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Männer, die beim Fußball nerven

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Kaum steigt ein größeres Fußballereignis, schon kräht er von allen Dächern: der Salon-Sexismus. Sei es das rituelle „HAHAH FRAUEN BEIM FUßBALL JETZT HABT DOCH MAL HUMOR MÄDELS“ oder die Kritiker von Claudia Neumann die „ganz neutral betrachten“ und „jetzt unabhängig davon, dass sie eine Frau ist“ an allem was sie tut etwas auszusetzen haben. Da sind mir die „FRAUEN RAUS VON FUSSBAL IS MÄNNERSACKE“-Typen schon fast lieber. Die geben wenigstens offen zu, dass sie Würstchen sind.

Aber liebe Männer, im Gegensatz zu uns Frauen habt ihr schließlich Humor und müsst Euch nicht über die harmlosen, klischeehaften Witze aufregen, die wir über Euch machen. Und Anlass gibt es da genug. Wisst Ihr eigentlich, wie unerträglich es ist, mit Euch Fußball zu gucken? Eine Typologie der fünf Männer, mit denen keiner Fußball gucken will. Nicht mal Männer.

  1. Der ehrenamtliche Co-Trainer

Dieses Exemplar, das vor maskuliner Fußballerfahrung nur so strotzt, hat den größten… äh, die größte Ahnung von allen.

Bundestrainer copy

 

„Özil raus“. Die Schlachtrufe des Co-Traines sind selten als solche zu erkennen.

 

Er kennt die Spieler besser als Jogi persönlich und ereifert sich das gesamte Spiel über die diversen Fehlbesetzungen – inklusive des Bundestrainers selbst. Das Ganze hat nicht so dringend etwas mit einer angeregten Diskussion zu tun, denn dafür müsste ihm ja jemand antworten. Tut aber keiner, weil die anderen eigentlich nur das Spiel gucken wollen. Das Schweigen nimmt er konsequent als Zustimmung beziehungsweise als Zugeständnis derer, die selber keine Ahnung haben, wahr.

Wenn er zusieht, dann gewinnt sowieso keiner – er selbst nicht, denn nach einem gewonnenen Spiel muss er heraus-analysieren, wieso seine Mannschaft falsch gesiegt hat, und auch die Anderen nicht, die sich nur mit viel Mühe zurückhalten konnten, ihn nicht zu lynchen.

 Quizzmaster

2. Der Quizmaster

Dieser Typ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fankultur des Fußballs rein zu halten und zwar von allen Personen, die keine so harten Fans sind, wie er. Sein Profiling ist klar: Vor allem Frauen stehen unter dem Verdacht, „Erfolgs-“, „Saison-“ oder „Mitläuferfans“ zu sein. Um dies zu überprüfen gibt es nur einen Weg: Quiz. Also stellt er an anwesende weibliche Wesen, die sich seiner Meinung nach zu gewagt (also überhaupt) über den Spielverlauf geäußert haben, diverse Fragen, mit denen sie ihr Fußballwissen unter Beweis stellen können. Sollen. Müssen. Als wäre das nicht schon entwürdigend genug, kann er damit natürlich selbst dann nicht aufhören, wenn die ins Auge gefasste Frau einfachere Fragen beantworten kann, z.B., was die 3-Punkte-Regel, Abseits oder Handspiel ist und wann ein Elfmeter gegeben wird. Das würde ja eigentlich schon ausreichen, um ein Fußballspiel zu verfolgen, aber jetzt kann auch nicht mehr aufgegeben werden. Er stellt lieber immer absurdere Fragen („Wenn Du so schlau bist, dann weißt Du sicher auch, wer zweiter Torhüter war, als 1980 die DDR olympisches Silber gewonnen hat.“), um dann bei Nichtbeantwortung mit einem lauten „HA!“, erleichtert in sein bestätigtes Weltbild zurückzusinken. Anwesende männliche Saisonfans halten natürlich betreten die Klappe und sind froh, dass sie nicht ausgefragt werden.

Mit diesen Mitteln schafft es der Quizmaster, das Spiel für alle Anwesenden zu einer unangenehmen Situation zu machen. Und das ist bei Fußball schließlich das allerwichtigste.

3. Der Scheiß-egal-ich-bin-dabei-Typ

Proll

 

„Helene sieh dein Hösschen ausss, Schaalal ala!“ Seine Freunde schätzen ihn für seinen Charme und Witz.

 

Dieser Typ steht mit 1,4 Promille daneben, während der Quizmaster seine Fragen stellt und versucht mit Sabber am Kinn die Situation zu entspannen: „Lassdochmalseeeeein, Mädschen. Du paggstes einfach nisch!“

Er selbst hat natürlich ebenfalls höchst marginales Fußballwissen, weil für ihn Fußball eine soziale Situation ist und keine Sportart, die er ernsthaft verfolgt. Seit er zwölf ist, zieht er bei der Fußballliebe seiner Buddies mit, weil es da Freibier und Kollegialität gibt. Er ist meistens ein reichlich simpler Geist, den Frauen bei Fußballveranstaltungen eher deshalb stören, weil er denkt, dass sie ihn für sein rüpelhaftes Gehabe heimlich verurteilen. Die Essenz eines Fußballspiels ist es für ihn, sich zuzulöten, bis er nicht mehr stehen kann und kein schlechtes Gewissen mehr hat, Fangesänge widerwärtigsten Inhalts von sich zu geben („FC Bayern Judenclub“ oder ähnliches) oder mit der Begeisterung eines Vierjährigen gegen alles zu bieseln, das sich nicht schnell genug wegbewegt. Wenn er damit fertig ist, kriecht er um 3 Uhr morgens mit einer Ordnungsstrafe, Erbrochenem und Urin bedeckt zu seiner Freundin unter die Bettdecke, über die er sich beim Frühstück lustig macht, weil sie gestern Abend bei einem Dirty Martini mit ihren Kolleginnen einen Grey’s-Anatomy-Marathon gemacht hat. Das ist nämlich echt lächerlich im Vergleich zu seiner würdevollen Tagesgestaltung.

