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Tür 16 des Blogoezese-Adventskalenders: Tokyo Godfathers – Ein Weihnachtsfilm von unerwarteter Seite

ak16Tokyo Godfathers – wörtlich: Tokio-Taufpaten ist ein 2003 erschienener Anime-Film des vor zwei Jahren viel zu jung verstorbener Anime-Regisseurs Sashimoto Kon. Er bekommt einen Ehrenplatz in meinem Fundus weihnachtlicher oder vorweihnachtlicher Medienprodukte.

Tokyo Godfathers ist ein erwachsener Film, der mit viel Realismus die Ereignisse der Weihnachtsfeiertage im Leben dreier Obdachloser in Tokyo begleitet.

Ach Gott, schwere Kost? Mag der geneigte Leser fragen. Nein! Denn zum Glück ist es kein Deutscher Film, bei dem am Ende herauskommen muss, dass unsere Gesellschaft zutiefst verdorben ist und sie Obdachlose im Schnee sterben lässt, während sie sich dem Genuss und Glitzer der Feiertage hingibt (wer sich das bei all dem Besinnlichkeitsterror immer noch trauen mag, sei dahingestellt). Er verfällt nicht in den brutalistischen Realismus der „Kinder vom Bahnhof Zoo“ (oder „Enter the Void“, den ich mal so gar nicht empfehlen kann) oder der anderen Deutschen Hinschau-Machwerke die Authentizität erwirken wollen, indem das Wort „Ficken“ mehr Screentime erhält als die stets mit aufdringlichem Grau-Filter gefilmten BH-losen A-Körpchen der ausgemergelten Protagonistin. Er präsentiert uns nicht wie der Deutsche Elends-Tourismus-Film die Binsenweisheit, dass die ärmsten und vom Schicksal gebeutelten Menschen natürlich auch immer die besten Herzen haben, ein Genre, das ich immer als „Onkologie-Romantik“ tituliere. Der Film geht mit seinen Protagonisten, obwohl er sie komisch überzeichnet, ungemein respektvoll um. Sie sind ganze Menschen, die lügen, stehlen, sich streiten, egoistisch sind, irren und verrennen, die aber dennoch als solche immer liebenswert bleiben. Und er ist, obwohl der Macher aller Wahrscheinlichkeit nach kein Christ war, vollgestopft mit christlichen Symbolen und Ideen.

Wenn Sie also jetzt schon Lust bekommen haben, in sich anzusehen und nicht möchten, dass ich die (ich verspreche es) überraschenden und erstaunlichen Wendungen für Sie verderbe, dann sehen Sie ihn sich doch einfach gleich an (aber bitte NICHT in der Deutschen Synchro) und lesen Sie dann weiter. Oder lesen Sie gleich, wenn Sie „Spoiler“-resistent sind, wieso dieser Film in jede christliche Weihnachtsfilmkollektion gehört.

Ein schräges Krippenspiel

In der ersten Szene des Filmes sehen wir ein Krippenspiel in einer Kirche in Japan und einen Pfarrer, der darüber predigt, auch die Ausgestoßenen liebevoll anzunehmen. Das Christentum ist eine in Japan alles andere als verbreitete Religion. Im Gegenteil. Als Japan im 17. Jahrhundert in eine Phase der kulturellen Abschottung eintrat wurden die im Lande befindlichen Christen aufgespürt, Angehörige zu deren Denunziation und hingerichtet, als besonderes „Schmankerl“ oft am Kreuz. Diese religiöse Säuberung hielt bis ins 19. Jahrhundert an. In der Folge stellen Christen in Japan bis heute eine absolute Minderheit dar (ca. 6%). Es ist also kein gewöhnlicher Anblick, der uns geboten wird. Es ist ein absichtliches gesetztes, exotisches Setting. In einer sich anschließenden Armenspeisung sehen wir die drei Protagonisten des Filmes. Miyuki, eine Teenagerin, die aus ihrem als lieblos empfundenen bürgerlichen Elternhaus weggelaufen ist, Hana, eine Dragqueen, die in einem Szeneclub arbeitete und lebte, aber nach einer Auseinandersetzung mit einem Kunden von dort floh und Gin, einem Fahrradmechaniker, der sich mit Suff und Spiel hoch verschuldete und seine Familie sitzen ließ, um auf der Straße zu leben.

