Über die Angst

Jedes Mal, wenn irgendwo in der Westlichen Welt eine Grausamkeit aus islamistischen Motiven begangen wird, dann kriechen sie aus ihren Löchern: die Täterversteher. Mit einem teilweise absurden Eifer versuchen sie uns zu erklären, dass die Täter keine Täter sind, weil sie zu einer Opfergruppe gehören, nämlich den Muslimen.
Währenddessen steigt bei den konkreten Opfern die Panik und Hilflosigkeit.
Darüber, wie es ist, eine aufgeklärte, postkolonialistisch-dekonstruktivistisch erzogene junge Frau zu sein.

Ich sitze gemütlich in der Ubahn in Milbertshofen, einem Viertel das in der Skala zwischen Neuperlach und Grünwald eher Richtung Neuperlach tendiert. Ich bin in diesem Viertel aufgewachsen. Im Gegensatz zu meinen späteren Klassenkameraden auf dem Gymnasium, die in Schwabing auf bilinguale Waldorfgrundschulen gegangen sind, wo es die Aische und den Mehmet nur in Deutschtexten über Toleranz gab, habe ich mit Aische und Mehmet auf dem Pausenhof „Sailor Moon“ gespielt. Ich fühle mich also in diesem Viertel daheim, ich fahre in dieser Ubahn nicht bereits mit vor Panik weißen Fingerknöcheln in meine Handtasche gekrallt.

Ein junger Mann setzt sich neben mich, er ist schwarz, ganz gut angezogen. „Gehst Du Gymnasium?“, fragt er. „Nein, ich geh auf die Uni.“, antworte ich. Ich lächle. „You beautiful“, sagt er plötzlich. „Danke“, antworte ich. „Can I have your phone number?“ „Sorry, I don’t hand out my number to strangers“, sage ich. Das geht mir zu schnell. „Facebook then?“ „I don’t have facebook“, lüge ich nervös. Ich habe keine Lust auf diese ganze Geschichte, ich möchte nicht in der Ubahn so plump angegraben werden und er sitzt viel zu nah auf mir drauf.
Ich frage mich, ob ich auf ihn nur so reagiere, weil ich seine Erscheinung als fremd wahrnehme. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen.
Er schweigt und bleibt sitzen. Ich versuche mich zu beruhigen. Seit in der Nähe unseres Hauses eine Beratungsstelle für Einwanderer aus Schwarzafrika eingerichtet wurde, habe ich öfter mit Afrikanern in der Ubahn geplaudert. In anderen Kulturen wird in den Öffentlichen mit Fremden einfach drauflos geschwatzt. Es muss für sie frustrierend sein, dass viele Deutsche darauf so ablehnend reagieren, weil sie in den Öffentlichen ihre Ruhe haben wollen.

Er meint es vermutlich nicht so.

Trotzdem rast mein Herz. Ich steige aus, er steigt auch aus, wir gehen schweigend nebeneinander her zur Bushaltestelle. Ich werde immer panischer, weil er mir hinterherläuft und mich die ganze Zeit anstarrt. Jedes mal, wenn ich gucke, ob er noch guckt, fängt er meinen Blick auf und blickt mich irgendwie verletzt und trotzdem penetrant an. Hab ich ihm weh getan? Denkt er, ich bin eine arrogante weiße Tussi, die Angst vor Schwarzen hat?
Der Bus braucht zu lange, ich gehe einfach los. Er geht auch los. Immer 3-5 Meter hinter mir. Ich traue mich nicht mehr zu gucken. Ich überlege, ob ich Passanten ansprechen soll, beschleunige meinen Schritt, er ebenso. Am Ende renne ich über die rote Ampel und springe ich in einen anderen Bus, der in die falsche Richtung fährt. Die Türen schließen sich, ich werfe ihm einen letzten Blick zu, während er einfach nur verdattert guckt. Ich sehe, wie er sich umdreht und geht.

