Exklusiv-Interview mit dem Pressesprecher der Jesuitischen Weltverschwörung

Ich muss ehrlich gestehen, ich bin ein bisschen aufgeregt und kann mein Glück kaum fassen. Die Jesuitische Weltverschwörung hat sich entschieden, ab jetzt eine offizielle Pressestelle einzurichten und ich bekomme das allererste Interview.

Ernesto Bolladisapone ist ein kleiner, schlanker Mann mit einer Halbglatze und einer expressiven Nase, in deren Rücken der Steg einer goldrandigen Lesebrille mit ovalen Gläsern einschneidet. Statt der üblichen Tracht der Jesuiten trägt er Anzug und Hemd, nur der kleine IHS-Stecker am Revier seines Jacketts verrät, mit wem ich es zu tun habe.

Er bestellt einen Espresso, sein Deutsch ist nahezu perfekt.

Herr Bolladisapone, sind Sie ein Whistleblower? Ein Überläufer?

Nein nein, dieses Missverständnis ist allgegenwärtig. Ich bin ein offizieller Pressesprecher. Alles, was ich Ihnen verrate ist von allerhöchster Schattenstelle offiziell autorisiert.

Aber das ist doch recht ungewöhnlich für eine Verschwörungstheorie? Wie kommt es, dass Sie nun an die Öffentlichkeit gehen?

Ach, sehen Sie, vor einigen Jahren bemerkten wir, dass wir mit der Mund-zu-Mund-Propaganda einfach nicht weiterkamen. In den Achtzigern haben die Außerirdischen den Verschwörungsmarkt geradezu überschwemmt. Selbst die Jüdische Weltverschwörung, die doch solche engen Kontakte zur CIA unterhält, hatte da ihre Schwierigkeiten.

Die haben sich dann entschieden, so ein, ja, so eine Art Cross-over rauszubringen, die Sache mit den Reptiloiden aus dem Weltall? Mein Chef hat gesagt, das sei quatsch, so einen Mist wird keiner glauben. Aber ich sage Ihnen: das war genial!

Gab es noch andere Gründe für diese Krise?

Ja. Ich denke, ganz generell haben wir es inzwischen ein bisschen schwer. Wir dachten damals, der Zugang zur Jesuitenverschwörung sei niederschwellig: Die Kirche ist eh schon an allem Schuld, da muss man kein Verschwörungstheoretiker sein, um das zu sehen. Die Jesuiten sind da ja nur ein kleiner Schritt. Aber genau das war dann das Problem. Die Jesuiten braucht man gar nicht unbedingt, im Gegenteil, man muss nicht gleich das volle Comitment zur Verschwörungstheorie machen, man kann quasi das Probepaket bestellen: „die Kirche ist Schuld am 2. Weltkrieg.“ Das hört sich geistig absolut gesund an. „Die Jesuiten sind Schuld am 2. Weltkrieg“, naja, da wittern manche Leute eben schon die Verschwörungstheorie.

Jetzt haben wir uns entschieden, aus dem Verschwörungdiscounter-Geschäft auszusteigen, das überlassen wir der NSA oder der Pharmaindustrie. Ab jetzt bieten wir nur Premiumverschwörungen an und damit auch einen Premiumservice. Dafür machen wir vermehrt und aggressiv Publicity, besonders im Internet und unser Erfolg in den letzten Jahren gibt uns ja Recht. Wir dachten uns: warum alles den Kunden überlassen? Ich meine, die machen einen guten Job, aber es ist immer einfacher, wenn man einen zentralen Twitteraccount hat und eine eigene Facebookseite, von der aus man publizieren kann und jeder weiß: ja, das ist jetzt die jesuitische Verschwörung, verstehen Sie? Dadurch werden die privaten Verschwörungsseiten, wie gesagt, unsere wertvollsten Kunden sind es, die sie betreiben, ja nicht weniger effektiv für uns.

Der Erfolg, den Sie erwähnten. Spielten Sie damit auf die Wahl von Papst Franziskus an?

Er lacht und macht eine wegwerfende Handbewegung.

Himmel nein. Der Papst ist doch kein Jesuit.

Nicht?

Glauben Sie ernsthaft, ein Jesuit der Papst würde, würde zugeben, dass er Jesuit ist?

Was ist der Papst denn dann?

Der Papst ist unsere Marionette. Aber er sollte nicht Papst werden. Das war ein sehr ärgerlicher Fehler.

Bolladisapone macht ein schmerzverzerrtes Gesicht und reibt die Stelle, auf der die Brille aufsitzt.

Der Intern von den Rosenkreuzern hat bei der Programmierung der Kardinäle irgendwas gemurkst.

