Kirchweih-Ente

Zwischen all dem Ernsten, dachte ich, es wäre doch nett, mal positive Auswirkungen katholischer Kultur auf das alltägliche Leben auszubreiten ;)

In Bayern wurde letzten Sonntag „Kirchweih“ gefeiert. Ursprünglich wurde der Feiertag eingeführt, weil die Patrozinien (also die Feiertage des Heiligen, dem die Kirche geweiht wurde) der verschiedenen örtlichen Gemeinden sich so abgwechselten, dass teilweise über Monate hinweg ganze Landstriche lahmgelegt wurden, weil eine „Kierda“ nach dem anderen stattfand. Die Zentralisierung wurde auch ein voller Erfolg und in typisch-bayrischem Gehorsam feierte man danach einfach „Gro(u)ß-Kierda“ und „Kloa-Kierda“ (also nach wie vor das lokale Patrozinium – wenn das überhaupt mit Kieda zusammenfiel. Ansonsten gab es auch noch Gemeinden, die Patrozinium, Kloa-Kierda und Groß-Kierda feierten…).

Zu Kierda gehört auch einfach die Kirchweihente dazu. Die wird aber in Oberbayern klassischerweise nicht mit Blaukraut (oder Gott bewa

hre: Rotkohl) serviert, sondern mit Endivien- und Selleriesalat – und natürlich Kartoffel(!!!)-Knödel.

Ich werde hier nicht mit Euch das Geheimnis der perfekten Kirda-Ente teilen (vielleicht zu Weihnachten), aber die Rezepte der Beilagen (für 4 Personen) stelle ich hier zur Verfügung – sie sind wie die meisten bayrischen Gerichte bestechend simpel-puristisch.

WP_20141019_006

Endiviensalat

1 großer Kopf Endivien – am besten nach dem ersten Frost, an Kierda naturgemäß noch nicht verfügbar
Kräuteressig
neutrales Öl (Sonnenblumen-)
Salz

Endivien waschen und putzen, Blätter in möglichst schmale Streifen schneiden, maximal 0,7mm (siehe Bild) – gut schleudern: in nudelig geschnittenem S alat hält sich viel Wasser.
Nach belieben mit Essig, Öl und Salz anmachen. Bitte nehmt kein Fancy-Schlagmichtot-Mega-über-Dressing. Endiviensalat hat einen starken Eigengeschmack und neutralisiert mit seiner zarten Senfnote das fettig-schwere der Ente.

Selleriesalat

Ein Kopf Sellerie
Kräuteressig
neutrales Öl (Sonnenblumen-)
Salz

Den Sellerie schälen und in reichlich Salzwasser (ruhig ordentlich salzen) weichkochen, abseihen und dabei ca. einen Liter des Kochwassers zurückbehalten. Dabei gibt es zwei Philosophien, die einen kochen den Sellerie im Kopf, was Jahrhunderte in Anspruch nimmt, die anderen kochen ihn bereits kleingeschnitten.
Entweder vor- oder nach dem KWP_20141019_001ochen den Sellerie in dünne Blätter schneiden (maximal 0,2mm – siehe Bilder). Geschnittenen Sellerie in einer Schüssel gerade so mit dem Kochwasser bedecken. Dann Essig hinzugeben, so viel, bis einem die heiße Brühe gerade zu sauer erscheint. Das gleicht sich später aus. Erst kurz vor dem Servieren mit Öl anmachen, falls nötig nochmal mit Salz und Essig abschmecken.Wichtig ist, dass man den Selleriesalat schon mit der Ente anfängt, damit er gegügend Zeit zum Ziehen hat.

Der Vorteil ist, dass Selleriesalat den Magen beruhigt und gut für die Verdauung ist, außerdem macht er keine so schlimmen Flecken wie Blaukraut… Als Kind zog ich immer, wenn es Ente gab, um den Tisch und trank das reichlich in den Salatschüsseln zurückgebliebene Selleriedressing aus ;)

Nach der Ente gibt es natürlich einen Kümmel. Naja. einen doppelten Kümmel…
Ich hab mich entschieden, immer mal wieder lokale Gerichte zu katholischen Feiertagen mit Euch zu teilen. Ich finde, die Esskultur ist einer der am tragischsten vernachlässigten Aspekte von Religion…

WP_20141019_005

PS: das nächste Mal mache ich die Photos nicht mit meiner Handy-Kamera ;)

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Katholisch-Bayrische Esskultur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s