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Offener Brief an die Judäische Volksfront

Dem ist nicht viel hinzu zu fügen. Außer vielleicht, dass ich mich auch selbst nicht immer ganz im Griff habe.

Jobo72's Weblog

In Monty Pythons Life of Brian („Das Leben des Brian“) gibt es eine sehr lustige Situation. Verschiedene Gruppierungen und Grüppchen konkurrieren im Palästina der Zeit Jesu um die reine Lehre im Umgang mit der römischen Besatzungsmacht. Ihr gemeinsames Ziel ist die Befreiung der Heimat. Doch anstatt sich auf dieses Ziel zu konzentrieren, bekämpfen sie sich lieber gegenseitig. Als nun zwei der (noch aktiven) Gruppen zeitgleich die Frau des Statthalters Pontius Pilatus entführen wollen, geraten sie darüber in einen handfesten Urheberrechtsstreit. Nur Brian setzt die richtigen Prioritäten, zumindest, insoweit es um die Zielsetzung geht. „Wir sollten miteinander ringen!“, fleht er seine Gesinnungsgenossen an. „Das tun wir doch!“, antworten diese, während sie tatsächlich miteinander ringen – ganz konkret. Die Aktivisten der Gruppe A mit den Aktivisten der Gruppe B. Es gibt dabei nur einen Überlebenden (und auch das nur aus dramaturgischen Gründen): Brian.

Was als Persiflage auf die Zersplitterung im linken Lager…

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Frohe Weihnachten!

Allen Lesern meines Blogs wünsche ich ein Frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, Chag sameach und einen Guten Rutsch ins neue Jahr.

Ich freue mich auf ein weiteres Jahr mit Euch,

 

Eure Gardinenpredigerin

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Tür 16 des Blogoezese-Adventskalenders: Tokyo Godfathers – Ein Weihnachtsfilm von unerwarteter Seite

ak16Tokyo Godfathers – wörtlich: Tokio-Taufpaten ist ein 2003 erschienener Anime-Film des vor zwei Jahren viel zu jung verstorbener Anime-Regisseurs Sashimoto Kon. Er bekommt einen Ehrenplatz in meinem Fundus weihnachtlicher oder vorweihnachtlicher Medienprodukte.

Tokyo Godfathers ist ein erwachsener Film, der mit viel Realismus die Ereignisse der Weihnachtsfeiertage im Leben dreier Obdachloser in Tokyo begleitet.

Ach Gott, schwere Kost? Mag der geneigte Leser fragen. Nein! Denn zum Glück ist es kein Deutscher Film, bei dem am Ende herauskommen muss, dass unsere Gesellschaft zutiefst verdorben ist und sie Obdachlose im Schnee sterben lässt, während sie sich dem Genuss und Glitzer der Feiertage hingibt (wer sich das bei all dem Besinnlichkeitsterror immer noch trauen mag, sei dahingestellt). Er verfällt nicht in den brutalistischen Realismus der „Kinder vom Bahnhof Zoo“ (oder „Enter the Void“, den ich mal so gar nicht empfehlen kann) oder der anderen Deutschen Hinschau-Machwerke die Authentizität erwirken wollen, indem das Wort „Ficken“ mehr Screentime erhält als die stets mit aufdringlichem Grau-Filter gefilmten BH-losen A-Körpchen der ausgemergelten Protagonistin. Er präsentiert uns nicht wie der Deutsche Elends-Tourismus-Film die Binsenweisheit, dass die ärmsten und vom Schicksal gebeutelten Menschen natürlich auch immer die besten Herzen haben, ein Genre, das ich immer als „Onkologie-Romantik“ tituliere. Der Film geht mit seinen Protagonisten, obwohl er sie komisch überzeichnet, ungemein respektvoll um. Sie sind ganze Menschen, die lügen, stehlen, sich streiten, egoistisch sind, irren und verrennen, die aber dennoch als solche immer liebenswert bleiben. Und er ist, obwohl der Macher aller Wahrscheinlichkeit nach kein Christ war, vollgestopft mit christlichen Symbolen und Ideen.

Wenn Sie also jetzt schon Lust bekommen haben, in sich anzusehen und nicht möchten, dass ich die (ich verspreche es) überraschenden und erstaunlichen Wendungen für Sie verderbe, dann sehen Sie ihn sich doch einfach gleich an (aber bitte NICHT in der Deutschen Synchro) und lesen Sie dann weiter. Oder lesen Sie gleich, wenn Sie „Spoiler“-resistent sind, wieso dieser Film in jede christliche Weihnachtsfilmkollektion gehört.