4. Der rassistische Generalisierer

Eine Fußball-EM oder -WM bietet reichlich Gelegenheit, seine gesammelten Klischees am

Nationalist

 

„Schigt die Neeeega surügg in den Busch“. Dass man die eigene Mannschaft anfeuern kann, ohne die andere rassistisch zu beleidigen ist eine meiner vielen Falschannahmen zum Thema Fußball.

 

lebenden Objekt auszuprobieren. Dabei gibt es die ein oder andere Idee, derer wir uns alle irgendwie schuldig machen, die aber auch tatsächlich etwas mit den Spielkulturen in den jeweiligen Ländern zu tun hat (z.B. dass südeuropäische Mannschaften Schwalben für ein vollkommen legitimes technisches Element halten). Das gehört ja auch irgendwie dazu und ist, so lange es auf der Ebene des Fußballs bleibt, eher unterhaltsam. Man schenkt sich in der Regel dabei auch nichts. Problematisch wird es dann, wenn jemand der Meinung ist, er müsse aus der Spielweise der gegnerischen Mannschaft deren Volksseele extrapolieren und alle anderen mit einem Vortrag hierüber erfreuen.

Ist der Schiedsrichter ein Grieche, kriegen wir erzählt, dass sie ihm an der Akropolis seinen Selfie-Stick geklaut haben und die Griechen alle hinterhältige Betrüger sind. Besteht die französische Mannschaft hauptsächlich aus dunkelhäutigen Spieler, erfolgt ein Vortrag darüber, dass das unfair sei, dass die Mannschaft bei der EM antritt, weil der Neger an sich ja schneller laufe als der Weiße und dass angesichts dieser Ausländerquote die Anschläge von Paris keine Überraschung seien. Natürlich gibt es auch Frauen mit solchen Meinungen, nur trauen sich die meisten Frauen aus gutem Grund eher selten, ganze 90 Minuten Spiel durchzulabern. Würde ich gerne mit wildfremden Primitivlingen über Politik reden, dann ginge ich zu Public Viewing von Anne Will. Aber die gibt es komischerweise nicht.

5. Der Sozialanalyst

Der Sozialanalyst lässt zu jedem Moment durchblicken, dass

Sozialkritiker

 

„Es ist schon echt schade, dass eine Sportart mit derart homoerotischen Anklängen immernoch so homophob ist.“ Der Sozialanalyst weiß, wie man sich amüsiert.

 

er diese ganze Fußballgeschichte mit einer gewissen ironischen Distanz mitmacht. Er vertritt einen post-maskulinen, post-nationalistischen und dem Wettbewerbsgedanken gegenüber kritischen Standpunkt. Für ihn ist Fußball ein faszinierendes soziales Phänomen, dem er nur beiwohnt, weil er die Gesellschaft beobachten möchte, von dem er aber weiß, dass es Rassismus, Sexismus und Ableismus fördert und dessen Kollektivitätsgedanke ihn total abstößt.

Er sitzt mit einer nicht-alkoholischen aktuellen Trendbrause an der Wand und versucht verzweifelt, die Begeisterung des nicht-postkolonialistischen Achtjährigen, der sich irgendwo tief in ihm drin über den Einzug ins Halbfinale freut, zu unterdrücken. In der Halbzeit möchte er Leute in ein Gespräch darüber verwickeln, wie schade es ist, dass im Fußball alles mit Kriegsmetaphern ausgedrückt werden muss und wie sehr in die ganze Kommerzialisierung des Fußballbetriebs ankotzt. Anwesenden Frauen wirft er gerne mitleidig-verständnisvolle Blicke zu. Seine Solidaritätsbekundungen lassen dabei mehr als nur durchblicken, dass auch er sie immer noch als Fremdkörper wahrnimmt. Seiner Meinung nach sollten sie diesen sexistischen Betrieb eigentlich boykottieren und lieber den Frauenfußball unterstützen. Da stören sie ihn nämlich auch nicht damit, dass ihnen seine sozialkritische Perspektive scheißegal ist.

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Wie mach ich eigentlich…?

Wenn man mit verschiedenen Religionen auf so engem Raum lebt, dann steht man schon mal vor neuartigen Problemen: wie man an Pessach trotzdem noch richtig essen kann, zum Beispiel.

Hier ein Rezept, das bayerische Esskultur bietet und trotzdem koscher Lepesach (koscher für Pessach) ist.