Diese kleine Familie, die von Hana mit Mühe und mütterlicher Fürsorge zusammengehalten wird, findet nun in einem Müllberg ein Neugeborenes. Hana, die zuvor beim Krippenspiel halb scherzend, halb von ihrem biologischen Geschlecht frustriert witzelte, ob Gott auch einem „alten Schwulen“ ein Kind schenken könne, wenn er es bei einer Jungfrau schaffe ist sofort hingerissen und nimmt es bei sich auf.

Hana tauft das kleine Mädchen spontan „Kiyoko“, was „die Reine“ bedeutet. Für sie ist Kyoko ein Engel, ein Botschafter Gottes. Und das Narrativ tut alles, um diese Annahme nach Kräften zu unterstützen. Doch davon gleich mehr.

Sicher haben Sie gemerkt, dass wir am Anfang des Filmes mit einer allegorischen Parallelisierung konfrontiert werden in der sich verschiedene christliche Bilder überlagern: Die drei Weisen aus dem Morgenland sind drei Obdachlose. Statt einer reinen Jungfrau kommt eine Frau zu einem Kind, die nicht einmal eine Frau ist und die in ihrer selbstironisch überzogenen Mütterlichkeit sich auch selbst karrikiert. Als dritte Möglichkeit erscheinen die drei aber auch als die Schäfer auf dem Felde, die von Gott zu einem Kind gerufen wurden, das ihr Leben verändern wird.

Weihnachtswunder und Wunderkinder

Kiyoko führt sie alle in einer Reihe unwahrscheinlicher Zufälle ihren ursprünglichen Verwandten und Bezugspersonen zu. Alle drei lernen, dass die Verurteilungen, die Schmach vor der sie geflohen sind, letztlich vor der Freude ihrer Verwandten über die Wiedervereinigung verfliegt. Dass die Vorstellung nicht mehr willkommen zu sein eher eine Illusion, ja eine Projektion war. Letztlich hatten sie sich für ihre eigenen Fehltritte selbst exiliert und abgestraft.

Die grundlegende Botschaft des Filmes liegt in der Erkenntnis, dass die Ankunft eines Kindes die Menschen nach deren Liebe und Hilfe es schreit eint und versöhnt. Auch jene, die sich gegeneinander versündigt haben.

„Tokyo Godfathers“ kontrastiert ein pessimistisches Bild der zeitgenössischen japanischen Gesellschaft in der zerrüttete, unglückliche Familien an der Tagesordnung sind und in dem die Menschen verzweifelt Geborgenheit in Surrogaten suchen, die letztlich nur auf Einseitigkeit oder auf Selbstbetrug basieren mit der christlichen Botschaft von einer umhüllenden, liebenden Kraft, die uns Sinn und Hoffnung schenken kann. Die uns nach Hause führt, auch dann, wenn wir glauben, dass wir dort längst nichts mehr verloren haben.

Er zeichnet die Option einer Gesellschaft, in der auch die „weggeworfenen“ Menschen ihren Platz finden werden, in der wir keineswegs gezwungen sind unsere Fehler immer und immer zu wiederholen. Für die Japanische Gesellschaft mit ihren schwindelerregend hohen Selbstmord-, besorgniserregend geringen Geburtenraten und ihrem zunehmenden Trend zur Kommodifizierung des Zwischenmenschlichen ist diese Botschaft mindestens genauso dringlich, wie für die unsrige.

Und so stolpert unser Quartett durch das kalte, kalte Tokyo, in dem, bisweilen ungesehen, ein Engel nach dem anderen ihren Weg kreuzt und Weihnachtswunder sich an Weihnachtswunder reiht. Dabei wird der Zuschauer gelegentlich auch mit der Frage konfrontiert, wieso der Mensch nicht in der Lage ist, mit dem kleinen Glück behutsamer umzugehen, wenn er es findet. So musste Miyaku von zuhause fliehen, weil sie in im Streit ihren Vater erstochen hatte. Ihr kleines Kätzchen namens „Angle“ war verschwunden und in ihrem Zorn beschuldigte sie den kalten und strengen Vater, sie ihr weggenommen zu haben – ein Irrtum, wie sich herausstellt. Als Gin seine Kyoko (seine Tochter trägt zufälligerweise denselben Namen) wieder trifft, fährt der notorische Lügner fort, ihr Märchengeschichten aufzutischen, um ihr nicht sagen zu müssen, in welchen Verhältnissen er lebt. Das Schöne und Heilige überwältigt und überfordert die Menschen. Man kann es nicht halten oder erzwingen, sondern kann sich nur bereit machen, dass es zu einem kommt und dabei das Beste aus dem machen, was man bereits hat. Der Film ruft zur Geduld und Behutsamkeit mit den Mitmenschen auf.