Ein schräges Krippenspiel

In der ersten Szene des Filmes sehen wir ein Krippenspiel in einer Kirche in Japan und einen Pfarrer, der darüber predigt, auch die Ausgestoßenen liebevoll anzunehmen. Das Christentum ist eine in Japan alles andere als verbreitete Religion. Im Gegenteil. Als Japan im 17. Jahrhundert in eine Phase der kulturellen Abschottung eintrat wurden die im Lande befindlichen Christen aufgespürt, Angehörige zu deren Denunziation und hingerichtet, als besonderes „Schmankerl“ oft am Kreuz. Diese religiöse Säuberung hielt bis ins 19. Jahrhundert an. In der Folge stellen Christen in Japan bis heute eine absolute Minderheit dar (ca. 6%). Es ist also kein gewöhnlicher Anblick, der uns geboten wird. Es ist ein absichtliches gesetztes, exotisches Setting. In einer sich anschließenden Armenspeisung sehen wir die drei Protagonisten des Filmes. Miyuki, eine Teenagerin, die aus ihrem als lieblos empfundenen bürgerlichen Elternhaus weggelaufen ist, Hana, eine Dragqueen, die in einem Szeneclub arbeitete und lebte, aber nach einer Auseinandersetzung mit einem Kunden von dort floh und Gin, einem Fahrradmechaniker, der sich mit Suff und Spiel hoch verschuldete und seine Familie sitzen ließ, um auf der Straße zu leben.

Diese kleine Familie, die von Hana mit Mühe und mütterlicher Fürsorge zusammengehalten wird, findet nun in einem Müllberg ein Neugeborenes. Hana, die zuvor beim Krippenspiel halb scherzend, halb von ihrem biologischen Geschlecht frustriert witzelte, ob Gott auch einem „alten Schwulen“ ein Kind schenken könne, wenn er es bei einer Jungfrau schaffe ist sofort hingerissen und nimmt es bei sich auf.

Hana tauft das kleine Mädchen spontan „Kiyoko“, was „die Reine“ bedeutet. Für sie ist Kyoko ein Engel, ein Botschafter Gottes. Und das Narrativ tut alles, um diese Annahme nach Kräften zu unterstützen. Doch davon gleich mehr.

Sicher haben Sie gemerkt, dass wir am Anfang des Filmes mit einer allegorischen Parallelisierung konfrontiert werden in der sich verschiedene christliche Bilder überlagern: Die drei Weisen aus dem Morgenland sind drei Obdachlose. Statt einer reinen Jungfrau kommt eine Frau zu einem Kind, die nicht einmal eine Frau ist und die in ihrer selbstironisch überzogenen Mütterlichkeit sich auch selbst karrikiert. Als dritte Möglichkeit erscheinen die drei aber auch als die Schäfer auf dem Felde, die von Gott zu einem Kind gerufen wurden, das ihr Leben verändern wird.

Weihnachtswunder und Wunderkinder

Kiyoko führt sie alle in einer Reihe unwahrscheinlicher Zufälle ihren ursprünglichen Verwandten und Bezugspersonen zu. Alle drei lernen, dass die Verurteilungen, die Schmach vor der sie geflohen sind, letztlich vor der Freude ihrer Verwandten über die Wiedervereinigung verfliegt. Dass die Vorstellung nicht mehr willkommen zu sein eher eine Illusion, ja eine Projektion war. Letztlich hatten sie sich für ihre eigenen Fehltritte selbst exiliert und abgestraft.

Die grundlegende Botschaft des Filmes liegt in der Erkenntnis, dass die Ankunft eines Kindes die Menschen nach deren Liebe und Hilfe es schreit eint und versöhnt. Auch jene, die sich gegeneinander versündigt haben.

„Tokyo Godfathers“ kontrastiert ein pessimistisches Bild der zeitgenössischen japanischen Gesellschaft in der zerrüttete, unglückliche Familien an der Tagesordnung sind und in dem die Menschen verzweifelt Geborgenheit in Surrogaten suchen, die letztlich nur auf Einseitigkeit oder auf Selbstbetrug basieren mit der christlichen Botschaft von einer umhüllenden, liebenden Kraft, die uns Sinn und Hoffnung schenken kann. Die uns nach Hause führt, auch dann, wenn wir glauben, dass wir dort längst nichts mehr verloren haben.

Er zeichnet die Option einer Gesellschaft, in der auch die „weggeworfenen“ Menschen ihren Platz finden werden, in der wir keineswegs gezwungen sind unsere Fehler immer und immer zu wiederholen. Für die Japanische Gesellschaft mit ihren schwindelerregend hohen Selbstmord-, besorgniserregend geringen Geburtenraten und ihrem zunehmenden Trend zur Kommodifizierung des Zwischenmenschlichen ist diese Botschaft mindestens genauso dringlich, wie für die unsrige.