An Pessach verzichten Juden zum Gedenken an die Rettung aus der Ägyptischen Sklaverei auf jedwedes Getreideprodukt das gesäuert werden kann. Das aschkenasische Judentum (das auch das in Deutschland traditionelle Judentum ist) verzichtet zudem auf alles, was für Getreide gehalten werden könnte oder sich unbemerkt mit Getreide vermischen kann, also Hülsenfrüchte und vieles Andere, das nach Samen aussieht (Fenchelsamen, Senfsamen, Mohn, etc.).

Die einzigen erlaubten Kohlenhydrate sind also Kartoffeln und natürlich Matzen, die vollkommen zurecht unter der Bezeichnung „Brot des Elends“ kursieren.

Die im Rezept verwendeten Süßkartoffeln können auch durch normale Kartoffeln ersetzt werden. Süßkartoffeln kommen nur zum Einsatz, weil ich sie letzte Woche im Sonderangebot bekommen habe.

Zudem gibt es drei Versionen des Rezepts. Wenn man, wie mein Freund von einer Person mit fixen kulinarischen Vorstellungen wie mir abhängig ist und daher Milch und Fleisch nicht trennt, kann das Rezept so nutzen, wie es dasteht. Ansonsten bietet sich eine milchige Variante an, bei der das Sauerkraut nicht geschmalzen wird oder aber eine fleischige, bei der die Schupfnudeln in Gänseschmalz ausgebacken werden.

Zu guter Letzt kann man das Ganze auch einfach mit normalem Mehl machen. Aber das nur am Rande

Süßkartoffel-Schupfnudeln mit Sauerkraut

Zutaten

(für 2 Personen)

  • ca. 500g Süßkartoffeln (zwei mittelgroße)
  • 4 Platten Matzen (ca. 140g)
  • 1 Beutel Wein-Sauerkraut (500g; ich benutze das von Aldi-Süd)
  • 1 Eigelb
  • etwas Muskatnuss
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2-3 Wacholderbeeren
  • 2 Nelken
  • 1 TL Gänseschmalz
  • reichlich Butterschmalz

Zeit: 1 Stunde Garzeit für die Kartoffeln + ca. 45 Minuten Zeit für die Zubereitung

Anleitung:

  • Backofen auf 160° vorheizen; Süßkartoffeln auf einem Gitterrost eine Stunde lang backen
  • in der Zwischenzeit den Beutel mit dem Sauerkraut aufschneiden, das Sauerkraut in einen Topf geben. Im selben Beutel die gleiche Menge Wasser abmessen und dazu geben.
    Wacholderbeeren, Lorbeer, Nelken und den Löffel Gänseschmalz zugeben. Gut salzen und bei gelegentlichem Umrühren köcheln lassen (20-45 Minuten)
  • Matzen im Mixer zu Mehl zerbröseln (oder gleich 140g Matzenmehl)
  • Kartoffeln aus dem Ofen nehmen und kurz abkühlen lassen. Schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken.
  • Mit dem Matzenmehl, Muskatnuss, reichlich Salz (Süßkartoffeln sind… süß) und dem Eigelb zu einem festen Teig verkneten.
  • Finger immer wieder anfeuchten und zu Kartoffelteig zu Schupfnudeln rollen.

 

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An dieser Stelle sei erwähnt, dass das der erste Versuch ist, bei dem ein von mir selbst gemachter Kartoffelteig nicht der menschlichen Eitelkeit spottet.

  • 10 Minuten in Wasser kurz unter dem Siedepunkt ziehen lassen. (nicht kochen, so wie mir das passiert ist…)
  • Abseihen und in heißem Butterschmalz (reichlich!) ausbacken
  • Mit dem heißen (nach Wilhelm Busch’scher Erkenntnis nach dem Aufwärmen besonders gutem) Sauerkraut servieren.

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    Abgelenkt von meinen neuen gefiederten Hausgenossen habe ich die Schupfnudeln leider kochen lassen. Deshalb bestehen sie jetzt zur Hälft aus gebratenem Kartoffelmatsch ;)

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Eingeordnet unter Über mich - über diesen Blog, Katholisch-Bayrische Esskultur

Über die Angst

Jedes Mal, wenn irgendwo in der Westlichen Welt eine Grausamkeit aus islamistischen Motiven begangen wird, dann kriechen sie aus ihren Löchern: die Täterversteher. Mit einem teilweise absurden Eifer versuchen sie uns zu erklären, dass die Täter keine Täter sind, weil sie zu einer Opfergruppe gehören, nämlich den Muslimen.
Währenddessen steigt bei den konkreten Opfern die Panik und Hilflosigkeit.
Darüber, wie es ist, eine aufgeklärte, postkolonialistisch-dekonstruktivistisch erzogene junge Frau zu sein.

Ich sitze gemütlich in der Ubahn in Milbertshofen, einem Viertel das in der Skala zwischen Neuperlach und Grünwald eher Richtung Neuperlach tendiert. Ich bin in diesem Viertel aufgewachsen. Im Gegensatz zu meinen späteren Klassenkameraden auf dem Gymnasium, die in Schwabing auf bilinguale Waldorfgrundschulen gegangen sind, wo es die Aische und den Mehmet nur in Deutschtexten über Toleranz gab, habe ich mit Aische und Mehmet auf dem Pausenhof „Sailor Moon“ gespielt. Ich fühle mich also in diesem Viertel daheim, ich fahre in dieser Ubahn nicht bereits mit vor Panik weißen Fingerknöcheln in meine Handtasche gekrallt.