Override

Seit diesem Tag habe ich Angst vor fremden schwarzen Männern. Es ist albern. Es ist rassistisch. Ich weiß genau, dass es nicht richtig ist. Aber jedes Mal, wenn sich einer neben mich setzt, breche ich in Angstschweiß aus, in meinen Ohren rauscht das Blut, der Fluchtinstinkt setzt ein. Meine Vernunft sagt mir: hätte ich dasselbe mit einem weißen Mann erlebt, dann hätte ich jetzt keine Angst vor weißen Männern. Aber meine Vernunft hat leider keine Angst, die Angst hat vielmehr mein ganzes System im Griff.
Dazu kommt noch die Sprachbarriere und die Kulturbarriere. Mit Deutschen, Türken, Kurden, Griechen, Bulgaren bin ich aufgewachsen. Ich weiß, wie ich ihre Annäherungsversuche einzuschätzen habe und wie ich darauf antworten kann, ohne gleich beleidigend zu sein. Außerdem kann ich sicher gehen, dass das, was ich zu ihnen sage auch richtig ankommt, weil sie meine Sprache verstehen. Hier bin ich hilflos.

Wieso glaube ich eigentlich, meine Reaktion an die Kultur meines Gegenüber anpassen zu müssen? Habe ich weniger Anspruch auf sein Verständnis, als er auf meines? Ich bin hin – und hergerissen zwischen meinen eigenen Grenzen und dem Anspruch an mich selbst, tolerant und offen zu sein.
Wenn er glaubt, es sei normal, mich so anzuquatschen und ich glaube, es sei normal, ihn dafür auf die Kirchweih zu laden, wer von uns versteht dann den anderen miss?
Verständnis für andere Kulturen war Teil meines Studiums. Trotzdem könnte ich vor Ekel einfach nur um mich schlagen, wenn mir im Untergeschoss des ZOB ein Araber ganz nahe kommt, „Hey Beautiful“ ins Ohr flüstert und, noch ehe ich darauf reagieren kann den fremden, feuchten Atem in meinem Nacken zu spüren, schon über alle Berge ist.

„Woher weißt Du, dass es ein Araber war?“, fragt die postkoloniale Stimme in meinem Kopf. Es ist mir eigentlich egal, woher er kommt. Es ist das fremdartige Verhalten, das durch die Augen meiner eigenen kulturellen Prägung aggressiv, ja sexuell übergriffig ist. Das Verhalten bekommt ein Label in Bezug auf das, was mir noch in Erinnerung ist: sein Aussehen und das war „irgendwie“ arabisch.

Die Unmöglichkeit, Werte gegeinander abzuwägen

Ich weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Männern in die Augen zu sehen war für mich immer ganz normal. In letzter Zeit werde ich immer öfter aggressiv angegraben oder sogar beleidigt, wenn ich es tue. Dabei habe ich den Eindruck, dass es mehrheitlich arabisch oder nordafrikanisch aussehende Männer sind. Ich habe den Verdacht, dass der Zuzug aus muslimischen Ländern der Grund ist. Vielleicht ist es dort üblich, dass Frauen ihren Blick senken.
Oder denke ich das nur und es liegt in Wirklichkeit daran, dass ich kein Kind mehr und dadurch für Männer interessant geworden bin? Fallen mir die negativen Reaktionen dieser Männer nur mehr auf, weil ich sie aufgrund meiner unbewussten Angst vor Fremden selektiv als bedrohlicher wahrnehme?
Eigentlich möchte ich aber niemanden anders behandeln, weil ich glaube, dass er aus einer anderen Kultur kommt. Eigentlich möchte ich niemandes Verhalten nur vor dem Hintergrund seiner Kultur sehen.

Also gucke ich weiter in die Augen und habe eben Angst. Schließlich bin ich Feministin, ich habe das Recht, Männern in die Augen zu gucken, ohne, dass sie gleich auf mich losgehen, egal ob Muslim oder nicht.

Es ist auch dieser Feminismus, der mir sagt, dass ich nicht Schuld bin daran, dass sie es tun. Ich war nicht zu auffordernd, zu aufreizend, zu selbstbewusst. Wo kämen wir denn dahin, wenn ich dem nachgäbe?!