Und so stolpert unser Quartett durch das kalte, kalte Tokyo, in dem, bisweilen ungesehen, ein Engel nach dem anderen ihren Weg kreuzt und Weihnachtswunder sich an Weihnachtswunder reiht. Dabei wird der Zuschauer gelegentlich auch mit der Frage konfrontiert, wieso der Mensch nicht in der Lage ist, mit dem kleinen Glück behutsamer umzugehen, wenn er es findet. So musste Miyaku von zuhause fliehen, weil sie in im Streit ihren Vater erstochen hatte. Ihr kleines Kätzchen namens „Angle“ war verschwunden und in ihrem Zorn beschuldigte sie den kalten und strengen Vater, sie ihr weggenommen zu haben – ein Irrtum, wie sich herausstellt. Als Gin seine Kyoko (seine Tochter trägt zufälligerweise denselben Namen) wieder trifft, fährt der notorische Lügner fort, ihr Märchengeschichten aufzutischen, um ihr nicht sagen zu müssen, in welchen Verhältnissen er lebt. Das Schöne und Heilige überwältigt und überfordert die Menschen. Man kann es nicht halten oder erzwingen, sondern kann sich nur bereit machen, dass es zu einem kommt und dabei das Beste aus dem machen, was man bereits hat. Der Film ruft zur Geduld und Behutsamkeit mit den Mitmenschen auf.

Von der Freiheit, zu irren und der Pflicht zu verzeihen

In dieser Hinsicht ist Tokyo Godfathers sehr japanisch: er nimmt den einzelnen für das Gelingen des Ganzen in die Pflicht. Seine Protagonisten sind nicht nur von der Gesellschaft Verstoßene – dass diese ihnen die kalte Schulter zeigt stellt der Film freilich eindrücklich und schmerzhaft klar – sondern sie selbst haben zu ihrer Situation beigetragen. Sie waren auch unbarmherzig gegen jene, die sie zurückgelassen haben und haben diese aus ihrem eigenen Stolz heraus verletzt. Diese Botschaft in ihrer Konservativität ist freilich in europäischen Medienprodukten nur selten zu finden. Dabei leistet sie etwas ganz Wichtiges, sie nimmt die drei Protagonisten in ihrer Menschlichkeit, Entscheidungsfreiheit und Fehlerhaftigkeit ernst. „I could go home anytime“, sagt Miyoko. „It’s those who say that, who never do.“, antwortet Hana. Dadurch, dass der Film in seinen Schuldzuweisungen so diffus bleibt, kann er das Thema von Sünde und Vergeltung so glaubhaft vermitteln: unsere Fehltritte sind niemals monokausal. Und deshalb teilen wir die Verantwortung für diese mit der Gesellschaft. Weder ist es die böse Gesellschaft, die sie uns aufzwingt, noch hat diese das Recht, auf gescheiterte Menschen mit dem Finger zu zeigen. Und manchmal wird einfach trotzdem alles gut.

Es ist die schroffe Aneinanderreihung von grausamem Realismus und bis zum Slapstick kitschigen Wundern, die diesen Film trotz allem so leicht und erträglich machen. Eine Ambivalenz die wiederum auf den Charakter des Weihnachtsfestes verweist, das immer ein wenig zwischen Kitsch und Ernst osziliert.

Dass Satoshi Kon auf christliche Bilder zurückgreift ist nicht nur in deren weltweit erkennbaren Kodierung begründet: Wer das Christentum, und sei es als Außenstehender, ernst nimmt muss die Weihnachtsgeschichte als Geschichte darüber auffassen, dass Gott auch der Allerkleinste nicht zu klein ist und dass wir in einer Welt voller unwahrscheinlicher Wunder leben, derer wir selbst das größte sind. Ob die Lösung denn am Ende eine wirklich Christliche sein wird – oder muss – das lässt er freilich offen. Und so wollen wir es auch halten und diesen Film einfach als Homage, als versteckte Liebeserklärung an die Träume, Werte und Ästhetiken unserer Kultur auffassen. Mit dieser hat Kon, ganz versehentlich, als Buddhist einen der christlichsten Weihnachtsfilm gemacht, den ich überhaupt kenne.

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Über Tellerränder von Feminismuskritikern

In der SZ  war vor einigen Tagen ein Artikel darüber, dass Mädchen in einigen Gegenden Indiens mit dem Namen „Nakusa“ belegt werden. Der Name bedeutet so viel wie „Die ungewollte“ und soll den betreffenden Gottheiten signalisieren, dass jetzt erstmal genug sei, mit Mädchen.
Die so benannten Mädchen  sind quasi für den Rest ihres Lebens ein dickes Plakat, auf dem „SO BITTE NICHT“ steht. Entsprechend freundlich werden sie dann auch von ihren Peers behandelt.

