probleme Gottesdienste begleiten.

        Übrigens finde ich im Gegensatz zu vielen anderen auch die gregorianischen Messgesänge toll: Da konnte ich in London, Dublin oder Madrid die Missa de Angelis gleich aus voller Kehle mitsingen. Da spürt man eben, dass man in einer weltumspannenden Kirche ist und Deutschland nicht unbedingt der Nabel der Welt.

        Man darf übrigens auch nicht vergessen, dass das Gotteslob keine Hl. Schrift ist. Wenn man will, kann man Lieder mit anderer oder modifizierter Melodie singen und natürlich auch Lieder und Kehrverse weiter pflegen, die nicht mehr im GL stehen. Deswegen wird man ja nicht exkommuniziert.

        Beste Grüße von der Waterkant
        Christoph P.

      • Wie gesagt, GL alt 161 ist bei uns drin und viel gesungen. Meine absoluten Herzenslieder (Erde singe; Großer Gott, wir loben Dich; Der Geist des Herrn; Christ ist erstanden; Beim letzten Abendmale, Nun freut Euch, ihr Christen, Wer leben will, wie Gott – letzteres von meinem Vater glühend gehasst) sind (wieder) mit drin und ich bin es damit doch recht zufrieden :)
        Unser Pfarrer stand total auf so evangelische schnarch-Pietisten-Lieder mit miesem Gereime (Im Gegensatz zu evangelischen nicht-schnarch-Pietisten-Liedern, die es natürlich auch gibt ;) ). Davon fehlen um Glück einige.

      • pfifferling

        @Christoph P.
        Was die lateinischen Ordinarien betrifft, sind genau zwei (Kyrie XI und Ite missa est II) von 23 neu aufgenommen worden. Alle anderen gab es im alten GL schon.
        Nein, in der Liedauswahl sehe ich nur wenige Verbesserungen. Und wenn ich unsere Lehrndorfer-Sätze zum Diözesanteil anschaue, die spielt niemand, der bei uns zu Besuch ist, mal so eben freiwillig vom Blatt.

        Was allerdings nicht heisst, dass ich das neue GL per se schlecht fände. Die wesentlichen Verbesserungen beschreibt der Blog ja schon sehr treffend. Und über den Rest kann man wahrscheinlich endlos debattieren (was den Rahmen hier deutlich sprengen dürfte).

      • pfifferling

        @raschelmaschine
        Im Vergleich zum alten Evangelischen Gesangbuch (das irgendwann in den 90ern abgeschafft wurde) war das alte GL schon hochmodern und richtig schwungvoll. Das bestand _nur_ aus solchen von Dir beschriebenen Liedern.

        Noch ein Positiv-Beispiel, was mir gerade einfiel: „Segne dieses Kind“ (490 neu) hat endlich eine für den Durchschnittssänger zu bewältigende Melodie erhalten.

      • Ja, die Singbarkeit ist auch ein wichtiges Argument. Wobei mein Liebling „Christ ist erstanden“ da nicht so uuuuuuuunbedingt an vorderster Front mitspielt ;)
        Aber das klingt so herrlich monumental!
        Die neuen evangelischen Gesangsbücher (der evangelischen Landeskirche) sind ja auch ganz in Ordnung. Nur etwas fett. Die passen nirgends so richtig rein…

  5. Christoph P.

    Hallo,

    ich finde den Text ganz witzig und vergnüglich zu lesen, allerdings kann ich auf den Oberlehrer noch einen drauf geben. Leben kann nämlich doch ein Objekt habe. Wie der Duden hier
    http://www.duden.de/rechtschreibung/leben
    schreibt, kann die Bedeutung von „leben“ im Sinne von „durchleben, vorleben, im Leben praktizieren“ ein Objekt haben, Beispiel: „Demokratie, eine Weltanschauung, seinen Glauben leben“.

    Beste Grüße von der Waterkant

    • Im Duden steht leidergottes jeder auch nur erdenkliche Mist. Z.B. auch, dass „realisieren“ erkennen heißt (ein Anglizismus) oder „Tanke“. Mit Schriftsprache hat das leider wenig zu tun.
      Insgesamt ist der Duden wohl mehr so etwas wie eine Bestandaufnahme dessen, was sprachlich vorkommt. Aber „xy leben“ ist einfach… Teil dieses spezifischen Toleranz-und Integrationsideoms und außerdem eben gebeugte Grammatik, wenn auch mitlerweile akzeptierte.

  6. Die meisten Liedtexte und Audiofiles vom Gotteslob findet man übersichtlich hier aufgelistet:
    http://www.evangeliums.net/lieder/liederbuch_gotteslob.html

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