Ich habe Angst, dass ich mich irgendwann mal selbst verteidigen müssen werde. Ich möchte gerne ohne Angst leben.

Wenn die eigene Würde an zweite Stelle tritt

Die Vorfälle in Köln haben meine Ängste nur noch verschlimmert und meine Gewissensbisse auch.

Es gibt genügend „Biodeutsche“, die Frauen angrapschen und aggressiv anmachen. Das ist auch mir schon passiert. Meistens reagiere ich darauf deutlich ablehnend und komme dann, nervös aber auch nicht panisch, irgendwie aus der Situation heraus.

An der Ubahnstation in Laim sitzen den ganzen Tag Männer mittleren Alters mit olivbrauner Haut und schwarzen Haaren herum. Wenn ich an ihnen vorbeigehe, höre ich, wie sie unter dem Atem „sexy“ und „beautiful“ raunen. Nach dem dritten oder vierten Mal innerhalb von zwei Wochen sehe ich sie an, hänge die Zunge heraus und mache Würgegeräusche. „Schlampe“, sagt einer und spuckt aus.

Wieso habe ich Angst, jemanden zu beleidigen, der mich „Schlampe“ nennt? Weil ich denke, ich hätte falsch auf sie reagiert und es sei nur ein unschuldiges Kompliment gewesen und kein sexistischer Übergriff. Meine kulturelle Sensibilität bringt mich dazu, als Schlampe bezeichnet zu werden als adäquate Reaktion dieser Männer zu akzeptieren.

Die Situation ist ein Schachmatt. Würde ich offensichtliche Neu-Migranten behandeln, wie alle anderen, dann müsste ich ihnen jetzt den Marsch blasen. In diesem Fall wäre die nicht-diskriminierende Variante eigentlich, mit Angriff zu reagieren. Aber das kann und will ich nicht, einerseits, weil ich zu viel Angst habe, dass sie auf mich losgehen, andererseits, weil ich auch nicht als rassistisch oder diskriminierend erscheinen möchte. Für Außenstehende ist ja nicht ersichtlich, wieso ich auf die Typen losgehe.

Wie kann ich Menschen, die mich wie Dreck behandeln mitteilen, dass ich sie zwar als Menschen gleichwertig behandeln möchte, aber ihnen zugleich die Grenzen aufzeigen, wenn es darum geht, wie sie mich als Frau behandeln?

Noch dazu, wenn sie in vielen Fällen viel zu schlecht Deutsch sprechen, um zu verstehen, was ich ihnen sagen möchte. Am Ende kommt womöglich nur an, dass die deutschen Frauen Furien sind, die alle muslimischen Männer hassen.

Ich tue, als hätte ich es nicht gesehen. Sie wissen aber, dass ich es gesehen habe und nehmen es vermutlich als Sieg auf: sie dürfen das.

Haben wir kein Recht auf Solidarität und Schutz?

Wenn die Vernunft aber solche Zirkel zieht, der moralische Kompass schlingert, dann reagiert die Angst in der konkreten Situation in Zehntelsekunden und macht einfach, was ihr richtig erscheint.

Angst sortiert die Umgebung in ein intellektuell so gut wie unzugängliches Raster, Angst ist somit im Zweifelsfall auch fremdenfeindlich, weil sie schnell oberflächliche Reize aufnimmt und besonders auf das Unvertraute mit Alarmbereitschaft reagiert.

Frauen, die eine Hand in ihrem Schritt, eine auf ihrem Busen und eine an ihrem Hintern haben, während man ihnen den Geldbeutel und das Handy klaut, zu sagen, ihre in der Angst getroffene Einschätzung sei diskriminierend, ist daher einfach nur unmenschlich.

Nicht nur Frauen, auch Homosexuelle und Juden müssen Angst haben und haben diese auf der Basis ihrer bisher gemachten Erfahrungen. Darunter viele Menschen wie ich, die eine Ausbildung in postkolonialen Studien genossen haben, die in einer kulturell diversen Atmosphäre aufgewachsen sind und sich in ständiger Selbstreflexivität überwachen, die eigentlich nur das Richtige tun wollen, haben diese Angst.

