Die Kirche verreckt an Leuten, die glauben, ihre Sprache wäre ihr Problem

Eigentlich wollte ich meinen heutigen Blogbeitrag über eine Veranstaltung der Janusz-Korczak-Akademie München schreiben, in der es um das Israelbild in Deutschland geht. Aber jetzt stolperte ich zum wiederholten Male über diesen Beitrag hier:

http://erikfluegge.de/die-kirche-verreckt-an-ihrer-sprache/

Kirchenleute teilen ihn wie bekloppt und viele davon finden ihn auch noch gut. Erik Flügge macht etwas, das ich auch mache, er bentutz „krasse“ Wörter wie „verrecken“. Das fände ich vom Prinzip her gut, aber den Inhalt dieses seines Posts halte ich für ziemlich banal und altbacken.

Das ist ja auch der Grund, wieso ihn all jene, an die er sich eigentlich kritisch richtet, so begeistert teilen. Die Idee, dass die Kirche volksnäher werden und an jeden eine verständliche Botschaft richten müsse ist ca. 150 Jahre alt. Das ist schon in der Romantik eine Phantasie des Priesterstandes gewesen. Alter Käse ist es also und müßig ist es noch dazu, denn in dem Moment, in dem sich die Kirche eine bestimmte Sprache zu eigen macht ist sie, gerade deshalb, uncool und er Mühe, sich mit ihr zu beschäftigen nicht mehr wert. Das haben wir ja bereits nach der Liturgiereform in den 60ger Jahren  beobachten können.

Menschen sind nämlich meiner Erfahrung nach durchaus bereit, sich in die Sprache anderer Systeme einzudenken, sofern sie sich für sie interessieren. Da draußen laufen Leute herum, die zum Spaß klingonisch und elbisch gelernt haben und dann soll das bisschen Theologensprech, mit dem man nota bene von der Kanzel herab eh seltenst in Kontakt kommt, das Problem sein?

Nein, das Problem sind die Inhalte. Denn unsere an der warmen Brust der Universität genährten Priester und Pastoralreferenten denken wie vor 150 Jahren noch pausenlos nur über sich selbst nach.

Während die Gemeinde weder aus noch ein weiß, wegen der Aktivitäten Russlands, wegen der ISIS, wegen der Terrordrohungen gegen christliche Gemeinden, wegen der Frage nach der Unterbringung und dem Umgang mit den Flüchtlingen, freuen sich die Herren in den Sakristeien (und nicht nur die) halb tot, dass ein Theologiestudent ihnen bei ihrer rituellen Selbstgeißelung assistiert.

Die Kirche verreckt an der Irrelevanz ihrer Selbstkritik.

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10 Kommentare

Eingeordnet unter Kritik zu katholischen Themen, Medien - Kritik und Empfehlungen

10 Antworten zu “Die Kirche verreckt an Leuten, die glauben, ihre Sprache wäre ihr Problem

  1. Pingback: Die Kirche verreckt an Leuten, die glauben, ihre Sprache wäre ihr Problem | Gardinenpredigerin | theolounge.de

    • :D Binsenweisheit wie die seine ist akzeptabler, wenn man halt unter 20 ist und nicht nachdenkliche Photos im Ikea-Wohnstudio auf seinen Blog läd…

      • Am Ende sind es nicht mal Binsenweisheiten, sondern ganz im Gegenteil Binsentorheiten. Flügge macht sich die Kritik des Stammtisches (also des rhetorischen, nicht des echten) zueigen, wenn er „denen da oben“ vorwirft, unverständlich zu sein. In Wahrheit hat er nur selbst nicht verstanden — und widerspricht sich auch noch fortwährend selbst.

        Wie kann man jemanden ernst nehmen, der Zombiesprache kritisiert und selbst von der „Zeit des Samplings, der zerfetzten Identitäten, der Multiperspektivität“ spricht? Wie kann man jemanden ernst nehmen, der das Wort Ganzheitlichkeit gebraucht und im selben Atemzug mitteilt, daß er das Wort selbst nicht versteht und nicht von ganz unterscheiden kann, und der seinen eigenen Wortgebrauch kritisiert, als sei es der seiner Gegner? Mal ganz von den Ikeaphotos (sehr lustige Assoziation!) abgesehen.

        Wenn man versucht, die Ergüsse dieses zornigen jungen Mannes auf ihren Inhalt herunterzubrechen, merkt man, daß das einzige, was er an der Sprache von Theologie und Predigt (da unterscheidet er auch nicht) konkret kritisiert, ihre Präzision ist, die er als unverständlich empfindet — wahrscheinlich, weil er die den fein unterschiedenen Benennungen zugrundeliegenden Konzepte nicht begreift und auch den Wert nicht einsieht, der darin liegt, sie zu begreifen.

        Liest man die Ergüsse des Herrn Flügge, wundert einen das gar nicht: Flügge selbst schreibt eigentlich nie über was — und dabei verfehlt er auch noch die Stilebene: die der Gedankenwelt, die er ausdrücken will, angemessene Sprache wäre eigentlich eher ein unartikuliertes Stöhnen, Brüllen oder Gurgeln. Damit würde er dann auch wenigstens seinem eigenen Maßstab gerecht, was die Verständlichkeit anbetrifft; dann würde allerdings auch offensichtlich, daß gerade Erik Flügge keineswegs in der Lage ist, Sprachkritik betreiben zu können.