Ein junger Mann setzt sich neben mich, er ist schwarz, ganz gut angezogen. „Gehst Du Gymnasium?“, fragt er. „Nein, ich geh auf die Uni.“, antworte ich. Ich lächle. „You beautiful“, sagt er plötzlich. „Danke“, antworte ich. „Can I have your phone number?“ „Sorry, I don’t hand out my number to strangers“, sage ich. Das geht mir zu schnell. „Facebook then?“ „I don’t have facebook“, lüge ich nervös. Ich habe keine Lust auf diese ganze Geschichte, ich möchte nicht in der Ubahn so plump angegraben werden und er sitzt viel zu nah auf mir drauf.
Ich frage mich, ob ich auf ihn nur so reagiere, weil ich seine Erscheinung als fremd wahrnehme. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen.
Er schweigt und bleibt sitzen. Ich versuche mich zu beruhigen. Seit in der Nähe unseres Hauses eine Beratungsstelle für Einwanderer aus Schwarzafrika eingerichtet wurde, habe ich öfter mit Afrikanern in der Ubahn geplaudert. In anderen Kulturen wird in den Öffentlichen mit Fremden einfach drauflos geschwatzt. Es muss für sie frustrierend sein, dass viele Deutsche darauf so ablehnend reagieren, weil sie in den Öffentlichen ihre Ruhe haben wollen.

Er meint es vermutlich nicht so.

Trotzdem rast mein Herz. Ich steige aus, er steigt auch aus, wir gehen schweigend nebeneinander her zur Bushaltestelle. Ich werde immer panischer, weil er mir hinterherläuft und mich die ganze Zeit anstarrt. Jedes mal, wenn ich gucke, ob er noch guckt, fängt er meinen Blick auf und blickt mich irgendwie verletzt und trotzdem penetrant an. Hab ich ihm weh getan? Denkt er, ich bin eine arrogante weiße Tussi, die Angst vor Schwarzen hat?
Der Bus braucht zu lange, ich gehe einfach los. Er geht auch los. Immer 3-5 Meter hinter mir. Ich traue mich nicht mehr zu gucken. Ich überlege, ob ich Passanten ansprechen soll, beschleunige meinen Schritt, er ebenso. Am Ende renne ich über die rote Ampel und springe ich in einen anderen Bus, der in die falsche Richtung fährt. Die Türen schließen sich, ich werfe ihm einen letzten Blick zu, während er einfach nur verdattert guckt. Ich sehe, wie er sich umdreht und geht.

Override

Seit diesem Tag habe ich Angst vor fremden schwarzen Männern. Es ist albern. Es ist rassistisch. Ich weiß genau, dass es nicht richtig ist. Aber jedes Mal, wenn sich einer neben mich setzt, breche ich in Angstschweiß aus, in meinen Ohren rauscht das Blut, der Fluchtinstinkt setzt ein. Meine Vernunft sagt mir: hätte ich dasselbe mit einem weißen Mann erlebt, dann hätte ich jetzt keine Angst vor weißen Männern. Aber meine Vernunft hat leider keine Angst, die Angst hat vielmehr mein ganzes System im Griff.
Dazu kommt noch die Sprachbarriere und die Kulturbarriere. Mit Deutschen, Türken, Kurden, Griechen, Bulgaren bin ich aufgewachsen. Ich weiß, wie ich ihre Annäherungsversuche einzuschätzen habe und wie ich darauf antworten kann, ohne gleich beleidigend zu sein. Außerdem kann ich sicher gehen, dass das, was ich zu ihnen sage auch richtig ankommt, weil sie meine Sprache verstehen. Hier bin ich hilflos.

Wieso glaube ich eigentlich, meine Reaktion an die Kultur meines Gegenüber anpassen zu müssen? Habe ich weniger Anspruch auf sein Verständnis, als er auf meines? Ich bin hin – und hergerissen zwischen meinen eigenen Grenzen und dem Anspruch an mich selbst, tolerant und offen zu sein.
Wenn er glaubt, es sei normal, mich so anzuquatschen und ich glaube, es sei normal, ihn dafür auf die Kirchweih zu laden, wer von uns versteht dann den anderen miss?
Verständnis für andere Kulturen war Teil meines Studiums. Trotzdem könnte ich vor Ekel einfach nur um mich schlagen, wenn mir im Untergeschoss des ZOB ein Araber ganz nahe kommt, „Hey Beautiful“ ins Ohr flüstert und, noch ehe ich darauf reagieren kann den fremden, feuchten Atem in meinem Nacken zu spüren, schon über alle Berge ist.

„Woher weißt Du, dass es ein Araber war?“, fragt die postkoloniale Stimme in meinem Kopf. Es ist mir eigentlich egal, woher er kommt. Es ist das fremdartige Verhalten, das durch die Augen meiner eigenen kulturellen Prägung aggressiv, ja sexuell übergriffig ist. Das Verhalten bekommt ein Label in Bezug auf das, was mir noch in Erinnerung ist: sein Aussehen und das war „irgendwie“ arabisch.