Die Vorstellung, dass Mädchen minderwertige Nachkommen sind, ist nicht nur in den „gruseligen“ und „exotischen“ Gegenden dieser Welt verbreitet.
Lange ist es nicht her, da wurden Väter von Mädchen in Süddeutschland als „Büchsenmacher“ vespottet. Mancher fand es vielleicht einfach nur witzig (ahahaa, Büchse. Verstehen Sie?) doch in den 90gern noch wurde mein Vater in meiner Anwesenheit gefragt, ob er nicht traurig sei, dass er keinen Sohn habe.
Eine Frage, die ich mir bis dahin niemals gestellt hatte, die mich aber getroffen hat. Mein Vater bemühte sich, der betreffenden Person zu versichern, dass es ihm vollkommen gleich sei, welches Geschlecht seine Kinder hätten.
Aber dass überhaupt jemand glaubte dass ich als Teil einer reinen Mädchen-Generation die Existenz meiner Familie besiegele blieb trotzdem bei mir hängen. Eine Schuld, mit der man sich nicht helfen kann, weil sie bei dem ansetzt, was man selbst ist, woran man nichts oder nur wenig ändern kann.
Kein Kind sollte das Gefühl haben, seine Eltern mit seinem eigenen Dasein zu verletzen.
Es gibt viele Gründe, wieso Kinder sich so fühlen müssen. Krankheit, Armut, oder vielleicht auch „nur“ dass sie die ungeplante Frucht eines lieblosen Geschlechtsverkehrs waren. Einer davon ist eben auch, das falsche Geschlecht zu haben. Keiner würde anzweifeln, dass wir arme, kranke, ungeliebte Kinder stützen und ihnen das Gefühl von Geborgenheit geben müssen.
Keiner würde den Bemühungen in diese Richtung vorwerfen, dass sie überflüssig seien oder ungerecht gegenüber gesunden, reichen oder geliebten Kindern.
Wieso ist es so schwer zuzugeben, dass Mädchen, die durch ihr Mädchen-Sein benachteiligt werden ebenso eine Unterstützung verdienen und dass das, ja, verdammt noch mal, Anliegen des Feminismus ist, aus dem er unter Anderem seine Berechtigung verdient?
Wieso muss ich mit irgendwelchen Typen im Internet darüber diskutieren, dass sie sich davon emaskuliert fühlen, dass ich meinen Namen nach der Hochzeit behalten darf, wenn in Indien Mädchen „Nakusa“ genannt werden und damit leben müssen?
Wieso werde ich mit Statistiken darüber traktiert, dass Männer sich öfter selbst umbringen, öfter im Krieg sterben und öfter ins Gefängnis kommen, wenn Millionen und Abermillionen von Mädchen nicht einmal auf die Welt kommen dürfen?
Die Antwort ist so einfach wie lächerlich: Es geht hier immernoch um Männer, deren Selbstbewusstsein sich daraus speist, sich besser fühlen zu können, als Frauen. Haarscharf haben sie erkannt, dass es heutzutage ganz gut funktioniert, sich als Opfer von irgendwas zu positionieren, wenn man Aufmerksamkeit bekommen möchte.
Also sind sie die Opfer… der Frauen… und des Feminismus.
Dabei versucht der Feminismus gelegentlich ihre Probleme mitzulösen. Oft wird beklagt, in diesen Fällen springe dann „keine Feministin“ in die Bresche. Hier einige beliebte Beispiele… und Gegenbeispiele:
„Feministinnen beschweren sich nicht, dass Frauen öfter das Sorgerecht erteilt bekommen, als Männer.“
Doch. Ich. Und Alice Schwarzer.
„Feministinnnen beschweren sich nur, dass ihnen die oberen Führungsebenen verwehrt bleiben. Die Blue-Collar-Jobs, in denen man hart körperlich arbeiten muss, wollen sie dann aber nicht für Frauen zugänglich haben.“
Doch. Ich. Und es gibt zahlreiche Förderprogramme, z.B. von Betrieben, Handwerkskammern oder der Bundesregierung. Genau. Dafür.
„Feministinnen machen immer Krach, dass sie alle Rechte eines Mannes haben wollen, aber die Wehrpflicht wollen sie nicht. Während Männer sich abschlachten lassen, können sie schön zuhause hocken.“
Ich wäre damals sofort zum Bund gegangen. Es gibt zahlreiche Projekte, die Frauen an der Waffe fördern, es gibt sogar einen Artikel auf dem ziemlich Mainstreamig-Feelgood-Portal Bento dazu. Frauen vorzuwerfen, dass sie nicht im selben Umfang in Kampfhandlungen sterben wie Männer ist besonders zynisch, wenn sie dann, wenn sie zum Militär gehen z.T. mit sexueller Gewalt und systematischen Rausekel-Versuchen konfrontiert werden.
Letztenendes aber liegt dem ganzen ein allgemeiner Denkfehler zugrunde: Wenn im Sinne des Feminismus verabschiedete Regelungen Männern schaden, dann muss das diskutiert werden. Diese Regelungen. Aber nicht der Feminismus an sich.
So lange nämlich Frauen nur leiden, weil sie als Frauen gelten, ist der Feminismus legitimiert. Alles andere ist nicht sein Thema.

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Über die seltsamen Prioritäten von Laien

Die Pfarrgemeinde bei mir um die Ecke bewirbt in ihren Schaukästen die Anti-TTIP- und -CETA-Demo im September in München und ich sehe das nicht ein.

