Meinst Du das ernst, BDKJ?

Der BDKJ macht mit DiTiB gemeinsame Sache. Nein, das ist keine Verschwörungstheorie aus der Gattung „Muslime erobern das Abendland“, der BDKJ hat eine gemeinsame Kampagne zum Thema Toleranz mit DiTiB.

Die Aktion ist in mehr als einer Hinsicht doof, angefangen mit der unglücklichen Auswahl von DiTiB als Bündnispartner

DiTiB richtet sich an türkischstämmige Muslime, eine durch den Zuzug aus (nord-)afrikanischen Bürgerkriegsgebieten anteilig immer kleiner werdende Gruppe deutscher Muslime. Dadurch ist der Verein einerseits zwar einer der am besten etablierten muslimischen Verbände in Deutschland, auf der anderen Seite eben nicht besonders Repräsentativ.

DiTiB richtet sich allerdings auch unter den türkischstämmigen Deutschen eher an solche, die als Erdogansche sogenannte „Graue Wölfe“ mehr so an den Grenzen des noch-nicht-verfassungsfeindlichen wandeln.

Die Imame, die in DiTiB-Moscheen arbeiten werden nach wie vor in der Türkei ausgebildet. Bei einem Besuch in einer solchen Moschee vor wenigen Jahren teilte uns der dort für Öffentlichkeitsarbeit zuständige, vollkommen integrierte junge Mann mit, die DiTiB-Imame selbst verlangten von den Gemeinden eine Leistung in Sachen Integration – nicht etwa umgekehrt. Neu angekommene Muslime, die in Deutschland Hilfe benötigen, wenden sich oft eher an Moscheen, weil sie hoffen dort auf Personen zu treffen, die mit ihrer Situation vertraut sind und sie verstehen. Sie stoßen im Zweifelsfall dort auf einen Imam, der selbst genauso wenig Deutsch kann wie sie und noch weniger darüber weiß, wie man sich z.B. auf einen Arbeitsplatz bewirbt. Nach drei Jahren Zeit, in der sich der Imam eingewöhnen konnte, wird er dann auch gleich wieder zurück in die Türkei gerufen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die türkische Regierung versucht, über die Monopolisierung deutscher muslimischer Identität durch ein von der türkischen Regierung betriebenes Organ diese an die Loyalität gegenüber der eigenen Politik zu koppeln. Egal, in welche Richtung die Reise nun gehen mag.

Aber was hat das nun mit den Katholiken zu tun?

Nun, die Handlungen der türkischen Regierung gegenüber katholischen Einrichtungen wie Kirchen kann man wohl am besten mit dem Wort „Gängeln“ umschreiben, weit über den schon längst nur noch als potemkinsche Fassade existierenden Laizismus der Türkei hinaus. Baugrund für neue Kirchen wird über Jahrzehnte hinweg aufgrund diverser vorgeschobener bürokratischer Schwierigkeiten blockiert, die Betreuung oder gar der Schutz von Christen in den ausgedehnten Flüchtlinslagern spielt eine noch untergeordnetere Rolle als in Deutschland und bis heute ist es für Christen in der Türkei nicht möglich, Religionslehrer oder Priester auszubilden. Jede Form einer öffentlichen Darstellung des Christentums, Informationsstände, Prozessionen oder eigene Medienanstalten (z.B. Radiosender) ist untersagt.

DiTiB wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, mit dieser politischen Linie identifiziert zu werden. Es ist also kein Verein, mit dem der Bund der katholischen Jugend posieren sollte, besonders dann nicht, wenn es um gegenseitige Akzeptanz und religiöse Toleranz geht.

Wenn nun das in die Türkei ausgelagerte christliche deutsche Religions-Ministerium muslimische Türken auffordern würde, gemeinsam mit Christen Selfies als Zeichen der Toleranz zu schießen, ab welchem Punkt wird diese Hypothese zu absurd, um weiterzulesen? Genau.

Der Zweck heiligt die Allianz?