Wenn über die Hälfte der Bevölkerung eigentlich Angst haben muss, aber sich oft aus politischen Gründen nicht trauen mag, diese Angst zu formulieren, wenn es jedes Mal einen Shitstorm gibt, wenn jemand sagt, er habe Angst vor einer Personengruppe, deren Mitglieder sich ihm gegenüber mehrfach bedrohlich oder gewalttätig verhalten haben, dann ist es an der Zeit, zumindest diese Angst als politische Realität wahrzunehmen, wenn auch nicht als Argument. Als Realität, die sich nicht nur in den intellektuell düsteren Schädelhöhlen Rechtsradikaler aufhält, sondern die auch gebildete, offene, bemühte Menschen befällt, dieselben Menschen, die vor ein paar Monaten mit Wasser und Plüschtieren an Bahnsteigen gewartet haben.

Diese Angst benötigt einen Kanal, der sie in eine konstruktive Energie umwandelt, bevor sie sich mehrheitlich in das Wählen der AfD ergießen kann. Doch dafür müsste sie erst Mal ernst genommen, statt mit noch mehr schlechtem Gewissen beladen zu werden.

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10 Kommentare

Eingeordnet unter Über mich - über diesen Blog, Religion und Politik

10 Antworten zu “Über die Angst

  1. Hallo Gardinenpredigerin. Das ist ein super Beitrag! Ich kann überhaupt nichts Albernes oder Rassistisches an Deiner Reaktion oder der anderer Opfer solcher Agressivitäten finden. Es ist einfach menschlich. Menschen haben Angst und Angst ist wichtig, damit sich der Mensch vor Gefahren schützt. Jeder Mensch hat ein Recht Angst zu haben und vor allem hat er das Recht sich selbst und seine Menschenwürde zu schützen. Solches Verhalten ist ein Angriff auf die Würde des Menschen, der anders ist als der Angreifer. Es wird wirklich Zeit Wege zu finden sich dagenen zu schützen.
    LG
    Ruth

  2. Sexismus und Gewalt sind nicht tolerierbar; ob sie nun von einem europäischen oder arabischen Mann ausgeübt wird!

    • Das ist mir vollkommen klar.
      Aber darum ging es auch in dem Beitrag nicht.

      • Es ging darum, dass Angst – auch Fremdenangst – unwillkürlich ist und nicht willentlich steuerbar.
        Selbst, wenn man es besser weiß, und natürlich wüsste ich es besser, wird man nach einigen unangenehmen Erfahrungen mit levantinisch wirkenden Männern in deren Gegenwart nervös.
        Ich kann jederzeit ein Referat darüber halten, dass die Geschichte vom lüsternen Wilden aus dem nahen Osten ein rassistischer westlicher Topos ist, aber meinem Sympathikus ist das wurst.
        Dazu kommt auch, dass man mangels Erfahrung auch kein Konzept dafür hat, mit so einer Situation umzugehen. Sehr oft sind die Männer, die an Stationen des ÖNV herumlungern und Frauen angraben ja auch des Deutschen nicht mächtig und des Englischen auch nur mangelhaft. Ich habe dafür noch keinen Modus operandi, dafür aber schon tausende Gruselgeschichten gehört.
        Es ging mir darum zu zeigen, dass die Angst eine zunächst einmal ganz normale Reaktion ist und dass es gefährlich ist, Fremdenangst mit Rassismus zu verwechseln und den Leuten einzureden, ihre Angst sei unmoralisch. Angst ist nicht unmoralisch, unmoralisch ist es, sie das eigene politische Handeln dominieren zu lassen und daraus ein (z.B.) rassistisches Weltbild zu basteln.
        Im Übrigen habe ich tatsächlich in den letzten beiden Jahren öfter übergriffige Kommentare von eher nordafrikanisch/arabisch/etc. wirkenden Männern bekommen, bei denen ich aufgrund der schlechten Deutschkenntnisse und Aufenthaltsorte davon ausgehe, dass es Asylbewerber waren.
        Aber ich vermute, dass das zum einen daran liegt, dass sie einfach unter großem emotionalem Stress stehen und das irgendwie ablassen müssen, sie zugleich aber auch noch viel zu viel Zeit haben, in der sie ziellos durch den öffentlichen Raum treiben und Ablenkung suchen. Eine etwas unglückliche Kombination, die sich ja auch im Verhalten der „einheimischen“ pöbelnden Jugendlichen niederschlägt.
        Das entschuldigt das Verhalten zwar in keinster Weise, ich halte es aber keineswegs für ein typisches Phänomen des muslimischen Hintergrunds.

