Ich mache keinen Frieden mit dem Papst

Den Frieden mit dem Papst zu machen ist insofern Unfug, als der Papst ja nicht weiß, dass man ihm unversöhnlich gegenüber steht. Eine Wahl hat man eh nicht. Allmählich hält sein Pontifikat aber so lange an, dass die Leute beginnen, sich mit ihm abzufinden. Und so, wie man ihn aus den falschen Gründen nicht-mögen kann, kann man ihn auch aus den falschen Gründen rehabilitieren.

Klaus Kelle hat seinen Frieden mit dem Papst gemacht.

Dabei ist es wichtig zu sehen, was ihn bisher am Papst gestört hat. Nämlich:

“ Katholiken müssten sich auch nicht vermehren „wie Karnickel“ sagte er einmal. Und ich muss sagen, das war auch mir deutlich zu viel für den Nachfolger des Heiligen Petrus. So redet ein Papst nicht, dachte ich damals und so denken bis heute viele Gläubige.“

Mich hat das noch nie gestört. Ich bin eben auch erst 25 und außerdem genervt von jenem katholischen Milleu, das meint, es gehöre zu den „Charismen“ einer Frau, so lange Kinder aus sich rauszudrücken, bis sie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Christi Zahnpastatube sozusagen. Nein, ich finde es gut, dass der Papst gelegentlich verbal austeilt. Nicht umsonst war ich vor seiner Wahl unter denjenigen, die auf Timothy Dolan hofften. Aber gerade, weil der Papst bestimmt nicht zimperlich ist, fällt es umso mehr dann auf, wenn er es wird.

„Welch‘ starke Worte, welche ansteckende Begeisterung, die in diesem Moment von dem fast Achtzigjährigen ausging. Und der Jubel der jungen Menschen, zusammengeströmt aus 180 Ländern auf dieser Welt, um zusammen den Glauben, das Vermächtnis von Jesus Christus zu feiern und zu leben.[…] , da, genau in dem Moment, habe ich meinen persönlichen Frieden mit Papst Franziskus und seiner Art gemacht.“

Papst Franziskus begeistert die Jugend. Aber leider nicht nur für den Katholizismus sondern auch für seine Ansichten zu Themen, zu denen er nicht nur keine Expertise besitzt, sondern regelrecht gefährliche Ansichten hat.
Seine platte und einseitige Kapitalismuskritik ist meiner Meinung nach eine Katastrophe.

Papst Franziskus erzählt jungen Menschen, der Kapitalismus töte, sie seien in einem unmenschlichen System gefangen, das sie knechtet und die Welt in ihrem Würgegriff hält, entgegen aller Statistiken, die nun einmal zeigen, dass es immer mehr Menschen immer besser geht, nicht schlechter. Das ist wohlfeil und kommt auch gerade bei den jungen Menschen gut an, die aus Ländern mir wirtschaftlichen Schwierigkeiten (aus Südeuropa, Südamerika, Osteuropa) kommen; Menschen zu sagen, dass das System falsch ist und dass sie nicht vielleicht nur Pech hatten, sondern Opfer böser Mächte sind, das ist für diese auf den ersten Blick erleichternd. Sie fühlen sich verstanden, deshalb jubeln sie. Aber es ist die falsche Botschaft. Seine Kapitalismusschelte ohne Gegenvorschlag schürt lediglich Angst, Ungewissheit, Unsicherheit und zerstört das Selbstvertrauen. Er ermuntert sie nicht dazu, ihre Länder wirtschaftlich zu sanieren und mit ihrem Einfallsreichtum und Gottes Hilfe neue Wege zu finden, um innerhalb dieses Systems, vielleicht unter dessen Transformation, ihre Zukunft zu sichern, sondern er sagt: „alles Scheiße. Da hilft nur noch beten.“ Er entmutigt sie.