Dem BDKJ ist das wumpe. Vielleicht, das als freundlichste Interpretation, vielleicht glauben sie ja, dass DiTiB sich auf die Dauer losmachen wird, wenn man ihnen von deutscher Seite oft genug sagt, dass man sie lieb hat und dass von Jugendlichen auf der Suche nach 2 Sekunden Ruhm geknipste Toleranzselfies die Welt mehr verbessern können, als eine weitere Stärkung von DiTiB in der deutsch-türkischen Öffentlichkeit Schaden anrichten kann.

Vielleicht aber ist es hier wie mit jeder anderen Aktion aus dieser Kategorie auch: dem BDKJ wäre vermutlich jeder Verband recht. DiTiB ist vergleichsweise gut organisiert und geht leicht her. Durch die Aktion bietet sich sozusagen die Möglichkeit, mal ein bisschen mit dem Exotischen zu posieren. Mit der Aktion holt man sich den Bildbeweis für „einige meiner besten Freunde sind Muslime“, grinst und knickst ein bisschen, tut keinem weh und hat sich selbst den Anstrich des weltmännischen und interkulturellen verschafft.

„Alle sind gleich“ ist das Gegenteil von Toleranz

Dass das aber nichts mit wechselseitigem Verständnis zu tun hat beweist allein der Text auf der Werbepostkarte: „Alle Christen glauben an Allah“, steht da, „Allah ist arabisch und bedeutet einfach nur Gott“. Ja, das tut es und Christen, die arabisch sprechen, nennen Gott ebenfalls Allah. Der gleiche Gott ist es deshalb aber noch lange nicht, höchstens derselbe.

Nein, auch dieser Einwand wird jetzt nicht den AfD-Einschlag nehmen. Sondern den theologischen. Wer schon klug genug ist, darauf hinzuweisen, dass Allah und Gott eine gemeinsame Geschichte haben und eben beide der einzige Gott sind, der sollte dann mit diesen Geschichten entsprechen respektvoll umgehen. Wer dem Islam unterstellt, dass sein Gott und der Chrisliche Gott ja im Grunde genau das gleiche seien, der beweist dass er von mindestens zwei Kulturen keine Ahnung hat.

Die Attraktivität des muslimischen Gottes liegt in dessen Schlichtheit. Er ist den gläubigen ein strenger, ferner Schöpfer, der sich stets in Geheimnis hüllt. Der katholische Gott ist dafür dreifaltig, prinzipiell paradox, nah und fordernd.

Muslime müssen sich selbst bereit machen, geduldig warten und sich sehnen, in der Hoffnung dass er sich erbarmt und zu ihnen kommt.

Christen müssen sich aufmachen, ihn zu suchen, mit ihm und sich selbst ringen. Sie haben eine viel persönlichere Beziehung, denn ihr Gott war selbst einmal Mensch.

Im Islam hingegen stellt Gottesfurcht ein viel zentraleres Element dar.

Ich könnte den ganze Tag so weitermachen. Der Islam ist orthopraktischer als der Katholizismus (der seinerseits orthopraktischer ist, als das reformierte Christentum), der Islam hat eine andere semiotische Ideologie (Achtung! Fachwort, hat nichts mit Politik zu tun) als der Katholizismus.

Und das ist auch nur das, was sich allgemein über Tendenzen im Islam sagen lässt – die gigantische geographische Ausbreitung beider Religionen macht es noch viel, viel schwerer, Aussagen darüber zu treffen, ob Allah und Gott jetzt gleich sind. Denn Allah und Allah sind schon nicht immer so richtig gleich.

Der Blick in Länder, in denen Christen und Muslime schon länger koexistieren, beispielsweise Tansania, zeigt, dass es überhaupt nicht nötig ist sich gegenseitig zu versichern, dass ja letztlich „alles eins“ ist. Toleranz bedeutet nicht, dass ich mir einbilde, der Andere ist genau wie ich, deshalb mag ich ihn. Toleranz bedeutet, zu versuchen zu verstehen, wie anders der andere ist und ihn in dieser Andersartigkeit schätzen zu lernen. Voneinander lernen und miteinander zu diskutieren sollte das Ziel sein, nicht zusammen in eine Smartphone-Kamera zu grinsen, um ein paar Bilder mehr zu produzieren, vor denen Sozialpädagoginnen mit schwimmenden Augen sitzen.

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Eingeordnet unter Kritik zu katholischen Themen, Religion und Politik

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