Die Unmöglichkeit, Werte gegeinander abzuwägen

Ich weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Männern in die Augen zu sehen war für mich immer ganz normal. In letzter Zeit werde ich immer öfter aggressiv angegraben oder sogar beleidigt, wenn ich es tue. Dabei habe ich den Eindruck, dass es mehrheitlich arabisch oder nordafrikanisch aussehende Männer sind. Ich habe den Verdacht, dass der Zuzug aus muslimischen Ländern der Grund ist. Vielleicht ist es dort üblich, dass Frauen ihren Blick senken.
Oder denke ich das nur und es liegt in Wirklichkeit daran, dass ich kein Kind mehr und dadurch für Männer interessant geworden bin? Fallen mir die negativen Reaktionen dieser Männer nur mehr auf, weil ich sie aufgrund meiner unbewussten Angst vor Fremden selektiv als bedrohlicher wahrnehme?
Eigentlich möchte ich aber niemanden anders behandeln, weil ich glaube, dass er aus einer anderen Kultur kommt. Eigentlich möchte ich niemandes Verhalten nur vor dem Hintergrund seiner Kultur sehen.

Also gucke ich weiter in die Augen und habe eben Angst. Schließlich bin ich Feministin, ich habe das Recht, Männern in die Augen zu gucken, ohne, dass sie gleich auf mich losgehen, egal ob Muslim oder nicht.

Es ist auch dieser Feminismus, der mir sagt, dass ich nicht Schuld bin daran, dass sie es tun. Ich war nicht zu auffordernd, zu aufreizend, zu selbstbewusst. Wo kämen wir denn dahin, wenn ich dem nachgäbe?!

Ich habe Angst, dass ich mich irgendwann mal selbst verteidigen müssen werde. Ich möchte gerne ohne Angst leben.

Wenn die eigene Würde an zweite Stelle tritt

Die Vorfälle in Köln haben meine Ängste nur noch verschlimmert und meine Gewissensbisse auch.

Es gibt genügend „Biodeutsche“, die Frauen angrapschen und aggressiv anmachen. Das ist auch mir schon passiert. Meistens reagiere ich darauf deutlich ablehnend und komme dann, nervös aber auch nicht panisch, irgendwie aus der Situation heraus.

An der Ubahnstation in Laim sitzen den ganzen Tag Männer mittleren Alters mit olivbrauner Haut und schwarzen Haaren herum. Wenn ich an ihnen vorbeigehe, höre ich, wie sie unter dem Atem „sexy“ und „beautiful“ raunen. Nach dem dritten oder vierten Mal innerhalb von zwei Wochen sehe ich sie an, hänge die Zunge heraus und mache Würgegeräusche. „Schlampe“, sagt einer und spuckt aus.

Wieso habe ich Angst, jemanden zu beleidigen, der mich „Schlampe“ nennt? Weil ich denke, ich hätte falsch auf sie reagiert und es sei nur ein unschuldiges Kompliment gewesen und kein sexistischer Übergriff. Meine kulturelle Sensibilität bringt mich dazu, als Schlampe bezeichnet zu werden als adäquate Reaktion dieser Männer zu akzeptieren.

Die Situation ist ein Schachmatt. Würde ich offensichtliche Neu-Migranten behandeln, wie alle anderen, dann müsste ich ihnen jetzt den Marsch blasen. In diesem Fall wäre die nicht-diskriminierende Variante eigentlich, mit Angriff zu reagieren. Aber das kann und will ich nicht, einerseits, weil ich zu viel Angst habe, dass sie auf mich losgehen, andererseits, weil ich auch nicht als rassistisch oder diskriminierend erscheinen möchte. Für Außenstehende ist ja nicht ersichtlich, wieso ich auf die Typen losgehe.

Wie kann ich Menschen, die mich wie Dreck behandeln mitteilen, dass ich sie zwar als Menschen gleichwertig behandeln möchte, aber ihnen zugleich die Grenzen aufzeigen, wenn es darum geht, wie sie mich als Frau behandeln?

Noch dazu, wenn sie in vielen Fällen viel zu schlecht Deutsch sprechen, um zu verstehen, was ich ihnen sagen möchte. Am Ende kommt womöglich nur an, dass die deutschen Frauen Furien sind, die alle muslimischen Männer hassen.

Ich tue, als hätte ich es nicht gesehen. Sie wissen aber, dass ich es gesehen habe und nehmen es vermutlich als Sieg auf: sie dürfen das.

Haben wir kein Recht auf Solidarität und Schutz?

Wenn die Vernunft aber solche Zirkel zieht, der moralische Kompass schlingert, dann reagiert die Angst in der konkreten Situation in Zehntelsekunden und macht einfach, was ihr richtig erscheint.

Angst sortiert die Umgebung in ein intellektuell so gut wie unzugängliches Raster, Angst ist somit im Zweifelsfall auch fremdenfeindlich, weil sie schnell oberflächliche Reize aufnimmt und besonders auf das Unvertraute mit Alarmbereitschaft reagiert.

Frauen, die eine Hand in ihrem Schritt, eine auf ihrem Busen und eine an ihrem Hintern haben, während man ihnen den Geldbeutel und das Handy klaut, zu sagen, ihre in der Angst getroffene Einschätzung sei diskriminierend, ist daher einfach nur unmenschlich.

Nicht nur Frauen, auch Homosexuelle und Juden müssen Angst haben und haben diese auf der Basis ihrer bisher gemachten Erfahrungen. Darunter viele Menschen wie ich, die eine Ausbildung in postkolonialen Studien genossen haben, die in einer kulturell diversen Atmosphäre aufgewachsen sind und sich in ständiger Selbstreflexivität überwachen, die eigentlich nur das Richtige tun wollen, haben diese Angst.