Seine Begegnung mit Fidel Castro vor zwei Jahren trieb mir die Zornesröte ins Gesicht.  Er küsste diesem mörderischen Despoten das Bauchi. Einem Mann, der für alles steht, gegen das Papst Johannes Paul II gekämpft hat. Es ist noch nicht  einmal 5 Jahre her, da hat das Regime in Kuba christliche Widerständler verschwinden lassen. Wo ist da plötzlich der scherzend ermahnende Papst? Nirgends, denn mit seinen wirtschaftspolitischen Äußerungen gibt er Regimes wie dem Kubanischen, die mit Katholiken nie anderes anzufangen wussten, als sie zu morden, verfolgen und schikanieren, auch noch ziemlich eindeutig Recht.

Der Realsozialismus als Feind scheint uns verstaubt; Aber diese jungen Leute, die Papst Franziskus heute mit Stiefeln an den Füßen und Unzufriedenheit in den Herzen in die Wallfahrtsorte schickt, die werden irgendwann verarmte, perspektivlose Familienväter und -Mütter sein. Immer noch mit Unzufriedenheit im Herzen. Damit ist nichts erreicht.

Und bei dem Gedanken, dass ein alter Mann junge Leute aufhetzt war mir noch nie besonders wohl. Papst Franziskus würde mich nicht mögen. Und ich muss ihn dann auch nicht gut finden.

 

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Kritik zu katholischen Themen, Religion und Politik

4 Antworten zu “Ich mache keinen Frieden mit dem Papst

  1. „Papst Franziskus erzählt jungen Menschen, der Kapitalismus töte, sie seien in einem unmenschlichen System gefangen, das sie knechtet und die Welt in ihrem Würgegriff hält, entgegen aller Statistiken, die nun einmal zeigen, dass es immer mehr Menschen immer besser geht, nicht schlechter.“ Hier irrt die Autorin, etwas mehr Recherche wäre hier gut gewesen, etwas langfristige Perspektive auch. Empfohlen sei hier u.a.: https://www.cbd.int/gbo4/ um sich mit der aktuellen Lage unserer Lebensgrundlagen und den Folgekosten der historischen wie aktuellen Wirtschaftsweise vertraut zu machen. Oder kurz zusammengefasst: die zu verzeichnenden Verbesserungen an Lebensqualität und -Dauer werden zZ durch marginale Almosen einer Wirtschaftsweise finanziert, die auf 100% der Menschheit übertragen zum ökologischen Kollaps und damit zur Zerstörung eben jener Fortschritte führt. Eine auf materielle Unendlichkeit des Wachstums aufbauende Wirtschaftsweise muss an der Stelle scheitern. Dabei ein funktionierendes Gegenmodell aufzubauen wird womöglich so lange dauern, wie das vorherige zu schaffen. Das von einem Papst zu verlangen ist mir zu billig. Die Grundlagen einer anderen Wirtschaftsweise nennt er aber durchaus: echte Teilhabe, klare Grenzen von Ressourcen Nutzung und spirituelles Wachstum. Ich glaube damit haben wir genug zu tun, um es umzusetzen. Da ist es natürlich einfacher den Botschafter zu kritisieren.