Von der Freiheit, zu irren und der Pflicht zu verzeihen

In dieser Hinsicht ist Tokyo Godfathers sehr japanisch: er nimmt den einzelnen für das Gelingen des Ganzen in die Pflicht. Seine Protagonisten sind nicht nur von der Gesellschaft Verstoßene – dass diese ihnen die kalte Schulter zeigt stellt der Film freilich eindrücklich und schmerzhaft klar – sondern sie selbst haben zu ihrer Situation beigetragen. Sie waren auch unbarmherzig gegen jene, die sie zurückgelassen haben und haben diese aus ihrem eigenen Stolz heraus verletzt. Diese Botschaft in ihrer Konservativität ist freilich in europäischen Medienprodukten nur selten zu finden. Dabei leistet sie etwas ganz Wichtiges, sie nimmt die drei Protagonisten in ihrer Menschlichkeit, Entscheidungsfreiheit und Fehlerhaftigkeit ernst. „I could go home anytime“, sagt Miyoko. „It’s those who say that, who never do.“, antwortet Hana. Dadurch, dass der Film in seinen Schuldzuweisungen so diffus bleibt, kann er das Thema von Sünde und Vergeltung so glaubhaft vermitteln: unsere Fehltritte sind niemals monokausal. Und deshalb teilen wir die Verantwortung für diese mit der Gesellschaft. Weder ist es die böse Gesellschaft, die sie uns aufzwingt, noch hat diese das Recht, auf gescheiterte Menschen mit dem Finger zu zeigen. Und manchmal wird einfach trotzdem alles gut.

Es ist die schroffe Aneinanderreihung von grausamem Realismus und bis zum Slapstick kitschigen Wundern, die diesen Film trotz allem so leicht und erträglich machen. Eine Ambivalenz die wiederum auf den Charakter des Weihnachtsfestes verweist, das immer ein wenig zwischen Kitsch und Ernst osziliert.

Dass Satoshi Kon auf christliche Bilder zurückgreift ist nicht nur in deren weltweit erkennbaren Kodierung begründet: Wer das Christentum, und sei es als Außenstehender, ernst nimmt muss die Weihnachtsgeschichte als Geschichte darüber auffassen, dass Gott auch der Allerkleinste nicht zu klein ist und dass wir in einer Welt voller unwahrscheinlicher Wunder leben, derer wir selbst das größte sind. Ob die Lösung denn am Ende eine wirklich Christliche sein wird – oder muss – das lässt er freilich offen. Und so wollen wir es auch halten und diesen Film einfach als Homage, als versteckte Liebeserklärung an die Träume, Werte und Ästhetiken unserer Kultur auffassen. Mit dieser hat Kon, ganz versehentlich, als Buddhist einen der christlichsten Weihnachtsfilm gemacht, den ich überhaupt kenne.

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Ironie und Religion (aktueller Anlass)

Ein Wort vorab: ich war (noch) nicht in dieser Ausstellung. Ich lese normalerweise nicht die AZ (ich war durch unglückliche Umstände gezwungen). Worum es mir eigentlich geht, ist die Einleitung des Artikels:

„Glaube und Religion sind grundsätzlich ironiefreie Zonen. Deshalb überrascht die neue Ausstellung im Jüdischen Museum zumindest im Titel mit Süffisanz: „Treten Sie ein! Treten Sie aus!“ heißt das Projekt, das sich mit Konversion, dem Wechsel des Glaubens, beschäftigt.“

Glaube und Religion ironiefreie Zonen? Und dann ausgerechnet, von allen Orten dieser Welt, im JÜDISCHEN Museum?! Woody Allen dreht sich vermutlich gerade im Grab um (aber mit dieser kleinen Bosheit dürfte ich ihn gleich wieder versöhnen ;)).