Wenn über die Hälfte der Bevölkerung eigentlich Angst haben muss, aber sich oft aus politischen Gründen nicht trauen mag, diese Angst zu formulieren, wenn es jedes Mal einen Shitstorm gibt, wenn jemand sagt, er habe Angst vor einer Personengruppe, deren Mitglieder sich ihm gegenüber mehrfach bedrohlich oder gewalttätig verhalten haben, dann ist es an der Zeit, zumindest diese Angst als politische Realität wahrzunehmen, wenn auch nicht als Argument. Als Realität, die sich nicht nur in den intellektuell düsteren Schädelhöhlen Rechtsradikaler aufhält, sondern die auch gebildete, offene, bemühte Menschen befällt, dieselben Menschen, die vor ein paar Monaten mit Wasser und Plüschtieren an Bahnsteigen gewartet haben.

Diese Angst benötigt einen Kanal, der sie in eine konstruktive Energie umwandelt, bevor sie sich mehrheitlich in das Wählen der AfD ergießen kann. Doch dafür müsste sie erst Mal ernst genommen, statt mit noch mehr schlechtem Gewissen beladen zu werden.

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Einige Gedanken zum Barbaratag

Heute ist der Namenstag einer der prägendsten Frauen meines Lebens, nämlich meiner Mutter. Und weil nicht nur sie, sondern auch ihre Namenspatronin eine Frau von Schrot und Korn ist, ist dieser Post vor allem einem gewidmet: Frauen.

Wer sich ein bisschen mit Heiligenlegenden auskennt, der weiß, dass an der Überlieferung über die Heilige Barbara nur sehr wenig Charakteristisches ist: Die Geschichten von der Jungfrauenfolter, die alle ein wenig dem Schema „A“ (A wie Agnes) folgen, sind auf die Dauer dann doch alle gleich.
Die Standhaftigkeit, mit der die Märtyrerinnen dieser Erzählungen Folter hinnehmen ist, obwohl neben Personen wie der heiligen Christina von Alexandrien Ozzy Osbourne wirkt wie ein Atheistenknäblein (Ministranten sind ja derlei gewohnt), nicht die Stärke auf die ich hinaus will.

Nein, die heilige Barbara ist zwar ebenso ein Dickkopf wie ihre Kolleginnen Dorothea und Katharina, aber sie ist noch etwas anderes: subtil.Sich ein aufwendiges Badezimmer einrichten lassen oder ein drittes Fenster machen lassen, das wird ja wohl nicht verboten sein? Kommen solche Handlungen nicht von ihr, dann sind sie vollkommen unschuldig; ihren Vater muss es rasend machen, dass sie jede kleine Freiheit die er ihr lässt nutzt, um ihm auf die Nase zu binden, dass sie immer noch machen kann, was sie möchte. Auch ist dieses Handeln auf Außenwirkung bedacht: selbst den wenig zimperlichen Mitbürgern in der Spätantike musste es als Überreaktion erschienen sein, die Tochter wegen ihrer innenarchitektonischen Maßnahmen halb tot zu schlagen. Seine oberflächlich betrachtete Unverhältnismäßigkeit fällt also gesellschaftlich auf ihn zurück. Es sind diese subtilen Provokationen, die bis heute noch eine spezifisch weibliche Technik darstellen, um sich gegen die Unterdrückung von Männern zu wenden. Ein Beispiel dafür ist die „Kopftuchmode“. Einerseits schreien die Outfits: „Was heißt hier Haram? Bin ich etwa nicht ganz bedeckt? Was kann ich denn dafür, wenn ich dabei modisch ausseh?“, in die Richtung des männlichen westlichen Betrachters schreien sie aber auch: „Was heißt hier prüde? Ich seh‘ tausendmal besser aus, als die halbnackte Jagdtrophäe, die da an Deinem Arm baumelt.“

Aus anderen Legenden erfahren wir auch ein weiteres, entscheidendes Charakteristikum: Barbara war gebildet.
Wie übrigens die meisten höher gestellten Frauen, bis die Renaissance (ja, sie haben richtig gelesen), mit der Erfindung der Universitäten die Frauenbildung erst einmal ad acta legte.
Denn Barbara ist, zumindest laut einer Legende, durch ihre eigene Verstandesleistung dazu gekommen, vom Glauben ihrer Eltern abzufallen (sie ist quasi die Schutzpatronin der Atheisten ;) ), wandte sich in einem Brief an Origines und fand dann zum christlichen Glauben.
Von Malala bis Marie Curie ist eine der wichtigsten Botschaften Barbaras an die Welt da draußen: Frauenbildung ist Frauenrecht.

Und meine Mutter? Nun, meine Mutter ist ein gutes Beispiel dafür. Sie stammte mit Sicherheit nicht aus dem, was der Linke mit einem Ekelschauder auf dem Rücken als „Akademikerhaushalt“ bezeichnen würde. Mein Großvater ist zwar ein fürsorglicher, aber auch einfacher Mann und meine Großmutter hätte zwar eine Universitätsausbildung schaffen können, aber dafür war ihr Umfeld einfach noch nicht bereit.
Meine Mutter besuchte zwar ein Gymnasium, lernte Latein und legte ein beachtliches Abitur vor, vor dem Universitätsstudium schraken aber auch meine Großeltern zurück. Sie machte daher Karriere bei einer Bank. Sie schaffte einen Aufstieg und das ohne Steigbügel und trotz vieler Hindernisse, auch Hindernisse, die mit ihrem Frau-Sein zusammenhingen.
Meine Mutter repariert Spülmaschinen und wechselt Reifen, kontrolliert die Finanzen der Familie und fällt Bäume. Ohne ein Wort oder auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie eine Frau ist. Meine Mutter ist meine Protofeministin.