      • Ihre Erafhrungen zeigen mir nur allzu deutlich, dass der Mann an sich das Problem darstellt. Aus meiner Sicht sollten vermehrt Frauen und Kinder aufgenommen werden, sind die es doch, welch auch auf der Flucht u.U. sexuellen Übergriffen und Gewal ausgesetzt sind.

  3. Als Feministin bin ich überzeugt, dass es den „Mann an sich“ nicht gibt und dass er auch kein „Problem“ darstellt.
    Meinetwegen die Erziehung bestimmter Männer. Wobei ich der Meinung bin, dass auch Machos einen freien Willen zum Guten haben. Sie wollen nur nicht und man sollte es ihnen eben nicht durchgehen lassen.

  4. Meinungsmaschine

    Ein sehr guter Beitrag, auch sehr reflektiert, was bei diesem Thema nicht oft vorkommt. Allerdings war ich beim Lesen einigen Irritationen ausgesetzt. Der ersten gleich zu Beginn, in der kursiv gehaltenen Einleitung, die mich zunächst einmal skeptisch machte. Hier schreiben Sie über „Grausamkeit aus islamistischen Motiven“ (die mich natürlich erst einmal vermuten lässt, Sie meinten Terror), nach denen jedesmal „Täterversteher“…“aus ihren Löchern“ gekrochen kämen. Was für eine Sprache! Das müssen ja schlimme Menschen sein, geht es mir da erstmal durch den Kopf. Aus den Löchern kriechen doch sonst Ratten, oder? Dann legten diese auch noch einen „absurden Eifer“ an den Tag, uns zu erklären, „dass die Täter keine Täter sind.“ Ehrlich gesagt, spätestens jetzt hatte ich Sie in die Schublade „Kulturkämpferin“ gesteckt, die selber Absurdes schreibt. Zumindest ich habe in all den letzten Monaten nämlich noch nie jemanden gehört, der den Tätern das Tätersein abgesprochen hätte. Und ich verfolge die politische Debatte intensiv. Dann folgte ein in großen Teilen sehr persönlicher, überhaupt nicht polarisierender, selbstreflektierter Beitrag, der mich positiv überrascht hatte und in dem es gar nicht um „Grausamkeit aus islamistischen Motiven“ geht, sondern um Sexismus, über dessen Ursprung sich treffend streiten ließe, um die schwierige Reaktion darauf und den Versuch, reflektiert mit der Angst umzugehen. Bei all dem schimmert vor allem immer eines durch: Verstehen Wollen! Sind Sie am Ende vielleicht selbst eine „Täterversteherin?“ Was mir beim Lesen auffällt: oft würde ich Ihnen wünschen, sich selbst gegenüber großzügiger zu sein! Nicht zu viele Gedanken daran verwenden: könnte diese oder jene Reaktion vielleicht rassistisch sein? Ist das mit meinem Anspruch an mich selbst, aufgeklärt und reflektiert zu sein, noch zu vereinbaren? Darf ich vor dem Hintergrund meines Studiums so fühlen, denken, handeln? – Mehr Spontanität und authentisches Handeln könnte uns eventuell in dieser schwierigen interkulturellen Gemengelage hilfreich sein. Sein Reden und Handeln kann man auch gut im Nachhinein reflektieren, falls es beim nächsten Mal etwas zu verändern gäbe. Aber es sollte doch gesunde Selbstverteidigungsimpulse nicht unterdrücken! Dann aber schreiben Sie am Ende: „über die Hälfte der Bevölkerung“ traue sich oft „aus politischen Gründen nicht“, „diese Angst zu formulieren“. Und sie schreiben, dasss es jedesmal „einen Shitstorm gibt, wenn jemand sagt, er habe Angst vor einer Personengruppe, deren Mitglieder sich ihm gegenüber mehrfach bedrohlich oder gewalttätig verhalten haben“. Auch dies kann ich als Beobachter von Internet-Diskussionen so pauschal nicht bestätigen. Und so drängt sich mir ein Verdacht auf: die eigene, strenge Schere im Kopf wird nach außen projiziert und als „Tabu“ der Gesellschaft gebrandmarkt. Schade eigentlich, denn außer diesen kleinen Schwächen ist das wirklich ein lesenswerter Beitrag.