Doch fangen wir vorne an: Glaube und Religion. Glaube und Religion? Das sind zwei grundverschiedene Dinge, so wie Abwasch und Spüle oder Auto und Urlaub. Klar, irgendwie hängen sie zusammen und sie sind in ihrer Definition äußerst fragwürdig, aber keiner wird mir widersprechen: sie sind nicht das gleiche. Nun gebe ich Herrn Hejny recht: für mich ist Glaube eine derart unmittelbare, ja beinahe körperliche Erfahrung, dass sie im Augenblick, in dem sie sich ereignet, nicht ironisierbar ist, ebenso wenig wie ein Zehenbruch oder ein Orgasmus. (Dass sich über körperliche Verletzungen und Sexualität unendliche Scherze reißen lassen, deutet aber bereits auf das hin, worauf ich hinaus will). Aus diesem Grunde reagiere ich auch nur zögerlich auf die Frage, ob ich gläubig sei: wer 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche gläubig ist, ist meiner Meinung nach nicht ganz dicht und die Erfahrung von Glauben ist für mich zu intim, um sie jemandem Fremden auseinanderzusetzen.

Wie man nun auf die Idee kommt, dass Religion eine ironiefreie Zone sei, ist mir derart schleierhaft, es ist schlichtweg so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil davon stimmt. Natürlich nehmen viele Leute ihre Religion auf eine Art und Weise ernst, die es ihnen nicht ermöglicht, in irgendeiner Form ironische Distanz zu erlangen. Dies ist auch die Sorte Leute, die für ihre Religion Kriege vom Zaun brechen, sich und/oder andere in die Luft sprengen, oder Andersdenkende vom Prinzip her mit Verachtung strafen, ja schlichtweg leugnen, dass es überhaupt verschiedene Standpunkte gibt, von denen aus die Welt sich betrachten lässt, wie die Wissenschaft z.B. (you get the point).

Genau diese Aggressivität aber, diese Engstirnigkeit ist oft eine der vielen Möglichkeit, wie Religiöse auf Vorwürfe und Verunsicherungen von Außen, auf Zwiespälte, Diskrepanzen und Zweifel von Innen reagieren.

Eine andere Möglichkeit ist die ironische Distanz, die spielerische, sofort wieder zurückgenommene Blasphemie, die scherzhafte Überbetonung des von Außen an einen herangetragenen Klischees.

Meister dieser Disziplin waren gewiss die Juden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bis heute – so sehr, dass die stereotype Vorstellung, Juden hätten jüdischen Humor wiederum Gegenstand dieses Humors geworden ist. (Bitten Sie nur einmal, einen engagierten, praktizierenden Juden darum, Ihnen einen jüdischen Witz zu erzählen, mitunter werden Sie eine sehr ironische Antwort erhalten).

Ich las einmal in einer Publikation, dies sei die Folge eines jüdischen Selbsthasses und Unbehagens über die eigene gesellschaftliche und weltanschauliche Rückständigkeit, das sich schließlich praktisch im liberalen Judentum umsetzte, welches in seinen Anfangsformen vor lauter Assimilationswilligkeit fast zu einer Art jesuslosen evangelischen Kirche wurde, eine Entwicklung die mittlerweile in vielen Gemeinden revidiert wurde (Auf Wunsch kann ich die Belegstelle heraussuchen).

Ich halte dies für ein Missverständnis. Die ironische Selbstbetrachtung ist meiner Meinung nach kein Selbsthass, sondern vielmehr genau deren Gegenteil: es ist die gegenseitige Rückversicherung innerhalb einer eingeweihten Gruppe, sie drückt Solidarität im Schmerz, Zweifel und Zorn aus. Da nur die Eingeweihten die Ironie verstehen können, bietet sie Schutz nach Außen, da sie dem Sprecher sofort ermöglicht, vom Inhalt zurückzutreten, bietet sie Schutz nach Innen: man kann sich durch den Humor emotional distanzieren.