Was hat die Vereinbarung von Investorenschutzmaßnahmen, die Abschaffung von Zöllen und die Etablierung gemeinsamer Gesundheits- und Verbraucherschutzstandards im Handel zwischen Kanada, Europa und den USA mit der Kirche zu tun?

Richtig, genau gar nichts, außer, dass die Kirche ein Tummelplatz genau jener antiamerikanischen besorgten Bürger von braun über grün bis dunkelrot, ist, die gegen dieses Abkommen sind. Fragt man sie, wieso sie das sind, dann kommen Geschichten über Chlorhendl, den erhöhten Wettbewerbsdruck auf KMUs, dass die Reichen noch reicher würden (denn, Gott behüte, einem Land kann wirklich nichts Schlimmeres passieren, als dass Leute zu Geld kommen), dass das Abkommen undemokratisch sei (weil repräsentative Demokratie anscheinend ein zu kompliziertes Konzept ist), dass die Schiedsgerichte vollkommen willkürlich Staaten verklagen würden (was sie nicht tun, obwohl es bereits massenhaft Schiedsgerichte gibt) und natürlich dass wir uns damit von den USA noch abhängiger machen würden.

Vereint im Hass auf die USA

Bei letzterem Problem liegt nun der Hund eigentlich begraben. Anti-TTIP und Anti-CETA ist nicht so erfolgreich, weil sich ein Großteil der Bevölkerung plötzlich wahnsinnig für internationalen Handel interessiert, sondern weil es gleich zwei diffus politisch aufgeladene Lager in Deutschland gibt, die einfach einen generellen Rochus auf die USA haben: die Rechten und einige Konservative sind sauer, weil die USA den Ersten und den Zweiten Weltkrieg gewonnen und danach Deutschland auch noch wieder auf die Füße gestellt haben, statt es zu vernichten, so daß man ihnen nicht mal böse sein *darf*. Außerdem mögen sie den internationalen Gestus und Erfolg der Siegermacht nicht – aus genannten Gründen und weil Multikulti, das die Amerikaner schließlich erfunden haben, für diese Kreise ohnehin ein Rotes Tuch ist.

Auf der anderen Seite gibt es das eher linke bzw. grüne Milieu, das den Amerikanern übel nimmt, den Kalten Krieg gewonnen und den Real-Sozialismus so ziemlich von der Platte geputzt zu haben. Außerdem halten sie sich nicht an die Emissionsgrenzen und betreiben weiter Gentechnik im Agrarbereich.

Das alles hat nun, wenn Sie genau aufgepasst haben, nichts mit der Kirche und ihren Werten zu tun, außer ich habe etwas verpasst und das elfte Gebot lautet: Du sollst ein Land Dir erwählen und es irrational mit ganzer Seele hassen und verachten.

Also schrieb ich eine freundliche Email an das Pfarrbüro und erhielt eine Antwort. Vom Diakon, der mir bezeichnenderweise nicht in seiner Funktion als Diakon, sondern als Mitglied von Pax Christi antwortete. Deren Inhalt: der Diözesanrat hätte diesen Aushang empfohlen. Nun schienen aber sämtliche andere Gemeinden Münchens, an denen ich im letzten Monat vorbeigekommen war, diese Empfehlung ignoriert zu haben, unter anderem die meisten Innenstadtkirchen. Vielleicht liegt es daran, dass es in diesen Gemeinden keine so eifrigen Pax-Christi-Mitglieder Diakone und somit am Drücker sind, so dass sie ihre Aktionen über die Pfarrgemeinde abwickeln können. Pax Christi steht nämlich seinerseits auch auf den Plakaten, gemeinsam mit so kirchennahen Vereinigungen wie der Linken, den Piraten und der Humanistischen Union. Aber meines Feindes Feind ist ja mein Freund. Und der Feind ist in dem Fall ein Land, in dem Katholiken unbehelligt leben und glauben können. Ich möchte fast behaupten, in Amerika macht es zur Zeit mehr Spaß, katholisch zu sein, als in Deutschland.

Ist ja nicht so als gäb’s was besseres zu tun

Zeitgleich sieht sich an einer komplett anderen Front die Kirche mit Personen in Verbindung gebracht, welche sich politisch entgegen sämtlicher Werte der Kirche äußern. Die empfehlen, Menschen an der Grenze zu erschießen, auf Inseln auszusetzen und chemisch zu kastrieren. Die aktiv alles daran setzen, unsere demokratische Regierung von innen zu zersetzen. Pegida und Konsorten laufen herum und tragen Kreuze, erklären sich zum „christlichen Abendland“, wissen nicht mal, was eine Parusie ist. Und die christlichen Laien? Die geben zwar gelegentlich anderslautende Meinungen von sich, aber im großen Stil Maßnahmen gegen die rechte Suppe zu ergreifen, das fällt ihnen nicht ein. Pegida lässt an Aschermittwoch Muezzin-Rufe durch die Innenstadt erschallen und die geballte Kraft christlicher Empörung zündet als maximale Reaktion am Gehsteig ein paar Kerzen an. Aber die Aggressivität, Masse und Lautstärke der Anti-TTIP und Anti-CETA-Demos erreichen die Wortmeldungen gegen Pegida nicht.