    • Der Autor dieses Kommentars spricht die Autorin dieses Artikels nicht persönlich an, weil das wirkt, als wäre er ein Intellektueller, der eine Rezension verfasst.
      Die Konventionen zur Biodiversität wurden nun aber von Staaten unterschrieben, in denen fast überall ein kapitalistisches Wirtschaftssytem besteht.
      Keines der genannten Probleme hat tatsächlich mit dem Kapitalismus als solchem zu tun. Im Gegenteil. Ressourcenknappheit und die Ausbeutung der Natur lassen sich letztlich nur dadurch lösen, dass sich am Markt effizientere und sparsamere Technik durchsetzt. Kraftstoffsparende Fahrzeuge hat die Automobilindustrie deshalb erfunden, weil damit der Ölvorrat länger hält, die Kunden weniger für Benzin ausgeben müssen und sie somit auf längere Sicht mehr Autos verkaufen können. Monsanto entwickelt Saatgut, das weniger Flächen und Pestizide benötigt, deshalb, weil Pestizide umweltschädlich und Flächen teuer sind und sich dieses Saatgut in der Folge besser verkauft. Städte renaturieren ihre Flüsse, um ihre Attraktivität für den Tourismus zu erhöhen. Aber das zählt nicht, weil es war ja alles aus den falschen Gründen! Es ist genau so eine Rhetorik des Papstes, die gute Dinge nicht anerkennt, weil „Geld verdienen“ keine legitime Motivation ist.
      Im Übrigen: sollen wir unser Wirtschaften einstellen und die Leute, die momentan von den „Almosen“ unserer nicht-weltweit übertragbaren Wirtschaftsweise abhängig sind auch noch krepieren lassen? Dann wäre unser privileggestütztes Lieblings-Hobby, über die unveränderliche Schlechtigkeit der Dinge herumzuheulen wenigstens für die Zukunft gesichert, denn in diesem Szenario hätten wir diejenigen gestoppt, die Kräfte und Ressourcen besitzen, um Lösungen für eine effizientere und global anwendbare Wirtschaft erarbeiten könnten.

      Aber noch ein Wort zur Definition von Kapitalismus:
      Die Definition von Kapitalismus lautet für mich, dass die Produktionsgüter sich in Privatbesitz befinden und der Staat so wenig wie möglich in das wirtschaftliche Handlen eingreift. Befinden sich die Produktionsgüter nicht in Privatbesitz und der Staat reguliert die Märkte, dann bedeutet das für mich im Umkehrschluss Unfreiheit.
      Ein freier Markt, in dem alle ein bisschen besser aufeinander aufpassen würden, wäre für mich immernoch ein freier Markt und somit ein kapitalistisches Wirtschaftssystem. In diesem hat man dann auch die Freiheit, Dinge nicht zu kaufen, deren Produktion man nicht unterstützen möchte. Ein Auto z.B., oder Rosen vom Discounter. Das ist dann nicht gegen den Kapitalismus wie Greenpeace und Konsorten uns gerne glauben machen wollen, sondern konsequent innerhalb des Kapitalismus gehandelt.

      Aber der Papst sagt nicht: „seit gut und rücksichtsvoll zueinander, dann habt ihr bessere Chancen im System!“ Er sagt: „Dieses System tötet“. Das ist pessimistisch und entmutigend. Im Übrigen ist es noch lange kein Grund, Fidel Castro die Hand zu schütteln.

      Nicht zuletzt habe ich gewisse Schwierigkeiten, jemanden ernstzunehmen, der „spirituelles Wachstum“ für eine geeignete wirtschaftliche Reformmaßnahme hält.

      PS: „Ressourcen Nutzung“ schreibt man zusammen. https://deppenleerzeichen.de/

  2. Oliver

    „Die Definition von Kapitalismus lautet für mich, dass die Produktionsgüter sich in Privatbesitz befinden und der Staat so wenig wie möglich in das wirtschaftliche Handlen eingreift.“ – Scheint mir ein bißchen kurz gegriffen, auch wenn ich beileibe kein WiWi bin. Ist für den Kapitalismus nicht eher das Streben nach maximalem Profit zur maximalen Verzinsung des eingesetzten Kapitals (daher der Name…) kennzeichnend?

    • Nunja. Das ist letztlich nur die Konsequenz, welche die meisten Personen, die Kapital besitzen daraus ziehen. Sie versuchen, aus ihrem Kapital mehr Kapital zu machen, denn je mehr Kapital man hat, desto mehr kann man damit unternehmen.
      Aber vom Prinzip her kann ja niemand gezwungen werden, den größtmöglichen Gewinn zu machen. Wer sich selbst (eben z.B. aus ethischen Gründen) entscheidet, eine kleinere Gewinnspanne zu haben, der wird ja nicht bestraft.

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