  5. rob pfeil

    Hi Gardienenpredigerin, eindrucksvolle geschilderte Geschichte. Ich bin zwar ein Mann, kann mich aber schon immer recht gut in andere hineindenken und kann so Deine Angst sehr gut verstehen! (Männern wird ja oft genau das gegenteil nachgesagt, darum schreibe ich das vorweg!) Du schreibst an einer Stelle, dass Du, wenn Dir das selbe mit einem „weißen“ passiert wäre, sicher anderst reagiert hättest.

    Nun ich glaub das nicht so ganz! Wenn man von jemanden auf solch` penetrante Art belästigt wird, spielt es doch keine Rolle, welche Hautfarbe der jenige hat! Ich glaub in diesem Fall steckt dahinter mehr die Angst, das derjenige aus einer komplett andern Kultur stammt, von der man annehmen darf, dass dort Frauen ungefähr so behandelt werden, wie bei uns vor 100 Jahren.

    Man/Frau kann sich also noch weniger auf eine, iregndwann einsetzende Vernunft des Angreifers verlassen! … Also ich denke eh, es geht niemals um Rassen! Das ist echt Blödsinn.

    Ich kenne z.B. eine Vietnamesin, die als Baby nach Deutschland, raus aus dem damaligen Kriesengebiet „verschickt“ wurde. Sie wuchs dann komplett in Deutschland auf, mit deutschen Pflegeeltern und ist jetzt so deutsch wie wir alle! Sie sieht nur vietnamesisch aus und das ist jetzt ihr großes Problem

    Vor allem hat sie große Angst vor Nazis, denn die denken ja in Rassenschubladen, und sehen nur ein nicht-europäisches Gesicht, und schon ist sie die Ausländerin! Dabei ist sie eben so deutsch wie die Nazis auch! …

    Seit ich sie kenne und ihre Geschichte, ist mir absolut klar, es geht nicht um Rassen, es geht um stark unterschiedliche Kulturen! Und das kann dann leider schon immer wieder zu Problemen führen, wenn Leute aus unterschiedlichen Weltanschauungen aufeinander treffen! So wie mit dem Afrikaner in der U-Bahn! Und man weiß eben nicht, was nun in dessem Kopf abgeht! …

    Leider geht es eben immer auch um Religionen, die ja die Kulturen – ich möchte sagen – gemacht / geprägt haben! Interessant ist ja aber, dass Frauen in allen Weltreligionen unterdrückt wurden oder eben immer noch unterdrückt werden.

    Eigentlich geht es ja immer nur darum, dass sich das Zsammenleben unter Menschen stark vereinfachen lässt, in dem ein Teil der Gesllschaft unterdrückt wird! In den meisten Fällen die Frau! Und damit man diese Unterdrückung schön rechtfertigen kann, sagt man einfach: Das will Gott so! Wer kann dann da schon widersprechen! Das ist eine sehr schlaue Argumentation, die keinen Widerspruch zulässt, denn wer will sich schon gegen Gott stellen???!!!

    Da komme ich dann immer wieder an den Punkt, dass ich mir denke: Diese ganzen Religionen haben eigentlich nichts mit Gott zu tun … selbst das Wort „Gott“ geht mir nur noch schwer über die Lippen! Es klingt schon so kalt und unnahbar!

    Gruß
    rob

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