Die Laienvereinigungen in Deutschland haben schon interessante Prioritäten. Vielleicht liegt es ja daran, dass Anti-TTIP und Anti-CETA alle unter einem Schirm vereinigt. Denn da finden sich AfD, Pax Christi und die Grünen inhaltlich plötzlich in trauter Eintracht.

„Ja, was soll man denn da gegen Pegida auch tun?“, werden jetzt Viele fragen. Möglicherweise das, was bei den Anti-TTIP und Anti-CETA-Demos so einfach fällt: plakatieren, denn die Montags-Demos haben ja bekannte Strecken. Und weil ich mich ja nicht dem Vorwurf aussetzen möchte, ich würde stets nur unkonstruktiv herumkritteln, hätte ich auch ein paar Vorschläge für öffentlichkeitswirksame Plakate:

„Christ werden statt Islam hassen“, „Fronleichnam war hier mehr los“, „Putin rettet niemanden. Jesus rette uns vor Putin.“ und „‚Wer ist bitte diese Pegida?‘ – Jesus von Nazareth“.

Aber das wäre ja wieder provokant und cool und hat tatsächlich etwas mit der Kirche zu tun. Das geht nicht, denn es sind ja deutsche christliche Laienvereine. Da ist man mit wichtigeren Dingen beschäftigt, bei denen man sich wenigstens nur von unseren wirklich problematischen, gefährlichen und gewalttätigen Mitbürgern Kritik einfängt: von Unternehmern und Wirtschaftsliberalen.

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Einige Gedanken zum Barbaratag

Heute ist der Namenstag einer der prägendsten Frauen meines Lebens, nämlich meiner Mutter. Und weil nicht nur sie, sondern auch ihre Namenspatronin eine Frau von Schrot und Korn ist, ist dieser Post vor allem einem gewidmet: Frauen.

Wer sich ein bisschen mit Heiligenlegenden auskennt, der weiß, dass an der Überlieferung über die Heilige Barbara nur sehr wenig Charakteristisches ist: Die Geschichten von der Jungfrauenfolter, die alle ein wenig dem Schema „A“ (A wie Agnes) folgen, sind auf die Dauer dann doch alle gleich.
Die Standhaftigkeit, mit der die Märtyrerinnen dieser Erzählungen Folter hinnehmen ist, obwohl neben Personen wie der heiligen Christina von Alexandrien Ozzy Osbourne wirkt wie ein Atheistenknäblein (Ministranten sind ja derlei gewohnt), nicht die Stärke auf die ich hinaus will.

Nein, die heilige Barbara ist zwar ebenso ein Dickkopf wie ihre Kolleginnen Dorothea und Katharina, aber sie ist noch etwas anderes: subtil.Sich ein aufwendiges Badezimmer einrichten lassen oder ein drittes Fenster machen lassen, das wird ja wohl nicht verboten sein? Kommen solche Handlungen nicht von ihr, dann sind sie vollkommen unschuldig; ihren Vater muss es rasend machen, dass sie jede kleine Freiheit die er ihr lässt nutzt, um ihm auf die Nase zu binden, dass sie immer noch machen kann, was sie möchte. Auch ist dieses Handeln auf Außenwirkung bedacht: selbst den wenig zimperlichen Mitbürgern in der Spätantike musste es als Überreaktion erschienen sein, die Tochter wegen ihrer innenarchitektonischen Maßnahmen halb tot zu schlagen. Seine oberflächlich betrachtete Unverhältnismäßigkeit fällt also gesellschaftlich auf ihn zurück. Es sind diese subtilen Provokationen, die bis heute noch eine spezifisch weibliche Technik darstellen, um sich gegen die Unterdrückung von Männern zu wenden. Ein Beispiel dafür ist die „Kopftuchmode“. Einerseits schreien die Outfits: „Was heißt hier Haram? Bin ich etwa nicht ganz bedeckt? Was kann ich denn dafür, wenn ich dabei modisch ausseh?“, in die Richtung des männlichen westlichen Betrachters schreien sie aber auch: „Was heißt hier prüde? Ich seh‘ tausendmal besser aus, als die halbnackte Jagdtrophäe, die da an Deinem Arm baumelt.“

Aus anderen Legenden erfahren wir auch ein weiteres, entscheidendes Charakteristikum: Barbara war gebildet.
Wie übrigens die meisten höher gestellten Frauen, bis die Renaissance (ja, sie haben richtig gelesen), mit der Erfindung der Universitäten die Frauenbildung erst einmal ad acta legte.
Denn Barbara ist, zumindest laut einer Legende, durch ihre eigene Verstandesleistung dazu gekommen, vom Glauben ihrer Eltern abzufallen (sie ist quasi die Schutzpatronin der Atheisten ;) ), wandte sich in einem Brief an Origines und fand dann zum christlichen Glauben.
Von Malala bis Marie Curie ist eine der wichtigsten Botschaften Barbaras an die Welt da draußen: Frauenbildung ist Frauenrecht.