Wir vergessen allzu leicht, dass es noch vor gar nicht so langer Zeit überhaupt nicht selbstverständlich für Frauen in Europa war, so viel Freiheit zu genießen, dass außerhalb des „Westens“ noch kaum eine Frau diese Freiheiten genießt und dass auch wir Frauen hier oft Dinge erdulden müssen, die uns unsere Unfreiheit vor Augen führen.

Das Martyrium der Heiligen Barbara, aber auch Geschichten anderer Märtyrerinnen könnten ein Anlass sein, sich darauf zu besinnen, dass Schicksale wie ihres nur dann möglich sind, wenn Frauen nicht als Partner und Mitbürger betrachtet werden, sondern als Besitz. Nicht, weil Männer nicht zu Märtyrern wurden, sondern weil die Märtyrergeschichten von Frauen eine spezifisch weibliche Tragik enthalten: das Problem ist weniger ihre Konversion zum Christentum an sich, sondern, dass sie sich damit dem Besitzanspruch der sie umgebenden, nicht-christlichen Männer entziehen. Als Töchter, Mütter und Ehefrauen sind sie wertlos geworden, wenn sie keine adäquaten, das heißt in diesem Fall: heidnischen Nachkommen produzieren. Dafür müssen sie nicht einmal Jungfräulichkeit gelobt haben.
Nicht zufällig werden vielen der frühen Märtyrerinnen der Erzählung nach die Brüste abgetrennt. Damit wird ihre Wertlosigkeit als Frau physisch umgesetzt.
Das Christentum, in dem diese Frauen ihr Heil und ihre Freiheit suchten, hat sie im Lauf der Geschichte viele Male arg betrogen: über eineinhalb Jahrtausende hat es gedauert, bis endlich in einigen christlichen Ländern das Leben von Frauen dem von Männern, zumindest rechtlich gleichgestellt wurde und das oft nicht mit, sondern gegen jene Personen, die sich für die Hüter des Christentums hielten.

Gerade an Weihnachten sind es die Frauen, die Mütter, die immer noch die drückende Last ihrer alten Rolle spüren. In vielen Familien sind sie es, die sich Blasen an die Finger backen und kochen, die dafür sorgen, dass Kinder und Alte unterm Christbaum versammelt werden und eine Aufmerksamkeit erhalten, die Zimmer dekorieren und Krippenspiele organisieren.
Es ist unser aller Aufgabe dafür zu sorgen, dass Weihnachten, sowohl als historisches als auch privates Ereignis nicht auf dem Rücken von Frauen stattfindet, sondern in der Mitte der Familie.

Als Schutzpatronin der Bergleute und vieler anderer verlustreicher, anstrengender und harter „Männerberufe“ auf der anderen Seite, ist Barbara nicht nur eine Mahnerin für die Rechte der Frauen sondern auch für die Leiden der Männer.
Ihr Tod ist ein Beispiel dafür, wie Männer, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Rolle immer nur Härte gegenüber allem zu zeigen haben, auch gegenüber sich selbst, letztlich von allem entfremdet werden was ihnen lieb ist.
Der Vater, der das Schwert gegen die eigene Tochter erhebt, weil er glaubt, dass er muss, erhebt das Schwert gegen sich selbst. Barbara ist nicht das einzige Opfer ihrer Geschichte: auch, wenn wir freilich mit dem Kindsmörder wenig Solidarität empfinden können, sollte uns sein Tod erschrecken.
Barbara breitet ihre Arme aus, damit sich die emotional Stummen, die von Leid umgeben sind für das ihnen die Gesellschaft keine Worte erlaubt, an ihrer Brust ausweinen dürfen. Barbara, aber auch viele anderer Märtyrerinnen stehen für die Hoffnung, dass Liebe und vor allem eine sture, unnachgiebige, bedingungslose Liebe und Glauben letztlich Hass, Engstirnigkeit und blinde Traditionsgebundenheit überwinden können.

Wenn also dürre Zweige auf dem Fensterbrett erblühen können, dann könne Glaube, Liebe und Hoffnung uns auch in eine Gesellschaft führen, in der Schicksale wie das Barbaras und ihres Vaters nicht mehr vorstellbar sind.

Wir sind auf einem guten Weg.

 

PS: ich weiß, dass Barbara keine historische Figur war. Es geht mir rein um das, was auf der erzählerischen Ebene abläuft.

 

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Fronleichnam und Gardinenpredigerin bei Twitter

Wie so ziemlich jeder gehfähige Katholik in München war ich auch dieses Jahr wieder auf der Fronleichnamsprozession – allerdings musste ich wegen der brütenden Hitze bedingt durch einen Kreislaufzusammenbruch bereits an der Ludwigskirche auswitschen und nach Hause fahren.