Ich wollte ihn feuern, der Dachverband der Weltverschwörungen hat ihm aber erlaubt, das Praktikum vorzeitig abzubrechen. Das war ein herber Rückschlag für unsere Pläne, aber wir machen das Beste draus.

Und diese Pläne wären?

Eine Trans-Frau auf dem Papstthron 2050.

Und wie wollen Sie das erreichen?

Im Dachverband arbeiten wir eng zusammen. Die Freimaurer und Illuminaten betreiben das Gender-Mainstreaming während wir von der katholischen Kirche auf Gender-Biologismen beharren. Wenn 2030 jeder zweite Mann überzeugt ist, dass er eine Frau im Körper eines Mannes ist, Sie wissen ja, wie leicht man den Leuten das einreden kann, dann haben wir eine breite Auswahl an Transfrauen, die ja aus Sicht der Kirche immer noch Männer sind. Einmal durch das Auswahlverfahren, das wir ja, wenn nicht gerade ein Rosenkreuzer seine Wurstfingerchen auf die Tastatur haut, voll im Griff haben, ecco!

Das ist in der Tat interessant. Aber wieso das ganze?

Damit Thomas Hosenträger aus Gengenbach im Schwarzwald sich wahnsinnig aufregt. Stellen Sie sich das mal vor! Eine Transfrau! Der wird zwei Monate lang jeden Tag seinen Blog updaten.

Bolladisapone hat auf einmal ein breites Grinsen im Gesicht. Man merkt, wie leidenschaftlich er bei der Sache ist.

Aber, das interessiert mich nun doch, wie verdienen Sie eigentlich an einer Weltverschwörung?

Was ist denn das für eine Frage? Das liegt ja wohl auf der Hand! Fragen Sie etwa auch Ihren Metzger, wie er an der Wurst verdient? Pfff. So was lernt man doch auf der Schule!

Ach, entschuldigen Sie. Etwas anderes. Sie sprachen von einem Dachverband?

Ja, den haben wir vor ungefähr 50 Jahren eingerichtet. Es war nicht ganz leicht, weil wir uns noch mit Freimaurern ein bisschen in den Haaren hatten.

Aber sehen Sie, die Mitarbeiter einer Weltverschwörung sind schon speziellen Belastungen ausgesetzt. Da ist nicht nur der ständige Druck der Geheimhaltung, es ist zum Beispiel so, dass wir wegen des ständigen Händereibens und Kicherns eine starke Gesundheitsbelastung aufzufangen haben. Das betriebliche Gesundheitsmanagement einer einzelnen Verschwörung kann damit durchaus überlastet sein. Außerdem können wir so besser koordinieren. Als die jüdische Weltverschwörung in die Zionistische Verschwörung umziehen musste, weil sie sonst den Antisemiten-Markt in Deutschland nicht mehr weiter hätte bedienen können, haben wir gemerkt, wie viel besser das funktioniert, wenn wir alle zusammenarbeiten und so etwas möglich machen.

Heute sind wir auf allen Ebenen vernetzt.

Ideen wie EUsrael oder die Lügenpresseberichte aus der Ukraine wären sonst gar nicht mehr durchführbar gewesen. So was funktioniert nur über Desinformation auf allen Kanälen.

Das ist doch ein schönes Abschluss-Statement. Haben Sie vielleicht noch eine Tipp an alle Christen, die eine Gedankenkontrolle der Jesuiten ablehnen?

Ja. Kaufen Sie sich so viele Deos mit Aluminium wie möglich, so lange es die noch gibt. Ich finde die wirken einfach besser und gerade in diesen heißen Monaten braucht man ein Deodorant, auf das man sich verlassen kann. Keiner will neben einem Stinker in der Kirchenbank sitzen.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Kritik zu katholischen Themen

4 Antworten zu “Exklusiv-Interview mit dem Pressesprecher der Jesuitischen Weltverschwörung

  1. tonilt

    Ein sehr unterhaltsames Interview. Habe ich mit viel Freude gelesen.

  2. Hallo Gardinenpredigerin

    Ich wollte dich fragen ob ich dieses Interview auf meinem Blog veröffentlichen darf?
    Lg Aufgewacht

    • Hallo Aufgewacht,
      Danke für das Lob :) Ehrlich gesagt habe ich im letzten Jahr keine so guten Erfahrungen mit Features auf den Blogs anderer Leute gemacht, deshalb bin ich von der Idee nicht besonders begeistert.
      Sei mir bitte nicht böse.
      Einen schönen Abend noch,
      Gardinenpredigerin (aka Raschelmaschine)

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