Und meine Mutter? Nun, meine Mutter ist ein gutes Beispiel dafür. Sie stammte mit Sicherheit nicht aus dem, was der Linke mit einem Ekelschauder auf dem Rücken als „Akademikerhaushalt“ bezeichnen würde. Mein Großvater ist zwar ein fürsorglicher, aber auch einfacher Mann und meine Großmutter hätte zwar eine Universitätsausbildung schaffen können, aber dafür war ihr Umfeld einfach noch nicht bereit.
Meine Mutter besuchte zwar ein Gymnasium, lernte Latein und legte ein beachtliches Abitur vor, vor dem Universitätsstudium schraken aber auch meine Großeltern zurück. Sie machte daher Karriere bei einer Bank. Sie schaffte einen Aufstieg und das ohne Steigbügel und trotz vieler Hindernisse, auch Hindernisse, die mit ihrem Frau-Sein zusammenhingen.
Meine Mutter repariert Spülmaschinen und wechselt Reifen, kontrolliert die Finanzen der Familie und fällt Bäume. Ohne ein Wort oder auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie eine Frau ist. Meine Mutter ist meine Protofeministin.

Wir vergessen allzu leicht, dass es noch vor gar nicht so langer Zeit überhaupt nicht selbstverständlich für Frauen in Europa war, so viel Freiheit zu genießen, dass außerhalb des „Westens“ noch kaum eine Frau diese Freiheiten genießt und dass auch wir Frauen hier oft Dinge erdulden müssen, die uns unsere Unfreiheit vor Augen führen.

Das Martyrium der Heiligen Barbara, aber auch Geschichten anderer Märtyrerinnen könnten ein Anlass sein, sich darauf zu besinnen, dass Schicksale wie ihres nur dann möglich sind, wenn Frauen nicht als Partner und Mitbürger betrachtet werden, sondern als Besitz. Nicht, weil Männer nicht zu Märtyrern wurden, sondern weil die Märtyrergeschichten von Frauen eine spezifisch weibliche Tragik enthalten: das Problem ist weniger ihre Konversion zum Christentum an sich, sondern, dass sie sich damit dem Besitzanspruch der sie umgebenden, nicht-christlichen Männer entziehen. Als Töchter, Mütter und Ehefrauen sind sie wertlos geworden, wenn sie keine adäquaten, das heißt in diesem Fall: heidnischen Nachkommen produzieren. Dafür müssen sie nicht einmal Jungfräulichkeit gelobt haben.
Nicht zufällig werden vielen der frühen Märtyrerinnen der Erzählung nach die Brüste abgetrennt. Damit wird ihre Wertlosigkeit als Frau physisch umgesetzt.
Das Christentum, in dem diese Frauen ihr Heil und ihre Freiheit suchten, hat sie im Lauf der Geschichte viele Male arg betrogen: über eineinhalb Jahrtausende hat es gedauert, bis endlich in einigen christlichen Ländern das Leben von Frauen dem von Männern, zumindest rechtlich gleichgestellt wurde und das oft nicht mit, sondern gegen jene Personen, die sich für die Hüter des Christentums hielten.

Gerade an Weihnachten sind es die Frauen, die Mütter, die immer noch die drückende Last ihrer alten Rolle spüren. In vielen Familien sind sie es, die sich Blasen an die Finger backen und kochen, die dafür sorgen, dass Kinder und Alte unterm Christbaum versammelt werden und eine Aufmerksamkeit erhalten, die Zimmer dekorieren und Krippenspiele organisieren.
Es ist unser aller Aufgabe dafür zu sorgen, dass Weihnachten, sowohl als historisches als auch privates Ereignis nicht auf dem Rücken von Frauen stattfindet, sondern in der Mitte der Familie.

Als Schutzpatronin der Bergleute und vieler anderer verlustreicher, anstrengender und harter „Männerberufe“ auf der anderen Seite, ist Barbara nicht nur eine Mahnerin für die Rechte der Frauen sondern auch für die Leiden der Männer.
Ihr Tod ist ein Beispiel dafür, wie Männer, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Rolle immer nur Härte gegenüber allem zu zeigen haben, auch gegenüber sich selbst, letztlich von allem entfremdet werden was ihnen lieb ist.
Der Vater, der das Schwert gegen die eigene Tochter erhebt, weil er glaubt, dass er muss, erhebt das Schwert gegen sich selbst. Barbara ist nicht das einzige Opfer ihrer Geschichte: auch, wenn wir freilich mit dem Kindsmörder wenig Solidarität empfinden können, sollte uns sein Tod erschrecken.
Barbara breitet ihre Arme aus, damit sich die emotional Stummen, die von Leid umgeben sind für das ihnen die Gesellschaft keine Worte erlaubt, an ihrer Brust ausweinen dürfen. Barbara, aber auch viele anderer Märtyrerinnen stehen für die Hoffnung, dass Liebe und vor allem eine sture, unnachgiebige, bedingungslose Liebe und Glauben letztlich Hass, Engstirnigkeit und blinde Traditionsgebundenheit überwinden können.