Jedes Jahr wieder befürchte ich, dass das mit der Prozession eines Tages ein Unglück gibt, Kardinal Reinhard Marx erwähnte in der Predigt ja selbst die durch den G7-Gipfel bedingten Sicherheitsprobleme in München, die anscheinend die Frage aufkommen ließen, ob die Prozession überhaupt gesichert werden könne. Mein Kommentar dazu war: geht’s noch? Wie kann es eigentlich sein, dass WIR uns so sehr fürchten müssen, weil da draußen ein paar Idioten glauben, mit Steineschmeißen unser Wirtschaftssystem verändern zu können?

Wie dem auch sei, wir hatten dieses Jahr tatsächlich eine Gegendemo, die sich genauso ad absurdum führte, wie sich Gegendemos meistens ad absurdum führen: ein krasses Missverhältnis bei der Teilnehmerzahl. Sich angesichts einer Masse von 10.000 Teilnehmern mit 12 Hanseln hinzustellen un darüber zu protestieren, dass ich keiner mehr mit der Kirche identifizieren könne und die Verehrung des Leibes Christi den Gemeinden ihre Seele raube ist irgendwie höchst unfreiwillig komisch. Und das war der Teil, den ich lesen konnte, denn die Plakate waren viel zu klein geschrieben.
Wie ich später erfuhr handelte es sich um „Kirche von Unten“, ja, das sind die mit den Priesterinnen und mit den Stacheln, die das äußerst breite Sitzfleisch der Kirche höchstens entfernt jucken.Jedenfalls empfehle ich ihnen, sich das nächste Mal zu den vier Bahnen Tonpapier auch noch einen breiteren Marker zu leisten und bei ihrer schweigenden Mahnwache vielleicht nicht auszusehen, als wollten sie gerade aus aktuellem Anlass nach Stuttgart trampen.

Aber, um dem ganzen nicht mehr Aufmerksamkeit zu geben, als nötig, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass ich jetzt auch auf twitter zu finden bin (also das bin ich schon länger, aber bisher wollte ich nur mal schauen, wie das so läuft.). Falls Ihr Euch jetzt fragt: Predigten auf 140 Zeichen, geht das? Dann muss ich Euch enttäuschen. Ich werde über alles mögliche twittern, auch mal über christliches, katholisches und den ganzen anderen Kram, den man von mir erwartet, aber eben nicht nur darüber. Generell versuch ich aber, dabei spaßig zu sein.

Liebe Grüße, Raschelmaschine

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Christus ist auferstanden

Gestern schrieb mir ein Blogger-Kollege nach der Osternacht einen kleinen Ostergruß mit den klassischen Worten „Christus ist auferstanden“. Nach meiner Antwort meinte er, ich sei bisher die Einzige gewesen, die darauf korrekt geantwortet hätte.

Das verwunderte mich etwas, hatte unser alter Gemeindepfarrer uns den Gruß doch damals im Erstkommunionunterricht extra beigebracht.

Aber auch nach der Osternacht, die ich heute besuchte murmelte man im Anschluss ein flügellahmes „Frohe Ostern“. Das ist zwar bestimmt icht falsch, dennoch finde ich es schade. Gerade der Bekenntnischarakter des Grußes ist doch das Schöne: als wäre es die Neuigkeit des Tages wird es hinausposaunt, an diesem Freudenfest. So, wie man zur Tür hereinkommt und sagt: „Sowieso hat ihr Kind bekommen“ gibt es am Ostersonntag einfach nichts Wichtigeres zu sagen.

Vielleicht fürchten sich die Frohes-Ostern-Sager ja davor, dass sie versehentlich jemanden erwischen, der dieses Bekenntnis zur Auferstehung nicht teilt (der aber um vier Uhr morgens aufsteht, um in den Ostergottesdienst zu gehen…?!)

Das zeigt wunderbar, wie verklemmt wir immer noch mit der Globalisierung und der säkularen Welt umgehen: diese Welt erträgt definitiv ein kleines „Christus ist auferstanden“, so lange man damit nicht klingelnd von Türe zu Türe zieht. Wer meint, er müsse darauf eine patzige Antwort geben, oder sich gar beschweren, weil jemand am höchsten Feiertag seiner Religion mal nicht den Helden des interreligiösen Dialogs spielt, der sagt damit am meisten über seine eigenen Minderwertigkeitskomplexe aus. (Zumindest, so lange vom Grüßer die Regeln er Höflichkeit eingehalten werden.)

Es gibt also auf „Christus ist auferstanden“ mehrere korrekte Antworten:

„das freut mich für Dich“ (die nicht-ironische Version)

„schöne Feiertage“

sowie für jene, die dieses Bekenntnis teilen:

Er ist wahrhaft auferstanden.

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Frohe Weihnachten

Auch vor mir hat der Adventsstress leider nicht halt gemacht – deshalb gab es einen Gardinenpredigtlosen Advent (andererseits: vielleicht mal ganz erholsam für meine armen Leser ;) )

Neben den Arbeiten für die Uni, den Vorbereitungen für Weihnachten und dem gestiegenen Aufwand auf der Arbeit machte mir außerdem noch ein sich ständig aufhängender Laptop zu schaffen…

Aber: Freut Euch, denn ich habe noch einige Beiträge in der Hinterhand.

Wieso Latein als liturgische Sprache eine größere Rolle verdient hat, wieso die aktuelle Anti-Feminismushetze letztlich allen schadet und über das „Religionswissenschaftliche Moment“.

Euch also Frohe Weihnachten, schöne Feiertage und einen Guten Rutsch ins Neue JahrW

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