Tauschen also meine Katholische Freundin und ich uns über die besten Plätze für Hexenverbrennungen aus oder treten in einen Wettbewerb, wer von uns prüder oder ungebildeter ist, dann drücken wir damit nicht aus, dass wir uns heimlich selbst dafür hassen, Hexen zu verbrennen, prüde und ungebildet zu sein, sondern wir teilen unsere Trauer darüber, ständig mit solchen Klischees konfrontiert zu sein.

Dies funktioniert auch interkonfessionell:

Ich führe z.B. gerne zum Schein heftige Streitgespräche mit evangelischen Freunden; zwischen uns ist klar: wir freuen uns daran, dass wir uns so kompetent zwischen unseren Konfessionen bewegen können und daran, dass wir bestimmte typische Vorwürfe überwunden haben, indem wir uns genau diese mit ironischer Übertreibung an den Kopf werfen. (Übrigens haben einmal zwei ehrlich bestürzte Muslime auf einer interreligiösen Dialogveranstaltung versucht, einen solchen „Streit“ zwischen einer Lutheranerin und mir zu schlichten).

Interreligiös:

Wenn mein jüdischer Freund und ich uns über die geschwollen-redundante Sprache des alten Testaments mit ihren unendlichen Genealogien lustig machen, indem wir sie imitieren, um Banalitäten zu formulieren, kommunizieren wir dabei nicht, dass wir innerlich eigentlich unsere Religion ablehnen, sondern verhandeln unsere Schwierigkeiten mit diesen unzugänglichen Stellen, die wir trotzdem ernst nehmen wollen oder müssen und versichern uns, dass wir diese Probleme teilen und dass sie nicht von unserer Dummheit herrühren.

Auch meine allerbeste Freundin, eine Atheistin, kann sich mit mir ironisierend über meine Religion lustig machen, ohne, dass ich mich auch nur annähernd verletzt fühle: kommuniziert wird, dass sie die Klischees der anderen durchschaut und zumindest mich davon ausnimmt, ich hingegen kann mit ihr meine intellektuelle Abgrenzung von anderen Religiösen und meine Unsicherheiten und Zweifel kommunizieren, ohne dabei einen Seelenstriptease hinzulegen oder ein übertrieben großes Fass aufzumachen – nicht immer sind diese in existentielle Krisen integriert, sondern stoßen einem eben von Zeit zu Zeit unangenehm auf.

Definitiv hat also die Ironie einen Platz in der Kommunikation des Religiösen, einen sehr wichtigen sogar.

Aber die Religion ist doch sicher dennoch ein rein ernstes Thema?

Ja und Nein. Denn es ist ein typisch deutscher Denkfehler, zu glauben, dass Humor bedeutet, dass man nicht ernst ist.

Einer meiner Lieblingsbräuche des Katholizismus ist der risus paschalis – das Osterlachen. Der Priester sorgt dafür, dass die erste Gefühlsregung der Gemeindemitglieder nach der anstrengenden Fastenzeit und der psychisch aufreibenden Karwoche ein Lachen ist: mit einem Witz oder einer Slapstickeinlage. Idee ist auch, dass die Lebensfreude der Menschen eine (vor-)witzige Reaktion des Menschen auf den ihm dräuenden Tod ist, die sie sich erlauben können, weil sie letztlich glauben, dass der Tod nur Schein und für immer besiegt ist.
Klingt das, als wäre es nicht ernsthaft?

Im Buddhismus ist der Humor eine Möglichkeit, von der Unerträglichkeit des irdischen Daseins und der Wichtigkeit der eigenen Person zurückzutreten (dafür ist die (Selbst-)Ironie als Humorform natürlich prädestiniert), Sachlichkeit, Neutralität und Ausgeglichenheit zu finden. Ich kann mir nichts Ernsteres vorstellen. Außerdem ist er eine Reaktionsmöglichkeit auf die dem Buddhismus inhärenten Paradoxa.

Auch im Christentum wird auf Paradoxa mit Humor reagiert, wie dieses Meme beweist:

Are you there, Dad? It's me, you!

Aber lassen Sie mich zum Abschluss einen Witz erzählen:

Ein Pfarrer, ein Imam und ein Rabbiner lesen die AZ…

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