Wenn also dürre Zweige auf dem Fensterbrett erblühen können, dann könne Glaube, Liebe und Hoffnung uns auch in eine Gesellschaft führen, in der Schicksale wie das Barbaras und ihres Vaters nicht mehr vorstellbar sind.

Wir sind auf einem guten Weg.

 

PS: ich weiß, dass Barbara keine historische Figur war. Es geht mir rein um das, was auf der erzählerischen Ebene abläuft.

 

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Prinzessinnen am Fließband (2)

Offensichtlich hat WordPress die letzten Absätze meines Eintrags einfach verschluckt, daher folgen sie jetzt hier! Schön, dass es wenigstens niemandem aufgefallen zu sein scheint. :D

Statt ein ernstes Wörtchen darüber zu reden, dass eine Hochzeit der Auftakt einer Ehe ist und nicht die Ehe deren ungute Folge; statt ernsthafte Impulse dazu zu geben, was eine Ehe überhaupt ist, diskutiert die Kirche lieber über den Umgang mit Wiederverheirateten und homosexuellen Paaren, sich schämend dafür, dass es theologische Hindernisse für die Einführung einer katholischen Scheidung gibt, sich schämend für die angeblich veraltete Vorstellung von Zusammenleben, die hinter dem katholischen Ehemodell steckt. Statt sich um die Probleme derjenigen zu kümmern, die jetzt gerade heiraten, versteift man sich auf die Frage, wer wann wen heiraten dürfen wird oder vielmehr: wer das nicht tun dürfen wird. Man glaubt, es sei immernoch ein Thema, den Zugang zu beschränken und begreift nicht, dass das Konzept an sich dabei ist, obsolet zu werden.

Ich war zwar noch nie in einem der angebotenen Eheseminare der katholischen Kirche, aber vermutlich sitzen auch in diesen wenigen Angeboten, die dem leichtfertigen Geheirate um des Heiratens willen vorbeugen sollen, nur solche Leute, die sie eigentlich nicht brauchen: wer genug Reflexivität an den Tag legt, um in so einen Kurs zu gehen, der braucht ihn eigentlich nicht mehr.

Brauchen würden ihn solche Leute, die sich darüber aufregen, dass ein Pfarrer mit ihnen ein ernstes Gespräch führen möchte, bevor er sie traut. Wenn er sich weigert, sie zu verheiraten, bevor sie an ihrer Beziehung arbeiten, dann ist die Empörung groß: man schiebt es auf das Zölibat oder die veraltete Sexualmoral und geht dann halt zum Heiraten woanders hin. Der Ärger gilt dem Verlust der romantischen Kulisse und ist vergleichbar mit dem Ärger darüber, dass der Caterer keine bordeauxroten Stuhlhussen anbietet.

Noch horrender sieht es da leider in den evangelischen Kirchen aus: für das Format „Married at first sight“ des Privatsenders Sat1 fand sich doch tatsächlich ein evangelischer Pastor, der sich bereiterklärte, bei einer Sendung mitzuwirken, in der vollkommen Fremde miteinander auf Probe verheiratet werden, mit der Option sich nach einiger Zeit wieder scheiden zu lassen (ob er die Trauungen auch vornimmt ist allerdings dem Internet nicht zu entnehmen). Nun ist mir bekannt, dass evangelische Pastoren eher in einem Angestelltenverhältnis zur Kirche stehen, die keinen Einfluss auf deren Tun hat, wenn sie diese Anstellung verlassen. Dennoch würden sich Luther oder andere Reformatoren im Grabe herumdrehen.

Nur, weil die Scheidung möglich ist, gehört eine Ehe nicht auf die leichte Schulter.

Ich gebe gerne zu, dass hinter meiner Abneigung für all diesen Tand hauptsächlich eine ziemlich kitschige Idee steht: dass man keine Mottohochzeit braucht, weil das Motto einer Hochzeit „Ehe“ lautet und dass man nicht die Hochzeit heiratet, sondern die Braut, bzw. den Bräutigam und dass die Grundlage dieser ganzen Veranstaltung ein Versprechen an sich selbst, (je nach Zusammenhang: an Gott), alle Anwesenden und den Ehepartner ist.

Das ist eine schwere, schwere Entscheidung, die von der Leichtigkeit und Freude der Hochzeitsfeier umrahmt wird. Es ist die wirklich wichtige Entscheidung, im Gegensatz zu der Frage, ob man Bronzer auf den Schultern verwendet, der vielleicht die belgische Spitze am Sweetheart-Ausschnitt des A-Linienkleides einfärben wird.

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