        Gewiß kann man viele Predigten und theologischen Schriften kritisieren. Man sollte aber wenigstens mitbekommen, daß die Schwäche dieser Texte meist nicht in der Sprache liegt — im Gegenteil: ihre Gedanken zum Ausdruck bringen können die allermeisten Theologen so überaus gut, daß die Schwachstellen ihrer Gedankengänge für jeden glasklar zutage treten. Merke: Wenn einer unverständlich ist, liegt das oft nicht an seiner Ausdrucks-, sondern an seiner Schlußfähigkeit.

        Zu dieser Unterscheidung ist Flügge offenbar nicht fähig — sonst hätte er sie getroffen. Er aber glaubt die Sprache zu kritisieren und kritisiert dabei recht eigentlich theologische Gedankengebäude, ohne daß es ihm auffiele. Nun ja, denken ist unterscheiden, und Erik Flügge scheint nach dem Eindruck, den seine Texte bei mir hinterlassen, weder mit dem einen noch mit dem andern besonders vertraut zu sein.

        Damit man mich nicht falsch versteht: ich kenne Herrn Flügge nicht — vielleicht ist er ja der mit dem Kommunikationsproblem. Mit dem von Dir besprochenen Text erweckt er aber wieder mal den Eindruck, ein unreifer, selbstgerechter und überheblicher Charakter zu sein, der nichts außer sich kennt, dem Unverstand und Borniertheit aus allen Knopflöchern seiner blütenweißen C&A-Oberhemden quillt und der leider zufällig lesen und schreiben kann. Wäre traurig, wenn es ihm — und seinem Photographen — ausgerechnet in dieser Beziehung gelungen wäre, Res und Signum in Übereinstimmung zu bringen.

        /rant

      • vor: „Wäre traurig“ füge noch ein:

        „Wer sich darin wiedererkennt, dem sprechen naturgemäß auch Flügges undifferenzierte Wutausbrüche aus dem Herzen.“

        *schnaub*

        Entschuldige bitte, daß ich Deinen Kommentarbereich zum Aggressionssabbau mißbrauche! ;-)

  2. Nein, das ist absolut verständlich und das meiste von dem von Deinem Rant halte ich für wahr.
    Aber um zu begreifen, dass das alles Geschwätz ist, braucht man vorher ein Umfeld gehabt zu haben, in dem solches Geschwätz zum Alltag gehört. Vielleicht sollten ins Volltheologische Studium doch mehr Kulturwissenschaftliche Veranstaltungen aufgenommen werden – und zwar bei wirklich guten Kulturwissenschaftlern. Denn das, was Flügge da tut ist Kulturwissenschaft von 1974 – spätestens. Da sind viele von uns hängengeblieben, aber inzwischen kommt zum Glück frische Luft in die Gräber der europäischen Selbstmarterer. Jeder, der ein, zwei kulturwissenschaftliche Vorlesungen besucht hat, kann dieses Geschwätz flott als solches entlarven.
    Und Übrigens: Ganzheitlichkeit verkauft sich immernoch BLENDENST. Auch an die Generation Flügge.

    PS: eigentlich regt er mich gar nicht so sehr auf, wie die Leute, die ihn auch noch hofieren.

    • Ich glaube, Flügge ist gar kein Theologe — wenn ich seinen Lebenslauf richtig interpretiere, hat er Deutsch und Politik auf Lehramt studiert und betreibt jetzt eine Art Consultingfirma, die aus der SPD-Wahlkampfarbeit heraus entstanden ist.

      Die Idee mit der Lampe auf dem photographischen Stativ, die auf dem Bild, wo er als Kaffeehausphilosoph posiert, im Hintergrund zu sehen ist, finde ich übrigens gut. Ich glaube, so eine werde ich mir auch bauen. Von Flügge lernen heißt einrichten lernen!

      • PS: Was sagt es wohl über die heutige Theologie aus, wenn selbst Theologen einen theologischen Laien, der von Berufs wegen rot-grünen Wahlkampf betreibt, für einen der Ihren halten?

        Daß dagegen ein Germanist völlig unfähig ist, über Sprache zu schreiben, und es nicht einmal hinringt, einen füllerfreien Satz aufzubrechen, das wundert mich als studierten Germanisten ehrlich gesprochen überhaupt nicht.

  3. Ich meinte ja auch nicht, dass Flügge dieses Wissen braucht – weil ich mir gut vorstellen kann, wo er SEIN Wissen aufgeschnappt hat, sondern dass die Theologen es bräuchten, um zu begreifen, mit was für stumpfen Waffen da eigentlich auf sie gedeutet wird ;)

    • Ach so war das gemeint! :-) Na, ob das klappen würde? Mir scheint es so zu sein, daß diese stumpfe Waffe für viele so verführerisch glänzte, daß sie sie am liebsten auch in die Hand nähmen und damit fuchtelten, wie sie es eben können. Denn selbst wer seit Jahren mit diesem Schwert umgeht, ist oft genug immer noch davon begeistert — ganz als stünde es unter einem Zauber. Daß andere sich darüber wundern, ficht die stolzen Inhaber überhaupt nicht an (Pun intended). Nicht mal mit der scharfen Klinge Ahnung hat man gegen Flügge und seine Mitflügges doch keine Chance.

      Und Ganzheitlichkeit: Natürlich kommt die gut an! Schließlich passen viele Vertreter der Generation Flügge zur Gänze in ein Facebookprofil, da ist Ganzheitlichkeit doch einfacher denn je.

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